Was braucht mein Kind?

Fragen rund um Erziehungshilfe

Familie_Haende_123_750.jpg
© 123RF

Kindererziehung ist eine Mammutaufgabe. Ganz gleich, ob Sie einem bestimmten pädagogischen Ansatz folgen oder ob Sie eher aus dem Bauch heraus und je nach Situation erziehen – Zweifel, Sorgen und jede Menge Diskussionen gehören einfach dazu. Aber was braucht ein Kind wirklich, um glücklich zu sein? Und woher weiß ich, ob ich in der Erziehung alles richtig mache?
Um Kinder „richtig“ zu erziehen braucht es in erster Linie Mut. Den Mut, seinen eigenen Weg zu finden, auch wenn Erziehungsratgeber und Freunde etwas anderes sagen. Und den Mut, hin und wieder auch zu scheitern. Sie finden in dieser Kategorie einige der wichtigsten Fragen rund um die Kindererziehung und unsere Antworten und Ideen dazu.

Lasst Kinder spielen!

Wenn wir uns an unsere eigene Kindheit erinnern, woran denken wir dann am liebsten zurück? An den wöchentlichen Klavierunterricht oder doch eher an sonnige Nachmittage mit Freunden am Badesee oder tuschelnd und kichernd in der selbstgebauten Höhle im Wohnzimmer? 
Eltern wollen das Beste für Ihr Kind – aber viele vergessen im allgegenwärtigen Förder- und Optimierungsdruck, ihrem Kind die Freiräume zu lassen, die es so dringend braucht. Kind sein dürfen, solange sie die Gelegenheit dazu haben: Freies, ungestörtes Spielen mit Gleichaltrigen ist kein „nutzloser“ Zeitvertreib, es ist die Grundlage für eine gesunde Entwicklung Ihres Kindes.

Spielen macht schlau: Spielen ist für Kinder eine natürliche Form des Lernens. Sie lassen ihrer Fantasie freien Lauf und üben sich spielerisch in abstrakten Gedankengängen. Logische Zusammenhänge werden erschlossen und die Konzentration geschult.

Spielen fördert die Sozialkompetenz: Kinder müssen im Spiel kommunizieren, streiten und Kompromisse finden. Die Interaktion miteinander fördert ihre soziale Kompetenz und ihre Empathie.

Spielen ist gesund: Kinder rennen, springen, klettern und toben beim Spielen. Diese freie Bewegung ist ein essenzieller Teil ihrer Entwicklung, macht Kinder fit und stärkt ihr Körpergefühl.

Spielen macht Spaß: Kinder können sich im Spiel frei entfalten und ohne Erwartungen oder Leistungsdruck lernen und entdecken.

Und nicht zuletzt: Spielen beschäftigt Kinder stundenlang – das gibt Ihnen Freiraum für sich selbst und alle anderen alltäglichen Aktivitäten.

Fördern, ohne zu überfordern

Erziehungshilfe_250.jpg

Vergleicht man eine Kindheit vor 20 oder 30 Jahren mit der Kindheit von heute, dann spürt man, wie sehr sich die Erwartungen verschoben haben. Der typische Satz unserer Kindheit „Ab nach draußen, aber zum Abendbrot seid ihr wieder da!“ ist kaum noch zu hören. Stattdessen fahren wir unsere Kinder nach der Schule zur Geigenstunde, zum Handballtraining, zum Kinder-Debattierkurs oder zur Nachhilfe.

 

Es gibt unzählige Fördermöglichkeiten, und der Leistungsdruck wächst für Eltern und Kinder gleichermaßen: Während Eltern verzweifelt bemüht sind, alles richtig zu machen und ihr Kind optimal auf die Zukunft vorzubereiten, stehen die Kinder von klein auf unter dem Druck, zu funktionieren und sich mit den Leistungen anderer messen zu müssen. Nur: Wie sollen Kinder ihre Persönlichkeit entwickeln, wenn sie im Alltag einen Termin nach dem anderen absolvieren? Die besten Möglichkeiten der Förderung sind die, für die Sie weder zahlen noch Ihr Kind anmelden müssen. Seien Sie für Ihr Kind da und unterstützen Sie es im ganz alltäglichen Familienleben. Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema:

Wie kann ich mein Kind in seiner Entwicklung fördern?

Die Trotzphase im Alter zwischen zwei und drei Jahren ist berüchtigt – und fast alle Eltern haben hin und wieder den Eindruck, dass sich die Trotzphase eigentlich von etwa sechs Monaten bis ins Grundschulalter hinzieht. Wie geht man am besten mit unvermittelten Wutausbrüchen oder bockigen Kindern um?

Mit Zuwendung und echtem Interesse: Gemeinsam verbrachte Zeit mit Spielen, Kuscheln und Unterhaltungen ist die Grundlage für eine gesunde Entwicklung.

Mit dem Blick auf seine Vorlieben: Wenn Ihr Kind sich für das Schlagzeug begeistert, machen Geigenstunden wenig Sinn. Finden Sie heraus, was Ihrem Kind wirklich Spaß macht und unterstützen Sie diese Vorlieben – auch, wenn Sie sich eigentlich etwas ganz anderes vorgestellt haben.

Mit Loslassen: Trauen Sie Ihrem Kind etwas zu – es ist der Mix aus kleinen Erfolgen und Niederlagen, der Ihrem Kind hilft, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Mit Konsequenz: Viele Eltern haben Angst, dass Schimpfen oder Strafen ihr Kind unglücklich machen. Feste Regeln und die entsprechenden Konsequenzen geben einem Kind aber auch Sicherheit – solange sie gerecht und verständlich umgesetzt werden.

Rosa und Hellblau – Wie funktioniert geschlechtsneutrale Erziehung?

Ein Blick in die Babyabteilung von Kaufhäusern sagt alles: Ponys und Prinzessinnen auf der einen Seite, Autos und Piraten auf der anderen, dieses Muster findet sich schon auf Babystramplern wieder. Viele Eltern haben ihre Probleme mit dieser Art der Prägung. Sollten Kinder nicht eigentlich ihre eigenen Vorlieben entwickeln können, ohne von Anfang an in „Geschlechterschubladen“ einsortiert zu werden? Antworten auf diese Frage gibt unser Artikel Typisch Junge, typisch Mädchen: Funktioniert geschlechtsneutrale Erziehung?

Genau an diesem Punkt setzt die geschlechtsneutrale Erziehung an. Kinder sollen ihre Persönlichkeit frei entfalten können, ohne den gesellschaftlichen Erwartungen an ihr Geschlecht gerecht werden zu müssen. Eltern, die diesen Erziehungsstil umsetzen, geben ihren Kindern häufig geschlechtsneutrale Namen und stellen ihnen von Anfang an sowohl „Jungen-“ als auch „Mädchenspielsachen“ häufig Hosen, Röcke und Kleider gleichberechtigt zur Verfügung.

Selbstbestimmte Geschlechterrollen für Kinder?

Im Grunde ist es genau das, was wir uns für unsere Kinder wünschen – dass sie ohne Klischees und Vorurteile aufwachsen und ihre Vorlieben ausleben können. Kritiker bemängeln allerdings, dass eine strikt geschlechtsneutrale Erziehung bei Kindern auch Orientierungslosigkeit hervorrufen kann. Es ist nicht genau bekannt, welche Faktoren für die sexuelle Identität eine Rolle spielen. Als sicher gilt aber, dass die Erziehung nicht ausschließlich dafür verantwortlich ist, wie sich Kinder in ihre Geschlechterrolle hineinfinden.

Dem großen Plus der geschlechtsneutralen Erziehung – nämlich der Freiheit der Persönlichkeitsbildung – steht ein großes Risiko gegenüber: Kinder, die sich nicht auf ihre Rolle als Junge oder Mädchen festlegen, laufen Gefahr, im Kindergarten und in der Schule zu Außenseitern zu werden. Die Einflüsse und Erwartungen von außen werden in dieser Zeit immer stärker, sodass sich viele Kinder nach und nach trotzdem in ihre Geschlechterrolle fügen.

Was tun bei Problemen in Kita und Schule?

Spätestens mit dem Beginn der Tagesbetreuung liegt die Kindererziehung nicht mehr allein bei den Eltern. Erzieher, Lehrer und natürlich auch die anderen Kinder prägen den Alltag Ihres Kindes. Nicht immer läuft das reibungslos ab. Vielleicht kommt Ihr Kind mit seinen Problemen zu Ihnen, vielleicht erfahren Sie durch vorsichtiges Nachbohren oder im Gespräch mit Lehrern und Erziehern von Schwierigkeiten. Meist ist es das Sinnvollste, Ruhe zu bewahren, ggf. eine neutrale Meinung einzuholen und gemeinsam eine Lösung zu finden.

Lernschwierigkeiten: Viele Eltern sind alamiert, wenn ihr Kind langsamer lernt als andere Kinder. Dabei ist der Leistungsgedanke in der Kita und grundstätzlich auch in der Grundschule fehl am Platz. Auch bei anhaltenden Lernschwierigkeiten in der Schule ist es wichtig, dass Sie Ihrem Kind Sicherheit vermitteln und nicht den Eindruck entstehen lassen, es sei "nicht gut genug". Sollte wirklich eine Entwicklungsverzögerung vorliegen, dann werden professionelle Erzieher bzw Pädagogen Sie rechtzeitig darauf ansprechen und ggf. Fördermaßnahmen wie Logopädie oder Ergotherapie vorschlagen.

Kontaktschwiereigkeiten: Nicht nur die zurückhaltenden Kinder haben manchmal Schwierigkeiten in der Kita oder Schue. Auch für kleine Rabauken ist es mitunter schwierig, Kontakt zu anderen, weniger offensiven Kindern aufzunehmen und sich mit ihnen zu verständigen. Erzwingen lässt sich nichts, machen Sie sich nicht zu viele Gedanken, wenn Ihr Kind nicht so viele Freunde hat wie andere Kinder. Vielleicht findet es mit der Zeit ein oder zwei andere Kinder, mit denen es besoners gut zurechtkommt. Diese Freundschaften können Sie unterstützen, um das Selbstbewusstsein Ihres Kindes zu stärken und es für neue Freundschaften zu öffnen.

Schwierigkeit mit dem pädagogischen Konzept: Die meisten Kitas und Schulen verfolgen einen bestimmten pädagogischen Ansatz, der in der jeweiligen Satzung genau erläutert wird. Die meisten Eltern haben sich mit dem Konzept vertraut gemacht, wenn sie ihr Kind in einer Einrichtung anmelden. In der Praxis läuft es aber manchamal anders, als man sich es vorgestellt hat. Nicht alle Kinder kommen mit allen Erziehungsstilen zurecht und nicht immer wird ein pädagogisches Konzept von allen Erziehern unterstützt und geschlossen umgestetzt. Grundsätzlich sollte Ihr Bauchgefühl entscheiden: Fühlt sich Ihr Kind wohl? Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Kind dort gut aufgehoben ist? Nur, wenn Sie eine der beiden Fragen klar mit "Nein" beantworten können, sollten Sie über einen Wechsel nachdenken - denn der bedeutet in der Regel zusätzlichen Stress für Ihr Kind.

 

Alltägliche Tipps für eine glückliche Kindheit

 

  1. Zeit miteinander verbringen: Bis zu einem bestimmten Alter ist es für alle Kinder das Schönste, Zeit mit Mama und Papa zu verbringen. Es müssen keine großen Unternehmungen sein: Spielen, Lesen oder einfach auf dem Sofa kuscheln gibt Sicherheit und Geborgenheit.
  2. Auch mal nichts vorhaben: Manchmal ist weniger mehr. Kinder sind die ganze Woche in Kita und Schule eingespannt und erleben dort ständig Neues. Da ist ein Tag ganz ohne Pläne, mit reichlich Zeit zum Spielen, pures Glück. Natürlich möchten Eltern ihren Kindern etwas bieten – aber Freizeitaktivitäten im Akkord werden auch die lebhaftesten Kinder nicht genießen.
  3. Geduldig sein: Noch hat Ihr Kind die Möglichkeit, spielerisch zu lernen und sich frei zu entfalten. Lassen Sie ihm diese Chance und erlauben Sie ihm, sich in seinem eigenen Tempo zu entwickeln – das ist nicht nur für Ihr Kind, sondern auch für Sie entspannter.

  4. Zuhören: Es klingt so einfach, aber im hektischen Alltag und mit dem zunehmenden Druck von außen vergisst man manchmal, was wirklich wichtig ist: Ihrem Kind zuzuhören und es ernst zu nehmen, um es in seinen Bedürfnissen zu unterstützen.