Sauberkeitserziehung

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Diese Frage stellen sich alle Eltern früher oder später – und mit Sicherheit gibt es auch den ein oder anderen guten Ratschlag von Freunden und Familienmitgliedern dazu. Lassen Sie sich bloß nicht verunsichern: Wann Ihr Kind die Windeln überdrüssig wird, können Sie nur sehr bedingt beeinflussen.

Aber es gibt ein paar typische Anzeichen, dass Ihr Kind bereit ist, die Windeln loszuwerden:

  • Wenn Ihr Kind selbst merkt bzw. sich bemerkbar macht, wenn es muss
  • Wenn Ihr Kind zunehmend Interesse an der Toilette zeigt oder Ihnen zum Beispiel auf der Toilette zuschauen möchte
  • Wenn es sich freiwillig und ohne Druck auf sein Töpfchen setzt
  • Wenn es keine Windel mehr tragen will oder feuchte Windeln als sehr störend empfindet

Nicht alle Punkte müssen auf Ihr Kind zutreffen. Vielleicht zeigt es nur eines oder zwei dieser Muster – aber die Chancen stehen gut, dass es jetzt mit der Sauberkeitserziehung klappt.

Töpfchentraining – Ja oder nein?

Ein Töpfchentraining zu einem festgesetzten Zeitpunkt, etwa ab dem zweiten Geburtstag, macht nur wenig Sinn. Erst wenn sich die neuronalen Verbindungen von der Blase zum Gehirn voll entwickelt haben, kann Ihr Kind den Harndrang selbst erkennen und die Blasenfunktion kontrollieren. Diese Entwicklung dauert bei Kindern unterschiedlich lang. Durchschnittlich sind die Kleinen mit 28 Monaten tagsüber sauber und mit 33 Monaten nachts.

Natürlich kann man schon Einjährigen beibringen, aufs Töpfchen zu gehen – meist ist das aber eher eine „Töpfchen-Dressur“ als echtes Trockenwerden. Und nicht selten ist zu frühes Töpfchentraining für Eltern und Kinder mit großem Frust oder sogar mit späterem Bettnässen verbunden.

Ganz ohne Training geht es trotzdem nicht. Zwar erlernen Kinder die Kontrolle über ihre Blase mehr oder weniger von allein, trotzdem braucht es etwas Übung für den Toilettengang mit allem, was dazugehört. Erst mit der Zeit lernen Kinder, wie viel Zeit sie für das Pipimachen einplanen müssen und das man auch „vorsorglich“ auf das Töpfchen gehen kann. Wenn Ihr Kind körperlich und geistig so weit entwickelt ist, dass es den Gang aufs Töpfchen versteht und bewusst unternehmen kann, dann ist ein entspanntes (!) Töpfchentraining absolut sinnvoll.

Sauberkeitserziehung – mehr als nur der Gang aufs Töpfchen

Nicht umsonst heißt es „Sauberkeitserziehung“. Denn neben dem eigentlichen Pipimachen müssen Kinder auch alles lernen, was sonst noch zum Gang auf die Toilette dazugehört. Nutzen Sie die Gelegenheit und üben Sie ein paar Dinge gleich von Anfang an: Je selbstständiger Ihr Kind auf die Toilette geht, desto schwieriger wird es, an Händewaschen & Co zu erinnern.

Knöpfe und Reißverschlüsse öffnen: Viele Kinder haben anfangs Schwierigkeiten mit Hosenknöpfen, besonders wenn es eilig ist. Helfen Sie, wenn nötig, aber lassen Sie Ihr Kind ruhig eine Weile allein probieren.

Abwischen: Auch Kinder, die schon selbständig auf die Toilette gehen, brauchen oft noch Hilfe beim Po abwischen - meist sind die Arme einfach nicht lang genug.

Spülen: Kinder, die schon mit dem Toilettensitz üben, sollten am besten selbst die Spülung betätigen und dies als festen Bestandteil des Toilettengangs einüben. Einige Kinder finden die Spülgeräusche unheimlich - hier hilft es vielleicht, wenn Sie am Anfang gemeinsam den Spülknopf drücken.

Händewaschen: Sollte von Anfang an fester Bestandteil des Töpfchen-Trainings sein. Ihr Kind wird das Händewaschen bald ganz selbstverständlich mit dem Gang auf das Töpfchen verbinden.

Noch nicht trocken – Ist das normal?

Einige Kinder sind mit zwei Jahren sauber, andere zeigen auch mit vier Jahren kaum Interesse daran, ihre Windel loszuwerden. Manche Kinder lehnen das Töpfchen rundheraus ab und wieder andere sind tagsüber schon längst trocken, aber brauchen Nacht für Nacht eine Windel. Eltern sind schnell verunsichert, wenn es um die vermeintlichen Regeln für das Trockenwerden geht. Versuchen Sie, das Thema gelassen zu sehen. Es gibt nicht wenige Kinder, die auch mit fünf Jahren noch nicht zuverlässig trocken sind. Erst wenn Ihr Kind mit dem Eintritt ins Grundschulalter seine Blase noch nicht ganz im Griff hat, sollten Sie Rat beim Kinderarzt suchen, um eventuelle medizinische Gründe abzuklären.

Die wichtigsten Regeln bei der Sauberkeitserziehung

  • Gelassen bleiben!
  • Das Töpfchen „nebenbei“ und ohne viel Aufhebens in den Alltag integrieren
  • Auf körperliche Signale achten
  • Regelmäßig den Gang aufs Töpfchen anbieten
  • Auf kleine Malheure (auch häufiger) vorbereitet sein und nicht schimpfen
  • Das Drumherum (z. B. Händewaschen) von Anfang an mit üben
  • Ihr Kind nicht mit anderen vergleichen
  • Keinen Druck aufbauen – weder für Ihr Kind noch für sich selbst
  • Wenn es gar nicht klappt: einfach noch ein paar Monate warten