Windelfreie Erziehung – was steckt dahinter?

windelfreie_erziehung_750.jpg.png
© 123RF
Endlich keine Windel mehr! Für viele Eltern ist das „Trockenwerden“ ihrer Kinder ein echter Meilenstein. Nicht nur wegen der Kosten- und Zeitersparnis, sondern auch, weil dieser Schritt in die Selbstständigkeit vielen Kindern neues Selbstbewusstsein gibt. Einige Eltern verzichten aber von Anfang an ganz bewusst darauf, ihr Baby zu wickeln. Die „natürliche Säuglingspflege“ ist ein alternatives Erziehungskonzept, das auf einer intensiven nonverbalen Kommunikation zwischen Eltern und Kindern beruht. Wir erklären Ihnen, was dahintersteckt.

Das Konzept „natürliche Säuglingspflege“

Langfristig ist es natürlich das Ziel aller Eltern, dass ihr Kind keine Windel mehr benötigt. Bei der windelfreien Erziehung geht es aber weniger um ein verfrühtes Töpfchentraining als darum, die natürlichen Körperbedürfnisse von Babys und die entsprechenden Signale zu verstehen und darauf einzugehen. Die Eltern achten ab dem ersten Lebenstag ihres Babys auf bestimmte Anzeichen, die auf Ausscheidungsbedürfnisse hindeuten, und halten ihr Baby dann zum Beispiel über das Waschbecken.

Wie funktioniert die windelfreie Erziehung im Alltag?

Nicht umsonst heißt es „Sauberkeitserziehung“. Denn neben dem eigentlichen Pipimachen müssen Kinder auch alles lernen, was sonst noch zum Gang auf die Toilette dazugehört. Nutzen Sie die Gelegenheit und üben Sie ein paar Dinge gleich von Anfang an: Je selbstständiger Ihr Kind auf die Toilette geht, desto schwieriger wird es, an Händewaschen & Co zu erinnern.

Windelfreie Erziehung – Pro und Contra

windelfreie_erziehung_Mama_und_Baby.jpg
© 123RF

Das spricht dafür

Enge Bindung: Unbestreitbar ist, dass die windelfreie Erziehung ein sehr enges Verhältnis zwischen Baby und Eltern fördert. Eltern achten vom ersten Tag an auf die Bedürfnisse und Signale ihres Kindes und verlassen sich mehr auf ihre Intuition.

Mehr Komfort: Eine feuchte Windel auf der Haut ist unangenehm. Auch die Bewegungsfreiheit wird mit zunehmender Mobilität durch die dicke Windel eingeschränkt. Wer sein Baby schon einmal für eine Weile ohne Windel gelassen hat, der weiß, wie sehr Kinder diese Freiheit genießen.

Umweltschonend: Windeln sind nicht billig – und sie verursachen jede Menge Müll. Eine windelfreie Erziehung ist daher noch umweltschonender als die Stoffwindel. Unterm Strich ist sie auch kostengünstiger, allerdings benötigen windelfreie Babys statt der üblichen Bodys meist alternative Kleidung ohne Knöpfe im Schritt. Zudem muss die Babywäsche besonders hochwertig sein, da sie im ständigen Kontakt mit der Haut ist.

Keine Umstellung: Es ist zwar nicht das Hauptziel der windelfreien Erziehung, aber Babys, die ohne Windeln aufwachsen, kennen ihre Ausscheidungsbedürfnisse von Anfang an und haben später keine Probleme damit, sich an das Töpfchen oder an die Toilette zu gewöhnen.

 Das spricht dagegen

 

Zeitintensiv: Eltern müssen sehr aufmerksam sein und genau auf die Signale ihres Kindes achten. Nicht immer sind diese Signale eindeutig – und nicht immer erlaubt es der Alltag, sich voll und ganz auf sein Kind zu konzentrieren.

Wenig flexibel: Zuhause schnell mit dem Baby zum Waschbecken rennen, ist vielleicht noch machbar – aber wie ist das unterwegs? Wie läuft das Einkaufen oder Treffen mit Freunden ab, wenn man plötzlich das Baby zum Pipimachen abhalten muss? Eltern windelfreier Babys büßen so schnell an Flexibilität und Spontaneität ein.

Geringe Akzeptanz: Nicht jeder kann mit dem Konzept der natürlichen Säuglingspflege etwas anfangen. Familie und Freunde reagieren oft ablehnend. Und natürlich gefällt es nicht allen, wenn häufiger mal etwas danebengeht – nicht nur in die Babykleidung, sondern auch mal ins Tragetuch oder auf die Kleidung der Eltern.

Betreuungsproblem: Für Mama und Papa ist es nach einiger Zeit ganz normal, die Signale ihres Babys zu erkennen und entsprechend zu handeln. Andere Personen tun sich damit wahrscheinlich schwerer. Das Baby für ein paar Stunden bei Oma und Opa oder beim Babysitter zu lassen, ist schwierig – so kann die sehr enge Eltern-Kind-Beziehung mitunter zur Belastungsprobe werden.