… und wie geht es weiter?

Geschichten erfinden mit Kindern

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Kinder lieben Geschichten. Und fast ebenso gern, wie sie einer Geschichte lauschen, die von Mama oder Papa vorgelesen wird, beginnen sie selbst zu erzählen: Von fremden Welten und von typischen Alltagssituationen, von Räubern, Königinnen und vom Nachbarshund. Geschichten zu erfinden macht Spaß und hilft, Situationen und Erfahrungen aus dem Alltag zu verarbeiten. Nicht zuletzt ist das gemeinsame Herumfantasieren eine kreative Leistung, die die Sprachkompetenz und das abstrakte Denkvermögen schult. Versuchen Sie doch einmal, zusammen mit Ihrem Kind Geschichten zu erfinden – wir haben ein paar Anregungen, wie Sie es angehen können.

Ab welchem Alter kann man mit Kindern Geschichten erfinden?

Um sich eine Geschichte von Anfang bis Ende auszudenken, braucht es abstraktes Denkvermögen, das bei Zwei- oder Dreijährigen in der Regel noch nicht so stark ausgebildet ist. Andererseits gilt für das Geschichtenerfinden das Gleiche wie für alle kreativen Arbeiten – Übung macht den Meister. Darum macht es Sinn, Kinder beim Erzählen von Anfang an mit einzubinden. Sie können damit beginnen, sich selbst Geschichten auszudenken und zwischendurch kleine Fragen zu den Details zu stellen: „Und weißt du, welche Farbe der Hund hatte?“, „Und was hat der Ritter dann in seiner Burg entdeckt?“ Nach und nach kann Ihr Kind immer mehr zu einer Geschichte beitragen und auf diese Weise seine Kreativität schulen. Ab etwa fünf Jahren können sich Kinder auch komplexere Geschichten mit einem durchgehenden Handlungsstrang und mehreren Personen ausdenken.

Geschichten erfinden – so klappt’s

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Manchmal kommen die Geschichten von ganz allein – wenn man gerade gemütlich auf dem Wohnzimmerteppich liegt, gemeinsam durch den Wald streift oder vor dem Einschlafen noch im Bett kuschelt. Sie können eine Geschichte aber auch gezielt anregen. Am Anfang ist es vielleicht noch etwas holperig, aber mit der Zeit wird Ihr Kind den Ablauf kennenlernen und immer freier erzählen.

Aufwärmen: Um in Erzählstimmung zu kommen, können Sie zum Beispiel eine bekannte Geschichte nacherzählen. Das kann das Lieblings-Bilderbuch sein oder ein gemeinsames Erlebnis – Hauptsache ist, dass Ihr Kind frei und in seinen eigenen Worten erzählen kann.

Thema finden – Was wäre, wenn? Eine einfache Möglichkeit, ein Thema zu finden, ist die Frage „Was wäre, wenn …?“ Entweder Sie oder Ihr Kind können damit eine Richtung vorgeben: Was wäre, wenn unser Haus fliegen könnte? Was wäre, wenn ich den Kühlschrank aufmache und dort eine Gruppe winzig kleiner Pinguine finde? Der Vorteil bei solchen Fragen ist, dass meist das eigene Umfeld im Mittelpunkt der Geschichte steht – so fällt es viel leichter, die Geschichte zu erzählen.

Thema finden – Geschichten-Struktur finden: Wenn Sie mit mehreren Kindern Geschichten erfinden, können Sie die Grundzüge der Geschichte im Voraus festlegen:

  • Wer soll die Hauptperson der Geschichte sein?
  • Wo spielt die Geschichte?
  • Was ist das Problem / Welches Abenteuer muss der Held der Geschichte bestehen?

Meist entwickelt sich aus diesen Fragen schon von allein ein erster Handlungsstrang. Sie können unterstützen, indem Sie weitere Frage stellen, zum Beispiel: Fährt der Held mit dem Fahrrad / reitet er auf einem Pferd / hat er einen fliegenden Teppich?

Thema finden – Ideen vorgeben: Ein schöner Anreiz kann es sein, wenn Sie die ersten paar Sätze einer Geschichte erzählen und Ihr Kind die Geschichte weiterspinnen lassen: „Es war einmal ein kleiner Junge, der lebte direkt am Waldrand in einem Haus, das war fast ganz von Brombeerbüschen umwachsen. Eines Tages ging er vor die Haustür und da sah er auf der Türschwelle …“

Für Eltern: Tipps für das Geschichtenerfinden mit Kindern

  • Erzwingen Sie nichts: Wenn Ihr Kind keine Lust zum Erzählen hat, lesen Sie vielleicht lieber ein Buch vor und versuchen es ein anderes Mal.

  • Schaffen Sie eine ruhige Atmosphäre: Zeitdruck oder Unruhe zu Hause behindern die Kreativität.

  • Machen Sie den Anfang: Beginnen Sie ein Anfangsszenario zu schildern oder fragen Sie Ihr Kind, wer der Held der Geschichte sein soll – das ist ein Anreiz, mitzumachen.

  • Beschreiben Sie Details: Wenn Ihr Kind die Handlung skizziert, können Sie Details hinzufügen, die die Geschichte lebendiger machen: „Der Wind raschelte in den Blättern, die Äste knarrten, und eine Eule rief „Schu-huu, schu-huu!“

  • Erzählen Sie abwechselnd: Jeder darf seinen Teil zur Geschichte beitragen – wenn Sie mögen, können Sie auch mit einer Eieruhr jeweils zwei oder drei Minuten Zeit zum Erzählen stoppen.

  • Helfen Sie weiter, wenn es stockt: Bieten Sie ein paar Ideen an, wenn Ihr Kind nicht mehr weiterweiß oder sich in der Handlung „verheddert“ hat.

  • Treffen Sie Ihre Helden wieder: Vielen Kindern fällt das Geschichten erfinden leichter, wenn sie den Helden der Handlung schon kennen. Wenn Sie sich einen Charakter für eine Geschichte ausgedacht haben, können Sie beim nächsten Mal eine neue Geschichte zum gleichen Charakter erfinden.