Warum ist Vorlesen so wichtig für Kinder?

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Was gibt es Schöneres als gemeinsam ein Buch zu lesen? Eng an Sie gekuschelt, lauschen die Kleinen Ihrer Stimme und verfolgen gebannt die Geschichte. Trotz Fernsehen und Computer, trotz Internet, Action-Spielzeug und Alltagsstress ist das Vorlesen in vielen Familien nach wie vor heiß geliebtes Ritual. Zu Recht – denn Vorlesen spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung Ihres Kindes. Es gilt als erwiesen, dass Kinder, denen von klein auf viel vorgelesen wird, später sehr viel leichter lesen lernen und lieber lesen. Wir erklären die positiven Effekte des Vorlesens und geben Tipps für das Vorlesen mit Ihrem Kind.

Hinter dem Vorlesen steckt mehr als gemütliches Zuhören

Regelmäßiges Vorlesen leistet einen wichtigen Beitrag zur Sprachentwicklung Ihres Kindes. Durch das Zuhören erweitert es seinen Sprachschatz, lernt die grammatikalischen Strukturen der Sprache kennen und verinnerlicht, auf welche Art und Weise Geschichten aufgebaut sind.

Vorlesen übt die Fantasie:

Vorlesen regt die Vorstellungskraft an - beim Zuhören empfinden Kinder das Erzählte lebhaft nach und gestlaten ihre eigene Gedankenwelt. Das regt die Kreativität an und schult ihr abstraktes Denkvermögen.

Vorlesen stärkt das Einfühlungsvermögen:

Viele Bücher und Geschichten für Kinder thematisieren alltägliche Konflikte und Ängste auf verständliche Weise. Beim Zuhören setzt sich Ihr Kind mit diesen Dingen auseinander und lernt wichtige Grundsätze für das tägliche Miteinander.

Vorlesen ist "reizerm":

Anders als der Fernehen oder Computerspiele lässt sich das Vorlesen an die Bedürfnisse anpassen. Sie können kleine Pausen machen, einen Satz wiederholen oder Fragen zu einem Bild oder einer Situation beantworten. Gerade das Sprechen über die Geschichte regt die Kreativität von Kindern an.

Vorlesen ist wichtig für gemeinsame Zeit:

Gemeinsam auf dem Sofa zu kuscheln und ein Buch zu lesen ist wunderbar gemütlich- eine Vorlesestunde kann für Eltern und Kinder gleichermaßen eine Auszeit vom Alltag bedeuten. Nehmen Sie diese Zeit bewusst als solche wahr und schaffen Sie möglichst regelmäßig eine halbe Stunde zum Vorlesen.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Vorlesen?

Im Grunde ist der Zeitpunkt zum Vorlesen immer dann ideal, wenn Sie Zeit und die nötige Ruhe haben. Sie können eine Vorlesestunde aber auch bewusst nutzen, um etwas Ruhe in den Alltag zu bringen – zum Beispiel nach dem Mittagessen oder wenn Sie Ihr Kind von der Kita abgeholt haben. Die klassische Zeit zum Vorlesen ist natürlich abends vor dem Einschlafen. Dieses Ritual ist vielen Familien sehr wichtig – und wenn Sie ein längeres Buch vorlesen, das Abend für Abend fortgesetzt wird, dann ist die Vorfreude auf das Lesen umso größer.

Welche Vorlesebücher eignen sich für welches Alter?

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Für Babys: Da Babys vor allem auf Ihre Stimme, den Sprachrhythmus und die Modulation achten, können Sie im Grunde auch Ihr eigenes Lieblingsbuch oder den aktuellen Krimi laut vorlesen. Wenn Ihr Baby einigermaßen sicher auf Ihrem Schoß sitzt, eignen sich einfache Bilderbücher mit häufigen Wiederholungen oder Reimen, die Ihr Baby bald wiedererkennen wird.

Für Kleinkinder: Kinder bis drei Jahre mögen Bilderbücher mit kurzen Textabsätzen. In diesem Alter sind die Bilder wichtig, um eine Geschichte zu verstehen. Sind zu viel Text und zu wenig Bilder im Buch, verlieren kleine Kinder schnell die Geduld. Die meisten Kinder in diesem Alter brauchen keine riesige Auswahl an Büchern – oft wollen sie ein und das selbe Buch Tag für Tag wieder hören. Bieten Sie trotzdem hin und wieder ein anderes Buch an – vielleicht ist ja ein neuer Favorit dabei.

Kindergarten- und Grundschulkinder: Ab etwa fünf Jahren interessieren sich Kinder für Fortsetzungsgeschichten. Sie sind jetzt in der Lage, das am Vortag Gehörte abzurufen und mit dem nächsten Kapitel einer Geschichte in Zusammenhang zu setzen. Beim Vorlesen gibt es jetzt weniger Pausen, weil weniger Bilder besprochen oder erklärt werden müssen.

So macht Vorlesen Spaß

Lesetipps für Eltern

  • Machen Sie es sich gemütlich – und nehmen Sie sich viel Zeit für ein gemeinsames Buch
  • Konzentrieren Sie sich auf das Buch: Versuchen Sie, abwechslungsreich und spannend zu lesen, dann macht das Zuhören noch mehr Spaß
  • Seien Sie ein Vorbild: Nehmen Sie selbst regelmäßig ein Buch oder eine Zeitung in die Hand – so wird Lesen selbstverständlich für Ihr Kind
  • Warten Sie nicht darauf, dass Ihr Kind mit einem Buch zu Ihnen kommt – bieten Sie regelmäßig neue Bücher an oder machen Sie die gemeinsame Vorlesestunde zu einem festen Ritual
  • Lesen Sie eine Gutenacht-Geschichte: Zehn Minuten am Abend reichen schon aus, um zur Ruhe zu kommen und gemeinsam eine schöne Geschichte zu lesen
  • Lassen Sie Ihr Kind das Buch auswählen: Auch, wenn es zum 50. Mal das gleiche Buch ist oder wenn Sie statt der rosa Prinzessinnen-Geschichte lieber etwas pädagogisch Wertvolles vorlesen würden – das Wichtigste ist, dass Ihrem Kind das Vorlesen Spaß macht