Geschwister – Vorbilder, Konkurrenten und beste Freunde

Geschwister_1_650_123.jpg
© 123RF

 

Seine Geschwister kann man sich nicht aussuchen, und doch zählen Geschwisterbeziehungen zu den längsten und intensivsten Bindungen, die wir im Leben eingehen. Die Geschwister sind die ersten Bezugspersonen, die unmittelbarsten Konkurrenten, die unerbittlichsten Lehrer – und oft die engsten Vertrauten bis in die Pubertät hinein. In kaum einer Geschwisterbeziehung geht es nur harmonisch zu: Liebe und Hass liegen zwischen Geschwistern eng beieinander. Das Verhalten der Eltern spielt dabei eine entscheidende Rolle – darum bieten wir in den folgenden Artikeln Tipps für Eltern, wie man eine starke, harmonische Bindung zwischen Geschwisterkindern fördern kann.

Einige Fakten über Geschwister

Geschwister in de Mehrheit:

Rund die Hälfte aller Kinder unter 18 Jahren in Deutschland wächst mit einem Geschwisterkind auf. Ein gutes Viertel der Kinder hat zwei oder mehr Geschwister, ein weiteres Viertel wächst ohne Geschwister auf.

Gemeinsame Gene:

Geschwister haben im Schitt zu 50% die gleichen Erbanlagen, bei eineiigen Zwillingen sind die Gene sogar zu 100% identisch.

Instiktive Abgreunzung:

Trotz der genetischen Nähe sind sich Geschwister von ihren Vorlieben und vom Verhalten her nicht ähnlicher als Kinder, die in verschiedenen Haushalten aufwachsen - Studien legen eher das Gegenteil nahe: Vermutlich sind Geschwisterkinder instinktiv bestrebt, sich von ihren Geschwistern abzugrenzen.

Natürliche Konkurrenten:

Rivalität zwischen Geschwistern scheint instinktiv zu sein. Im Tierreich etwa konkurrieren die Tiere eines Wurfes von Anfang an heftig um die Milchzitzen der Mutter. Auch Zwillinge im Muterleib sind anscheinend Rivalen - schließlich ist in der Regel eines der Kinder größer und schwerer als das andere.

Wechsehafte Beziehung:

Geschwisterbeziehungen verlaufen meist in einer Kurve: In den ersten Lebensjahren und bis in die Schulzeit hineien sind Geschwisterbeziehungen sehr eng, ab der Pubertät und bis in das junge Erwachsenenalter lässt das Interesse deutlich nach. Im Alter finden Geschwister wieder enger zusammen.

Beste Freunde oder Konkurrenten? Rivalität zwischen Geschwistern

Träumer trifft auf Rabauke, Leseratte auf Sportfan: Eltern staunen immer wieder, dass ihre Kinder, obgleich sie zu großen Teilen identische Erbanlagen haben, so unterschiedlich sein können. Glaubt man der Geschwisterforschung, werden diese unterschiedlichen Persönlichkeiten nicht mit der Geburt festgelegt, sondern sind der Versuch, sich voneinander abzugrenzen und einen bestimmten Platz innerhalb der Familie einzunehmen. Selbstverständlich spielen auch die Lebensumstände, das Geschlecht der Kinder und das Verhalten der Eltern eine Rolle für die Persönlichkeitsentwicklung von Geschwisterkindern. Und doch lässt sich bei mehreren Geschwisterkindern oft eine Art Zickzack-Schema ausmachen: Ist das Erstgeborene besonders lebhaft und aufbrausend, wird das zweite Kind wahrscheinlich sehr viel ruhiger und entspannter, das dritte dann wieder sehr impulsiv etc.

Kampf um die Aufmerksamkeit der Eltern

Der häufigste und erbittertste Kampf zwischen Geschwistern ist der um die Aufmerksamkeit und Liebe der Eltern. Ganz gleich, ob er bewusst ausgetragen wird, etwa, wenn zwei Geschwister um schulische oder sportliche Erfolge wetteifern, um möglichst viel Lob einzuheimsen, oder ob die Rivalität eher unbewusst ausgetragen wird, wie es bei kleinen Kindern häufig der Fall ist – Konkurrenz unter Geschwistern ist relativ normal und kann unter Umständen sogar ein Ansporn sein. Gleichzeitig prägt sie ein Leben lang: So kämpfen Kinder, die immer im Schatten des großen Bruders oder der großen Schwester gestanden haben, oft noch im Erwachsenenalter mit einem geringen Selbstwertgefühl. Entscheidend für die Persönlichkeitsentwicklung ist das Verhalten der Eltern: Schaffen sie es, zwei oder mehr Geschwisterkinder gerecht und ihren jeweiligen Bedürfnissen entsprechend zu behandeln, nehmen sie dem Konkurrenzkampf unter Geschwistern effektiv den Wind aus den Segeln.

Geschwister vs. Einzelkind

Wo liegen die Unterschiede?

Einzelkinder sind überbehütete, verwöhnte Besserwisser, denen es schwerfällt, mit anderen zu teilen oder sich in eine Gruppe zu integrieren – so und ähnlich lauten die Vorurteile, die sich Ein-Kind-Familien immer wieder anhören müssen. Aber lässt sich der Charakter von Einzelkindern wirklich so pauschalisieren? Nein, sagen Psychologen – wenn das Aufwachsen ohne Geschwister den Charakter beeinflusst, dann eher in positiver Hinsicht. Laut aktuellen Studien sind Einzelkinder im Schnitt sozialer, leistungsbewusster und insgesamt glücklicher als Geschwisterkinder. Das mag vor allem an der ungeteilten

Aufmerksamkeit und Liebe der Eltern liegen, die Einzelkinder ihre ganze Kindheit hindurch begleitet. Die Experten gehen heute davon aus, dass es nicht so sehr die Geschwister sind, die das Sozialverhalten und die Persönlichkeit von Kindern prägen, sondern der Kontakt zu anderen Kindern überhaupt. Ob und wie viele Geschwister ein Kind hat, scheint dabei gar nicht so wichtig zu sein. Nach wie vor gilt die Auffassung, dass Geschwisterkinder oft ein feines Gespür für andere Menschen entwickeln und durchsetzungsfähiger sind. Das negative Grundbild von Einzelkindern muss aber definitiv revidiert werden.

Nachwuchs: Wie bereite ich mein Kind auf ein Geschwisterchen vor?

Fast alle Kinder wünschen sich Geschwister: Der Gedanke, ein Brüderchen oder Schwesterchen als „Verstärkung“ zum Spielen und Quatschmachen zu haben, ist schließlich sehr verlockend. Wenn sich aber dann wirklich ein Baby ankündigt, sind die Gefühle von Kindern meist zwiegespalten: Die Neugier auf das Geschwisterchen mischt sich mit der Angst, die Eltern künftig teilen zu müssen. Der Stolz, bald großer Bruder oder große Schwester zu sein, wechselt sich ab mit dem Wunsch, dass sich möglichst wenig im vertrauten Familienleben verändern möge. All diese Sorgen sind natürlich berechtigt: Umso wichtiger ist es, dass die Eltern ihr Erstgeborenes sorgsam auf das Baby vorbereiten, damit die künftigen Geschwister einen möglichst guten Start miteinander haben.

Geschwister_650_123.jpg
© 123RF
  •  Den richtigen Zeitpunkt finden: Wann Sie vom Nachwuchs erzählen, hängt vom Alter Ihres Erstgeborenen ab. Erst im Grundschulalter ist das Zeitempfinden von Kindern so weit entwickelt, dass sie mit einer Aussage wie „in vier Monaten“ etwas anfangen können. Kleinkinder informiert man am besten wenige Wochen vor der Geburt, damit die Wartezeit auf das Baby nicht zu lang wird.
  •  Ehrlich sein: Bleiben Sie bei den Tatsachen – erklären Sie Ihrem Kind, dass neugeborene Babys rot und zerknautscht aussehen, dass sie anfangs viel schreien und dass man sich ständig um sie kümmern muss. Sie können Ihr Kind vorsichtig darauf vorbereiten, dass es sicher manchmal genug von seinem Geschwisterchen haben wird – aber dass es irgendwann ein toller Spielkamerad sein kann.
  •  Ihr Kind in die Vorbereitung einbinden: Lassen Sie Ihr Erstgeborenes ruhig bei der Einrichtung des Babyzimmers und der Auswahl des Spielzeugs mitentscheiden. Das festigt seine Position in der Familie, gleichzeitig steigt dadurch die Vorfreude auf das Geschwisterchen.
  •  Mehr Aufgaben für Papa: Wenn möglich, sollte der Papa jetzt mehr Zeit mit dem erstgeborenen Kind verbringen – er wird in den ersten Monaten nach der Geburt des Babys als Bezugsperson sehr wichtig werden. Gemeinsame Vorlesestunden, Ausflüge oder regelmäßiges In-die-Kita-Bringen sind eine gute Vorbereit
     

Wenn zwischen Geschwistern die Fetzen fliegen

Streit zwischen Geschwistern ist völlig normal. In vielen Familien sind lautstarke Auseinandersetzungen und kleine Rangeleien sogar an der Tagesordnung. Das zerrt zwar an den Nerven der Eltern, verhindern sollte man die alltäglichen Konflikte aber dennoch nicht: Im Streit lernen Geschwister, ihre Interessen zu vertreten und sich durchzusetzen – ebenso wie sie lernen, mit Niederlagen umzugehen und wieder zueinander zu finden.

Sollten Elern bei Konflikten dazwischen gehen?

Solange keine Gewalt ins Spiel kommt, sollten Sie den Streit zwischen Geschwistern zulassen. Weisen Sie Ihre Kinder darauf hin, dass sie den Konflikt am besten unter sich ausmachen - in der Regel werden sich die Geschwister bald einigen. Falls ein Streit überhaupt kein Ende findet, können Sie versuchen zu vermitteln, indem Sie zum Beispiel einen Kompromiss vorschlagen.

Warum streiten Geschwister so häufig?

Zum einen durch die räumliche Nähe. Insbesondere im Kindergartenalter verbringen Geschwister sehr viel Zeit miteinander und teilen nicht selten ein Zimmer. Das liefert jede Menge Konfliktpotential. Die gute Nachricht: Intensiver Streit ist nur möglich, wenn Ihre Kinder intensive Gefühle füreinander haben - häufig streiten Geschwister umso verbissener, je enger sie sich stehen.

Was ist der Grund für Streitereien:

Vordergründig geht es oft um ein Spielzeug oder darum, wer etwas besser kann. In den meisten Fällen geht es bei dem Streit aber oft darum, die Aufmerksamkeit der Eltern zu gewinnen. Da wird umso lauter geschrien und geweint - in der Hoffnung, dass ein Elternteil dazwischen geht und Partei ergreift.

Tipps für Eltern – so unterstützen Sie starke Geschwisterbeziehungen

  • Geschwister niemals miteinander vergleichen – lieber jedes Kind einzeln für das loben und fördern, was es gut kann.
  • Gerechtigkeit statt Gleichheit: Behandeln Sie Ihre Kinder immer gerecht, aber versuchen Sie nicht, alle gleich zu behandeln – das kann schon wegen des Altersunterschiedes nicht funktionieren.
  • Hin und wieder „Qualitätszeit“ mit einem Kind allein verbringen – das stärkt das Selbstwertgefühl Ihrer Kinder und lässt weniger Raum für Rivalitäten.
  • Geschwister zu Partnern machen: Treten Sie beim Spielen gegen zwei Geschwister an oder bitten Sie die Geschwister, gemeinsam eine Aufgabe zu erledigen – das stärkt den Zusammenhalt.
  • Kontakt zu anderen Kindern: In Krippe, Kita und Schule ergibt sich das eigentlich von selbst – aber auch nachmittags sollten Geschwister regelmäßig auch mit anderen Kindern spielen, um sich als Persönlichkeit auch außerhalb der Familie zu begreifen.
  • Nichts erzwingen: Nicht alle Geschwister sind ein Herz und eine Seele. Wenn Ihre Kinder freundschaftlich miteinander umgehen, aber sonst wenig Interesse aneinander zeigen, sollten Sie das so hinnehmen – vielleicht finden sie als Erwachsene näher zueinander.