Familienarbeit – Wertvolle Arbeit

Familienarbeit_123_650_1.jpg
© 123RF

Familienarbeit – was ist das eigentlich? Als Familienarbeit wird all das bezeichnet, was rund ums Thema Kindererziehung und Haushalt anfällt, wenn sich die Eltern oder ein Elternteil nach der Geburt ihres Kindes dazu entscheiden zunächst aus dem Beruf auszusteigen. In der Gesellschaft ist das Verständnis für diese Entscheidung nicht immer allzu groß. Auch wenn zunächst noch nachvollzogen werden kann, dass die kleine Familie Zeit für sich braucht, nimmt der Zuspruch für Familienarbeit proportional mit dem Alter des Kindes ab. Dann wird das Betreuungsgeld, das die Eltern als Unterstützung erhalten, auch mal schnell als Herdprämie abgetan. Was Väter und Mütter leisten, wenn sie sich dazu entschließen die Familienarbeit zu übernehmen und welchen Wert Familienarbeit eigentlich hat, haben wir für Sie zusammengetragen.

Fakten rund um die Familienarbeit

Alles in einem: Elternsein, klingt für viele – und vor allem für kinderlose Paare und Menschen – nach viel Freizeit, Kuscheln und Spielen. Es steckt aber weitaus mehr dahinter, denn Eltern in Familienarbeit sind auch Tröster, Versorger, und Haushaltsmanager. Sie arbeiten auf einmal in vielen Berufen, die sie nicht gelernt haben und werden dafür nur anfangs durch Eltern- und Betreuungsgeld unterstützt.

Vollzeitjob: Die Arbeitszeit von Eltern, die sich selbst um alles kümmern, beträgt nicht selten über 70 Stunden in der Woche – ohne einen entspannten Feierabend. Viele Eltern erledigen diesen Vollzeitjob auch zusätzlich zu einer Halbtagsstelle und nicht alle haben die Möglichkeit, sich die Arbeit mit einem Partner zu teilen.

Spitzengehälter wären möglich: Der Vollzeitjob, den Eltern in Familienarbeit erledigen, wird – neben Eltern- und Betreuungsgeld – nicht entlohnt. Jedoch ist es interessant zu erfahren, wie viel sie verdienen

würden, wenn sie für alle ihre Tätigkeiten ein entsprechendes Gehalt bekommen würden. Rechnet man die durchschnittlichen Gehälter von Taxifahrern, Krankenschwestern, Köchen etc. zusammen ergeben sich dabei Jahresgehälter von 40.000 bis 70.000 Euro, die Eltern verdienen müssten, bekämen sie für ihre Familienarbeit einen Lohn.

Belohnung: Vielmehr als eine Entlohnung erhalten Mütter und Väter, die nach der Geburt zunächst zu Hause bleiben, eine einzigartige Belohnung. Auch wenn Sie sich oft so fühlen, als würden Sie und Ihre Arbeit oft unterschätzt: Das eigene Kind aufwachsen zu sehen, eine innige Beziehung zu ihm aufzubauen und darüber hinaus einen erheblichen Einfluss auf seine Entwicklung nehmen zu können, ist bestimmt auch für Sie ein Privileg und beim Lächeln Ihrer Kinder vergessen Sie sicher so manche Strapazen.

Familienarbeit: Wer macht was?

Das Thema der Familienarbeit ist auch für die Forschung immer wieder interessant und zeigt dabei, wie Wunsch und Wirklichkeit in der Verteilung der Aufgaben oft auseinandergehen. Eine Studie über die Aufgabenteilung in Familie und Beruf zeigt, dass ein Großteil der Familien sich dafür entscheidet, dass der Vater in Vollzeit arbeitet, während die Mutter zunächst die Familienarbeit übernimmt und dann später in Teilzeit in ihren ursprünglichen Beruf zurückkehrt. Mögliche Gründe dafür sind die finanzielle Situation der Partner, die Stellung im Beruf oder der stärkere Wunsch der Mutter, bei ihren Kindern zu bleiben. Jedoch steigt die Zahl der Mütter, die auch nach der Geburt bald wieder in den Beruf einsteigen – auch in Vollzeit.

Elterngeld & Betreuungsgeld: Unterstützung für Familienarbeit

Um Eltern zu unterstützen, die ihre Kleinkinder zu Hause erziehen, werden Eltern staatlich unterstützt. Den Vergleich zu einem Gehalt, welches Mütter und Väter verdienen würden, wenn sie weiterhin in ihrem ursprünglichen Beruf arbeiten würden, darf dabei allerdings nicht gezogen werden.

Elterngeld:

Das Elterngeld wurde nach dem skandinavischen Vorbild auch in Deutschland eingeführt. Bis zu 14 Monate nach der Geburt können Sie Elterngeld beantragen. Dies wird abhängig von Ihrem Einkommen vor der Geburt berechnet und soll als Endgeldersatz Ihre Lebensgrundlage sichern, während Sie sich um die Erziehung Ihres Kindes kümmern. Sowohl Mütter als auch Väter, die in Elternzeit gehen, können einen Antrag auf Elterngeld stellen, müssen die Fördrungsdauer dann allerdings unter sich aufteilen.

Betreuungsgeld:

Das Betreungsgeld ist seit 2015 Ländersache. Aus diesem Grund sollten Sie sich informieren, ob und wie viel Geld Ihnen in Ihrem Bundesland zusteht. Für Eltern, die Ihr Kind auch nach Ablauf der Elternzeit - jedoch maximal bis zum dritten Lebensjahr - ohne Inanspruchnahme von öffentlichen Betreuungsangeboten zu Hause erziehen wollen, besteht Anspruch auf Elterngeld. Dieses wird maximal 22 Monate gezahlt.

Arbeiten im Haushalt: auch für kinderlose Paare und Singles

Familienarbeit_123_650.jpg
© 123RF

Grundsätzlich ist die Meinung, dass Elterngeld und Betreuungsgeld nur ein geringer Ausgleich für die geleistete Arbeit sind, durchaus vertretbar. Jedoch ist auch eine kritischere Betrachtung der Situation möglich. Ohne den Wert herabzusetzen, den Mütter und Väter für die Betreuung der eigenen Kinder verdient haben, werden zur Familienarbeit auch die Arbeiten gezählt, die im Haushalt anfallen. Diese würden jedoch auch ohne Kinder erledigt werden müssen – wenn auch in einem etwas geringerem Umfang. Wäsche waschen, Staubsaugen, Einkaufen und den Haushalt organisieren gehört auch für Singles und kinderlose Paare mit zu den unbezahlten Arbeiten, die erledigt werden müssen. Eine Entlohnung bekommen sie dafür aber auch nicht.