Geschwisterrivalität: Wenn aus Kindern Konkurrenten werden

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„Drei Brüder, drei Festungen“, so sagt es ein portugiesisches Sprichwort. Natürlich sind Geschwister keine grundsätzlichen Gegner. Viele haben ein sehr enges und inniges Verhältnis, das alle anderen Beziehungen im Leben überdauert. Und doch kommt es zwischen fast allen Geschwistern hin und wieder zu Rivalitäten. Aber wie viel Konkurrenzkampf ist normal und wie kann ich verhindern, dass die Geschwisterbeziehung leidet? Wir haben uns mit dem Thema Geschwisterrivalität beschäftigt und geben Tipps, wie Sie mit rivalisierenden Geschwistern umgehen.

Ist Rivalität unter Geschwistern normal?

Geschwisterrivalität als Instinkt: In der Natur ist die Rivalität zwischen Geschwistern sehr ausgeprägt: So verdrängen zum Beispiel in einem Wurf von Hunden oder Schweinen die größeren Tiere die kleineren von den Milchzitzen – im Zweifelsfall so lange, bis die schwächsten Babys eingehen.

Rivalität als Anreiz: Bis zu einem gewissen Grad ist das Wetteifern unter Geschwistern normal und sogar sinnvoll – es spornt die Jüngeren zum Lernen an und kann unter Umständen sogar die Geschwisterbeziehung stärken, wenn die älteren Geschwister die Rolle des „Lehrers“ einnehmen.

Kampf um die elterliche Liebe: Die meisten Eltern sind überzeugt, ihre Kinder gleich zu behandeln. Meist ist das aber nicht der Fall. Fast immer wird ein Kind unbewusst oder bewusst vorgezogen. Wenn Kinder dies spüren, kann es den Konkurrenzkampf regelrecht anfeuern und die Geschwisterbeziehung belasten.

„Der darf viel mehr als ich!“

Wenn sich Kinder ungerecht behandelt fühlen

Kinder empfinden subjektiv und fühlen sich ihren Geschwistern gegenüber häufig ungerecht behandelt. So nervt es die älteren Geschwister, wenn sie mehr Aufgaben übernehmen oder „die Vernünftigen“ sein sollen. Die Jüngeren finden es ungerecht, dass die Älteren länger aufbleiben oder allein zu Freunden gehen dürfen. Mittelkinder sitzen häufig in der Zwickmühle: Sie zählen je nach Situation mal zu den Kleineren, mal zu den Größeren – und fühlen sich fast immer benachteiligt. Glaubt man Psychologen, ist die Geburtenfolge ein entscheidender Faktor dafür, wie sich Kinder in ihrer Persönlichkeit entwickeln.

 

Studien legen zudem nahe, dass das Gefühl von Ungerechtigkeit bei Geschwistern berechtigt ist: So verbringen Eltern mit dem erstgeborenen Kind während seiner ersten Lebensjahre im Schnitt wesentlich mehr Zeit als mit den danach geborenen Kindern – einfach, weil mit dem zweiten und dritten Kind der Alltagstress zunimmt und sich Routine in der Kinderbetreuung einstellt. Eine Benachteiligung der jüngeren Kinder ergibt sich daraus nicht zwangsläufig. Solange es den Eltern gelingt, auf jedes Kind so einzugehen, wie es seinen Bedürfnissen entspricht, hält sich die Geschwisterrivalität meist in Grenzen.

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Wie lässt sich Geschwisterrivalität vermeiden?

Kinder nicht vergleichen:

Wer Geschwister miteineinder vergleicht, verstärkt den Konkurrenzkampf nur. Verkneifen Sie sich Bemerkungen, dass ein Kind früher Fahrradfahren gelernt hat oder besser zuhören kann als das andere - jedes Kind muss in seiner Persönlichkeit und seinen Fähigkeiten bestärkt werden, um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Unterschiedliche Fähigkeiten relativieren:

Wenn ein Kind vergeblich versucht, einen Kreis zu malen oder sich die Schuhe zuzubinden, kommt von den älteren Geschwistern schnell: "Das kannst du nicht, dazu bist du zu klein!" Oft löst das Frust aus - und wenn Sie schimpfen, ist das ältere Kind ebenfalls frustriert, schließlich hat es ja die Wahrheit gesagt. Besser ist es, wenn Sie solche Aussagen relativieren, indem Sie zum Beispiel sagen: "Wenn du so alt bist wie dein Bruder / deine Schwester jetzt, kannst du dir die Schuhe auch ganz allein zubinden."

Konkurrenten zu Patern machen:

Wenn Geschwister sich gegenseitig helfen, bleibt die Konkurrenz meist auf der Strecke. Die Älteren fühlen sich wohl in ihrer Rolle als Lehrer und die Jüngeren freuen sich über die Aufmerksamkeit und sind begierig, neue Fähigkeiten zu lernen. Natürlich gibt es auch hier Streit, nicht zuletzt, weil ältere Geschwister keine besonders geduldigen Lehrmeister sind. Dennoch sollten Sie hin und wieder unauffällig anregen, dass Ihre Kinder sich gegenseitig helfen.

Zeit zu zweit:

Wenn möglich, sollten Sie mit jedem Kind hin und wieder etwas Zeit allein verbringen, ohne die Geschwister. Planen Sie Dinge, die mit jüngeren/älteren Geschwistern schwierig sind, zum Beispiel Schwimmen gehen oder eine Vorlesestunde mit den Lieblingsbüchern. Das bestätigt und stärkt Kinder für den Familienalltag.

Wie kann ich Eifersucht auf das neue Geschwisterchen vermeiden?

Wenn sich ein Geschwisterchen ankündigt, freuen sich viele Kinder und sind stolz, bald großer Bruder oder große Schwester zu sein. Wenn dann aber das Baby da ist und von morgens bis abends Mamas und Papas Aufmerksamkeit fordert, reagieren viele Kinder eifersüchtig. Natürlich können Sie schon während der Schwangerschaft mit Ihrem Kind sprechen, um es auf die große Veränderung vorzubereiten – ebenso wichtig ist es aber, den „Großen“ genug Aufmerksamkeit zu schenken, wenn das Baby geboren ist, damit Rivalität gar nicht erst aufkommt.