Wohin mit der Wut?

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Wie Eltern auf aggressives Verhalten bei Kindern reagieren

Gerangel im Sandkasten um das beste Spielzeug, ein lautstarker Streit zwischen Geschwistern oder eine Rauferei im Kindergarten: Kinder leben Frust oder Wut ebenso ungefiltert und unvermittelt aus wie Freude oder Aufregung. Dass es dabei zu Konflikten mit den Eltern und mit anderen Kindern kommt, ist ganz normal – und auch, dass ein Kind Schläge oder Tritte austeilt, wenn es nicht weiß wohin mit seiner Wut, ist nicht ungewöhnlich. Früher oder später müssen aber alle Kinder lernen, mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Wir verraten Ihnen, wie Sie Ihr Kind dabei unterstützen können.

So lernen Kinder, mit ihren Emotionen umzugehen

Die eigenen Emotionen zu kontrollieren ist einer der wichtigsten Lernprozesse überhaupt für Kinder – und auch für viele Erwachsene ist das Thema Impulskontrolle bei weitem nicht abgeschlossen: Wer hat nicht einen Bekannten, der zu Wutausbrüchen neigt oder sich aus heiterem Himmel beleidigt zurückzieht? Damit Kinder lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen, müssen sie diese erst einmal erkennen und einordnen können. Das setzt voraus, dass auch extreme Emotionen wie Wut und Enttäuschung nicht verboten sind, sondern ausgelebt werden dürfen.

Frühkindliche Bewältigungsstrategien: Kinder entwickeln sehr früh eigene Strategien, um Frust zu verarbeiten. Sie suchen die Nähe der Eltern, verlangen den Schnuller oder werfen ihr Spielzeug durch die Gegend. Auch, wenn sie bereits sprechen können, drücken Kinder ihre Wut fast immer nonverbal aus, durch Schubsen, Auf-den-Boden-Schmeißen, Schlagen oder Aufstampfen.

Wutanfälle nicht bestrafen: Wenn Kinder ausflippen, leidet das Nervenkostüm der Eltern und die meisten tun sich schwer, Ruhe zu bewahren und nicht in der gleichen Lautstärke zu antworten. Dennoch sollten Sie Wutausbrüche oder „Bocken“ nicht bestrafen. Das Ausleben von Wut und Frust gehört zum Entwicklungsprozess dazu und Kinder sollten keine Angst vor der eigenen Wut entwickeln.

Empathie fördern: Kinder müssen erst ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Schimpfen, Schreien und Aggressionen andere verletzen können – für sie ist es im ersten Moment vor allem ein Ventil, um mit ihrer Gefühlswelt zurechtzukommen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Gefühle –auch über Ihre eigenen – um die Fähigkeit zur Empathie zu stärken.

Aggressives Verhalten unter Kindern – ganz normal?

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Zwischen Kindern kommt es schnell zum Schlagabtausch. Die Gründe sind naheliegend: Bis zu einem gewissen Alter ist eine körperliche Auseinandersetzung viel einfacher, als einen Konflikt verbal zu klären. Zudem müssen Kinder erst lernen, ihre Impulse zu kontrollieren – bevor einem Kind seine Gefühle wirklich bewusst sind, hat es dem anderen schon die Buddelschaufel über den Kopf gezogen.

Auch wenn ein Streit mit viel Geschrei und Gerangel einhergeht, ist in vielen Fällen gar nicht nötig, dass die Eltern eingreifen. In der Auseinandersetzung mit anderen Kindern üben Kinder nicht nur, Konflikte zu bewältigen und „auszuhalten“, sondern sie lernen auch viel über ihre eigenen Gefühle und über die der Anderen.

In einen Streit eingreifen sollten Eltern oder Erzieher immer dann, wenn die Gefahr besteht, dass ein Kind verletzt wird oder deutlich unterlegen ist oder auch dann, wenn die Situation offensichtlich zu keiner Lösung kommt. Dabei ist es wichtig, genau hinzuschauen, wer den Streit angezettelt hat: Nicht immer ist der, der am Ende weint, auch das Opfer.

Tipps für Eltern: Wutanfälle bewältigen

Aggression nicht verurteilen: Es sollte erlaubt sein "negative" Gefühle wie Wut, Frust oder Trauer zu empfinden, ohne dass die Eltern enttäuscht oder irritiert sind.

Ruhe bewahren: Auch, wenn es bei einem tobenden Kind schwerfällt - Eltern können ihr Kind in Ausnahmesituationen unterstützen, indem sie einen Ruhepol bilden und ggf. eingreifen.

Keine Provokation: Versuchen Sie einen Wutnfall nicht als Provokationsversuch zu werten - die meisten Kinder werden von ihren Aggressionen genauso überrumpelt wie die Eltern.

Wut rauslassen: Agressionen bauen sich schneller ab, wenn ein Kind seiner Wut freien Lauf lassen kann - solange dabei nichts zu Bruch geht und niemand verletzt wird.

Individuelle Wut-Strategien finden: Finden Sie gemeinsam mit ihrem Kind Wege, mit Gefühlsausbrüchen umzugehen - z.B. auf einen Box-Sack einschlagen, laut schreien dürfen, Zeitungspapier zerreißen etc.

Emotionen benennen: Kinder müssen lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen und einzuordnen. sie können dabei helfen, indem Sie Ihr Kind nach seinen Gefühlen fragen: Ist es wütend, traurig, ängstlich, enttäuscht?

Verbale Gewalt erkennen: Kinder müssen nicht schlagen, um anderen wehzutun - einige drücken ihre Aggressionen auch mit Gemeinheiten, Beschimpfungen oder emotionaler Erpressung aus. Haben Sie verbale Agressionen im Blick und machen Sie Ihrem Kind klar, wie verletzend solche Dinge sind.

Geschafft: Für die meisten Kinder ist es eine große Erleichterung, wenn sie ihre Wut in den Griff bekommen haben. Loben Sie Ihr Kindund nehmen Sie sich Zeit für eine gemeinsame, ruhige Beschäftigung.