Erziehungstipps

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Bevormundung oder sinnvolle Unterstützung?

Ungebetene Erziehungstipps kommen selten gut an. Das gilt umso mehr, wenn sie von mehr oder weniger unbeteiligten Personen vorgebracht werden. Fast alle Eltern haben schon mal auf der Straße, im Supermarkt oder beim Besuch von kinderlosen Freunden Ratschläge bekommen, was sie mit ihrem Kind besser machen können. Die Palette der Bemerkungen reicht vom Klassiker „Das hätte es früher nicht gegeben“ bis hin zu detaillierten Anweisungen, wie man ein Kind dazu bekommt, Gemüse zu essen. Solche Situationen nerven – und doch sind auch Eltern selbst immer wieder in Versuchung, sich in die Erziehung anderer Kinder einzuschalten. Aber wann ist es ok, Erziehungstipps zu geben?

Also, ich würde das anders machen ...

Die Klassiker unter den Erziehungstipps

  • Lass dein Kind doch einfach mal schreien.
  • Ich würde meinem Kind nicht erlauben, im Elternbett zu schlafen.
  • Willst du ihm/ihr nicht langsam die Windel abgewöhnen?
  • Stillst du immer noch?
  • Du springst immer sofort, wenn dein Kind etwas möchte – so verwöhnst du es.
  • Hin und wieder ein Klaps schadet nicht – sonst lernen Kinder nie Disziplin.
  • Mit 14 Monaten schon in die Krippe - ist das nicht viel zu früh?
  • Du musst das mal entspannter angehen – dann ist dein Kind auch ruhiger.

Der Ton macht die Musik

Nicht durchweg negativ: Erzeihungstipps, ganz gleich ob von erfahrenen Eltern oder Kinderlosen, müssen nicht immer fehl am Platz sein. eine objektive Sicht auf die Dinge istz manchmal sogar hilfreich, um das eigene Verhalten zu verstehen.

Sachlich und zurückhaltend: Spontane Tipps und Pauschalurteile gehen meist daneben. Wenn Sie Bekannte mit Ihrem Kind beobachten und das Gefühl haben, dass sie ihnen weiterhelfen können, dann sollten Sie das Gespräch suchen, anstatt sie mit einem Ratschlag zu überfallen. wichtig: Emotionen haben in solchen Gesprächen nichts zu suchen, eigene Erfahrungswerte schon.

Richtige Zeit, richtiger Ort: Die Situation ist entscheidend  - wenndas Kind gerade einen Wutanfall bekommet oder die Familie im Stress ist, lässt sich niemand gern auf Erziehungstipps ein. Warten Sie einen ruhigen Moment ab und sprechen Sie wenn möglich allein mit dem jeweiligen Elternteil - so hat er nicht das Gefühl, vor Anderen bloßgestellt werden.

Verständnis zeigen: Haben Sie Verständnis, wenn jemand einen Erziehungstipp brüsk zuückweist. Vielleicht hätten Sie genauso reagiert? Eine ablehnende Haltung kann Selbstschutz sein, denn oft sind Eltern selbst verunsichert oder zweifeln am Erfolg ihrer Erziehung. als Faustregel gilt: Ratschläge anbieten ist erlaubt, sie abzulehnen aber auch.

Von wem nehmen Sie Erziehungstipps an?

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Gute Ratschläge in Erziehungsfragen können anstrengend sein – sie können aber auch einen wichtigen Impuls geben. Es kommt darauf an, von wem sie stammen, in welcher Situation sie gebracht werden und vor allem in welchem Ton. Das ist übrigens auch ein guter Maßstab, wenn Sie selbst einmal in Versuchung geraten, Erziehungstipps zu geben: Fragen Sie sich, wann und von wem Sie selbst etwas annehmen würden.

  • Großeltern: Oma und Opa gehören oft zu den Bezugspersonen eines Kindes und haben schon aus diesem Grund eine gewisse „Kompetenz“ in Erziehungsfragen. Allerdings fehlt es eben häufig zwischen den eigenen Eltern und einem selbst an nötiger Distanz. Die Eltern eines Kindes fühlen sich durch Tipps von den Großeltern schnell bevormundet und fühlen sich unwillkürlich wieder als Kind behandelt. Wenn die Großeltern aber den richtigen Ton finden, können sie mit ihrer Erfahrung – und oft auch schon mit der nötigen Ruhe – viel Gutes zur Erziehung beitragen.
  • Freunde und Bekannte: Viele Eltern tauschen sich mit Freunden und Bekannten über Erziehungsfragen aus, vor allem, wenn diese Kinder im gleichen Alter haben. Sie gehören zur gleichen Generation und teilen wahrscheinlich ähnliche Werte und Erfahrungen, das macht es leichter, Tipps anzunehmen. Wenn es dabei um einen bewussten Austausch geht, ist alles in Ordnung – hier kann man auch gern unterschiedlicher Meinung sein. Ungebetene Erziehungstipps von Freunden, z. B. in Konfliktsituationen, geben Eltern aber schnell das Gefühl, in ihrer elterlichen Position unzulänglich zu sein.
  • Erzieher, Lehrer, Trainer: Kinder verbringen einen großen Teil ihrer Zeit im Kindergarten und in der Schule. Pädagogen und Betreuer kennen Ihr Kind also recht gut, zudem erleben sie die Kinder außerhalb des geschützten Raums, den die Familie bietet. Ausgebildete Pädagogen wissen aber auch, dass alle Eltern ihren eigenen Erziehungsstil haben – falls sie wirklich Beratungsbedarf feststellen, werden professionelle Erzieher immer ein Gespräch suchen, anstatt ungefragt Erziehungstipps zu geben.
  • Nachbarn und entfernte Bekannte: Wenn die Nachbarn mit einer Patentlösung um die Ecke kommen, damit die Kinder ruhiger spielen oder nicht mehr so häufig streiten, dann ist das nicht nur unangebracht, sondern auch unhöflich. Anstatt sich darüber zu ärgern, sollten Eltern souverän reagieren – oft ist es den Menschen gar nicht bewusst, dass ihre Bemerkung fehl am Platz ist.