Wie lernen Kinder gute Manieren?

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Gerade sitzen, Hände auf den Tisch und nur sprechen, wenn man von einem Erwachsenen angesprochen wird – unser Verständnis von „gut erzogenen“ Kindern hat sich im Laufe der Zeit geändert. Moderne Eltern fördern Empathie und Entfaltung statt Etikette. Die allgemeinen Regeln des guten Benehmens bleiben dennoch aktuell: Höflichkeit, gute Tischmanieren, Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft erleichtern nicht nur das Familienleben, sondern sind eine wichtige Voraussetzung für das Leben in der Gesellschaft, im Beruf und im sozialen Miteinander. Aber wie bringt man Kindern gute Manieren bei, ohne sie zu „dressieren“? Wichtig sind vor allem eine verständliche, altersgerechte Erziehung, Konsequenz und gute Vorbilder.

Gutes Benehmen – Was gehört unbedingt dazu?

Ein gutes Vorbild: Kinder lernen gute Manieren nicht durch Drill oder ständiges Ermahnen, sondern durch das, was sie sich im Alltag von den Eltern abschauen. Daher sollten Eltern ganz bewusst auch zu Hause die Regeln des guten Benehmens befolgen. Mehr darüber, wie Eltern ein gutes Vorbild sein können, lesen Sie hier.

Höflichkeitsformen: "Bitte" und "Danke", "Gern geschehen", freundliches Grüßen und Verabschieden, "Gesundheit", "Entschuldigung" etc. - es wird eine Weile dauern, bis Ihr Kind diese Floskeln verinnerlicht hat und sie im richtigen Moment einzusetzen weiß. Aber auch heute noch ist ein höflicher Umgang der soziale Kitt, der im Alltag und im Berufsleben entscheidende Vorteile verschafft.

Keine Kraftausdrücke: Nicht zu fluchen, gehört zu den größten Herausforderungen für Eltern: Allzu schnell rutscht einem im hektischen Alltag ein Kraftausdruck über die Lippen. Unabhängig davon, wie sehr sich Eltern zusammenreißen, werden Kinder im Kindergarten und in der Schule das gesamte Reportoire an Schmipfwörtern kennenlernen. Umso wichtiger ist, dasss sie bis dahin begriffen haben, dass diese Ausdrücke nicht in den normalen Sprachgebrauch gehören - und dass sie nicht taugen, um die Eltern zu provozieren.

Respekt anderen gegenüber: Respekt und Aufmerksamkeit anderen Menschen gegenüber lassen sich schwer mit Worten erklären: Kinder müssen dieses Verhalten am Beispiel ihrer Eltern lernen. Jemanden ausreden lanssen, andere Menschen nicht auszulachen oder auszuschließen, niemanden anzuschreien oder zu beschimpfen.

Hilfsbereitschaft: Anderen Menschen Hilfe anzubieten erfordert Aufmerksamkeit und Eigeninitiative - beides lernen Kinder von Anfang an, wenn sie entsprechend erzogen werfen. Kinder lernen Hilfsbereitschaft zum Beispiel, indem ihnen kleine Aufgaben im Haushalt übertragen werden und durch ausgiebiges Lob, wenn sie Eigeninitiative geholfen haben.

Tischmanieren: Gutes Benehmen bei Tisch ist ein Dauerthema in den meisten Familien. Nicht mit den Fingern essen, nicht mit vollem Mund sprechen, nicht mit dem Stuhl kippeln, nicht schmatzen und schlürfen und nicht "Bääh" schreien, wenn etrwas nicht schmeckt - an diese Regeln müssen Eltern ihre Kinder immer wieder erinnern, bis es mit den Tischmanieren klappt. Hin und wieder versuchen Kinder mit ihrem Verhalten bei Tisch zu provozieren - hier zahlt es sich aus, souverän zu bleiben und ein gutes Vorbild abzugeben.

Knigge kehrt zurück – Gute Manieren sind wieder in

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Lange Zeit galten starre Benimmregeln z. B. bei Tisch und in der Kommunikation als altmodisch. Insbesondere die antiautoritäre Erziehungsbewegung hatte das Bewusstsein geprägt, dass Knigge & Co. Kinder unnötig einschränken und sie frühzeitig in erwachsene Verhaltensmuster hineinzwängen. Mittlerweile werden klassische gute Manieren aber wieder populär. Das merkt man unter anderem daran, dass zunehmend Benimm-Seminare und Knigge-Kurse für Kinder angeboten werden. Eltern erhoffen sich von solchen Kursen einen „Feinschliff“ für die Manieren ihrer Kinder, vielleicht auch mehr Sicherheit bei formalen Anlässen in der Welt der Erwachsenen. Die wichtigsten Grundlagen für gute Manieren – Höflichkeit, Respekt, Umsicht und Aufmerksamkeit – kann ein Benimmkurs ohnehin nicht lehren: Diese Werte müssen die Eltern als Vorbilder von Anfang an vermitteln.

Sich benehmen lernen: So klappt‘s mit den guten Manieren

 

  • Ein Vorbild sein: Wenn Eltern ganz selbstverständlich mit gutem Beispiel vorangehen, werden Kinder die Grundlagen guten Benehmens nach und nach verinnerlichen.
  • Nicht zu viel verlangen: Dreijährige können nicht vollendet mit Messer und Gabel essen, „Bitte“ und „Danke“ bekommen sie aber durchaus hin – Ihre Ansprüche an die Manieren sollten sich nach den Fähigkeiten Ihres Kindes richten.
  • Lieber loben statt schimpfen: Loben Sie Ihr Kind ausgiebig für das, was es richtig gemacht hat – das positive Feedback ist ein besserer Anreiz als ständiges Ermahnen.
  • Benehmen erklären: Versuchen Sie die Benimmregeln verständlich zu erklären – zum Beispiel, warum man vor dem Essen die Hände wäscht oder beim Niesen die Hand vor den Mund hält.
  • Geduld haben: Bis ein Kind die grundlegenden Benimmregeln beherrscht, wird es immer wieder kleine Fehler machen oder gelernte Manieren vergessen – haben Sie Geduld und vergessen Sie nicht, dass Ihr Kind in erster Linie Kind sein soll.