Mein Kind schlägt mich – Wie soll ich reagieren?

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Emotionen sind eine große Sache. Kinder müssen erst lernen, ihre Gefühle zu verstehen und mit ihnen umzugehen – und mitunter haben sie ihre Emotionen so wenig unter Kontrolle, dass sie handgreiflich werden. Dass ein Kind seine Eltern in einem Wutanfall schubst oder haut, ist nichts Ungewöhnliches. Aber was, wenn es regelmäßig ausrastet und schlägt? Wie sollen Eltern auf ihr aggressives Kind reagieren – und woran liegt es überhaupt, wenn Kinder zuschlagen?

Wann muss ich mir Sorgen um die Aggressionen meines Kindes machen?

Kleine Wüteriche: Ein sorgfältig aufgebauter Turm aus Bauklötzen stürzt in sich zusammen, und vor Wut schmeißt der Dreijährige die Klötze quer durch das Zimmer.
Das Geschwisterpaar streitet um ein Buch und der Streit geht von Schreien in Rangeln und Treten über, bis die Auseinandersetzung von den Eltern getrennt wird.
Papa will nach Hause, der Vierjährige will unbedingt weiter schaukeln und beginnt vor Wut um sich zu schlagen, als der Vater ihn einfach mitnimmt.

Impulsives Verhalten kleinerer Kinder ist ganz normal: Viele Eltern kennen solche Situationen. Sie kommen so oder ähnlich in den meisten Familien vor und sind an sich kein Grund, sich Sorgen zu machen. Kinder sind impulsiv und drücken ihren Frust auf körperliche Weise aus, wenn ihnen die Worte fehlen. Aber ab wann werden Aggressionen zum Problem?

Wann sollten Eltern handeln? Einige Kinder werden in bestimmten Entwicklungsabschnitten phasenweise zu kleinen „Wüterichen“– bekanntestes Beispiel ist die Trotzphase im Alter zwischen zwei und drei Jahren. Problematisch werden Wutanfälle und Aggressionen erst, wenn ein Kind:

  • regelmäßig oder aus nichtigen Anlässen durchdreht
  • bei Wutanfällen nicht mehr auf das Einschreiten der Eltern reagiert
  • nicht hilflos um sich schlägt, sondern gezielt andere Menschen verletzt
  • im Kindergarten oder in der Schule durch Aggressionen auffällt
  • Konsequenzen oder Gespräche keine Wirkung zeigen

In dieser Situation sollten Eltern gemeinsam mit ihrem Kind nach den Ursachen für das aggressive Verhalten suchen – und ggf. auch Hilfe von außerhalb in Anspruch nehmen.

Nach Gründen für die Aggressionen suchen

Die Gründe für aggressives Verhalten sind komplex und nicht selten fehlt Eltern die nötige Distanz, um sich das Verhalten ihrer Kinder zu erklären. Wenn Schlagen und Wutanfälle zu einem echten Problem werden, kann ein Erziehungsberater oder ein Kinderpsychologe helfen, die Ursachen zu ergründen und gemeinsam mit der Familie Lösungen erarbeiten.

Kinder, die geschlagen werden, schlagen oft auch selbst. Aber auch ein aggressiver Umgang zwischen den Eltern, Beschimpfungen, Gleichgültigkeit oder fehlende Aufmerksamkeit können die Ursache für aggressives Verhalten von Kindern sein.

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  • Hilflosigkeit: Oft ist Schlagen und Treten ein Zeichen von Hilflosigkeit. Das Kind weiß keinen Ausweg aus einer Situation oder hat nicht gelernt, sich Unterstützung zu holen.
  • Frustration: Kinder, denen nicht gelingt, was sie sich vorgenommen haben, oder die weniger können als ihre Schulkameraden oder Kindergartenfreunde, können wütend und aggressiv werden.
  • Verhaltensstörung: Ein gestörtes Sozialverhalten kann viele verschiedene Formen annehmen – zum Beispiel, wenn ein Kind nicht gelernt hat, seine Bedürfnisse zu kommunizieren und mit Gewalt reagiert, weil es sich in die Enge getrieben fühlt. Es kann aber auch eine gestörte Impulskontrolle sein oder ein Mangel an Empathie, so dass ein Kind gar nicht wahrnimmt, dass es gerade andere verletzt. Als erster Anlaufpunkt für besorgte Eltern können ein Erziehungsberater oder ein Kinder-Psychologe dienen.
  • Kontaktwunsch: Bei kleineren Kindern können Handgreiflichkeiten auch der Wunsch nach Aufmerksamkeit sein. Kinder, die nicht gelernt haben, „normal“ mit anderen Kindern Kontakt aufzunehmen, neigen dazu, ihre Spielkameraden zu beißen oder zu schlagen, um auf sich aufmerksam zu machen. Schimpfen ist in solchen Fällen doppelt irritierend, weil das Kind ja eigentlich gute Intentionen hatte.

Aufgabe der Eltern: Ruhepol sein

Selbstbewusstsein stärken: Lob, Zuwendung und gemeisame Zeit stärken Ihrem Kind den Rücken, so dass es in Konfliktsituationen souveräner reagieren und sich auch gegenüber anderen Kindern bahaupten kann.

Konsequent ein: Aggressives Verhalten muss Konsequenzen haben. Wenn Ihr Kind Sie schlägt, können Sie es in sein Zimmer schicken oder sich selbst eine kurze Auszeit nehmen. Wichtig ist, dass Sie sofort und mit der nötigen Ruhe, aber niemals mit Gewalt reagieren.

Ruhe bewahren: Es ist nicht leicht, Beschimpfungen oder Schläge von einem Kind nicht persönlich zu nehmen. In der Regel stecken aber nicht Gewaltbereitschaft, sondern Frust, Angst oder Unsicherheit hinter aggressivem Verhalten. Daher sollten Sie immer ruhig bleiben und erst etwas später, wenn sich alles beruhigt hat, das Gespräch suchen.

Empathie stärken: Viele Kinder haben bei Wutanfällen regelrechte Aussetzeer. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass die Schläge, Tritte oder Schimpfworte Ihnen wehtun und Sie traurig machen. Vielleicht wird es beim nächsten Mal etwas bewusster reagieren.

Nicht isolieren: Wenn Ihr Kind nicht nur Ihnen, sondern auch anderen Kindern gegenüber aggressiv ist, kann es schnell Probleme im Kindergarten oder in der Schule geben. Damit Ihr Kind nicht zum Außenseiter wird, können Sie versuchen, einen Kontakt zu einem oder zwei "vertrauten" Kindern aufzubauen - diese Beziehungen geben Ihrem Kind Sicherheit und Selbstvertrauen.

Abreagieren üben: Kinder müssen erst lernen, mit negativen Gefühlen umzugehen. Eltern können ihnen Anregungen geben, sich abzureagieren: An einem Boxsack, mit einem Kissen, das in die Ecke geworfen wird oder Austoben draußen.