Wann ist Schimpfen in Ordnung?

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Hand aufs Herz: Wer ist seinem Kind gegenüber noch nie laut geworden? Schimpfen ist weder für Kinder noch für die Eltern besonders angenehm, und doch ist es ein mehr oder weniger fester Bestandteil der Erziehung. Wenn das Kind etwas angestellt hat, wenn es bockt oder nicht hören will, dann wird geschimpft. Aber kann Schimpfen einem Kind auch schaden? Und geht es überhaupt ohne Schimpfen? Wir haben uns mit dem Thema beschäftigt und finden: Wichtig ist nicht ob, sondern wie geschimpft wird.

Schimpfen – So geht es richtig

Schadet Schimpfen Kindern? Natürlich ist es nicht in Ordnung, seine Kinder anzuschreien, schließlich sind wir als Eltern auch Vorbild und möchten, dass unsere Kinder lernen, wie sie sich in Konfliktsituationen richtig verhalten. Den Frust in sich hineinzufressen, um immer schön ruhig zu bleiben, ist allerdings auch keine gute Alternative. Zum einen haben Kinder gute Antennen für die „falsche Gelassenheit“ ihrer Eltern. Zum anderen staut sich der Ärger mit der Zeit an und nagt an uns, um sich vielleicht irgendwann in einem Wutausbruch zu entladen.

Richtig schimpfen: Eltern müssen nicht laut werden, wenn sie schimpfen. Eine feste, ruhige Stimme drückt sehr gut den Ernst der Lage aus. Und auch wenn es paradox klingt: Sachlichkeit ist beim Schimpfen oberstes Gebot. Ihr Tadel sollte immer nur auf die aktuelle Situation bezogen sein. Wann und wie oft Ihr Kind Fehler gemacht hat, ist in diesem Moment unwichtig, auch eine Bewertung der Fehler gehört nicht zum Schimpfen dazu. Kritisieren Sie das Verhalten Ihres Kindes, aber niemals seine Persönlichkeit oder seine Fähigkeiten.

Authentisch sein: Ruhige, zurückhaltende Charaktere werden sich schwer tun, Härte an den Tag zu legen. Andersherum müssen temperamentvolle Eltern oft schon sehr die Zähne zusammenbeißen, um immer ruhig und gelassen zu bleiben. Wie alle Bereiche der Erziehung sollte auch das Schimpfen authentisch sein, damit Ihr Kind die Situation einordnen kann.

Ruhe bewahren – so lernen Eltern, weniger zu schimpfen

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Eigene Grenzen akzeptieren: Niemand ist unbegrenzt belastbar. Wenn die Eltern gestresst oder übermüdet sind, kann es schon vorkommen, dass sie mehr schimpfen als sonst. Wichtig ist, dass dies nicht zum Dauerzustand wird. Seien Sie nahbar für Ihr Kind und sagen sie ihm, dass Sie gerade genervt oder müde sind.

Eigene Ansprüche überdenken: Wenn sich Eltern dabei erwischen, dass sie häufig schimpfen, können sie dies zum Anlass nehmen, die eigenen Ansprüche an ihr Kind zu überdenken. Vielleicht ist das Kind noch nicht alt genug, um sein Zimmer und seine Sachen allein in Ordnung zu halten. Vielleicht tobt es laut in der Wohnung herum, weil es eigentlich lieber draußen auf dem Spielplatz wäre? Alle Eltern sollten hin und wieder ihr eigenes Verhalten auf den Prüfstand stellen, um herauszufinden, ob sie ihren Kindern gerecht werden.

Mehr Aufmerksamkeit: Mama möchte in Ruhe auf dem Sofa lesen, das Kind tobt wild herum oder bedient sich heimlich an der Süßigkeiten-Schublade - viele Situationen, in denen Eltern der Kragen platzt, sind im Grunde ein Versuch, Aufmerksamkeit zu erregen. Ein festes gemeinsames Ritual am Tag, zum Beispiel ein Buch lesen oder ein kurzer Spaziergang, bei dem Ihr Kind volle Aufmerksamkeit hat, gibt dem Tag Struktur und kann Stress-Situationen reduzieren.

Konlikte zulassen: Streitigkeiten zwischen Geschwistern und Freunden sind normal und Eltern müssen sich nicht sofort einschalten, wenn es laut wird. Im Gegenteil - wenn Eltern schimpfen, weil Kinder einen Konflikt austragen, dann kann das Kinder auch in der Entwicklung ihrer sozialen Kompetenz stören.

Das 1 x 1 des Schimpfens

  1. Schreien ist ein Zeichen von Schwäche: Und es verängstigt Kinder. Eltern, die ruhig und bestimmt sprechen, wirken viel souveräner – so wird ein Kind eher aufnehmen, was ihm gesagt wird.
  2. Persönliche Kritik ist tabu: „Bist du zu dumm/zu klein/zu faul dazu?“ sind absolute No-Gos – Sie sollten das Verhalten Ihres Kindes tadeln und nicht seine Persönlichkeit.
  3. Aktuell schimpfen: Schimpfen Sie Ihr Kind nicht für eine Tat, die länger zurückliegt und bringen Sie keine alten Vergehen in einen aktuellen Konflikt mit ein.
  4. Liebe nicht in Frage stellen: Ihr Kind muss sich Ihrer Zuneigung sicher sein können – trotz Schimpfen. Aussagen wie „…. dann hab ich dich nicht mehr lieb“ sind emotionale Erpressung und verängstigen Kinder.
  5. Kurz schimpfen: Eine Schimpftirade hilft Ihnen vielleicht, sich abzureagieren – Ihr Kind schaltet aber wahrscheinlich schon nach kurzer Zeit ab. Schimpfen Sie lieber kurz und sachlich.
  6. Schimpfen und vorbei: Mit dem Schimpfen sollte ein Konflikt beendet sein. Tragen Sie Ihrem Kind nichts nach, sondern gehen Sie stattdessen wieder zum Alltag über.
  7. Authentisch schimpfen: Ihr Kind kennt Sie und wird schnell merken, ob Sie authentisch sind oder nicht. Gefühle zeigen ist erlaubt – so kann Ihr Kind Ihren Tadel besser nachvollziehen.