Spielend lernen: Sind Lernspiele wirklich sinnvoll?

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Farben und Formen zuordnen, erste Wörter bilden oder Gedächtnisaufgaben lösen – wenn es um Lernspiele geht, gibt es für Eltern und Kinder eine reichhaltige Auswahl. Für jeden Entwicklungsbereich stehen Spiele und Übungen in den unterschiedlichsten Medien zur Verfügung. Viele Eltern nutzen dieses Angebot nur zu gern: Schließlich möchten sie ihre Kinder in jeder Hinsicht optimal fördern. Daraus resultiert der Anspruch, auch die Freizeit möglichst sinnvoll zu nutzen und sich Spielen mit konkretem Lerneffekt zu widmen. Was viele Eltern dabei vergessen: Kinder lernen bei jedem Spiel. Ob beim Versteckspiel im Garten, beim Fantasiespiel mit Rittern und Puppen oder beim Herummatschen in Pfützen und Sandkiste. Wir haben uns Lernspiele genauer angeschaut und hinterfragen im folgenden Artikel, wie notwendig und sinnvoll sie für die Entwicklung von Kindern sind.

Welche Lernspiele gibt es für Kinder?

Klassische Kinderspiele: Memory, Mikado, Quartett und hunderte anderer Klassiker werden schon seit Generationen gespielt. Diese althergebrachten Lernspiele trainieren Gedächtnis und Kombinationsvermögen, Sprachschatz, Feinmotorik und viele andere Fähigkeiten.

Lern-Brettspiele: Alle bekannten Spielehersteller bieten Lernspiele mit unterschiedlichen Lernschwerpunkten für die verschiedenen Altersgruppen an. Bei 3- bis 5-Jährigen stehen Alltagswissen und Sprachschatz im Vordergrund, zum Beispiel mit Zuordnungsspielen. Für Vorschul- und Grundschulkindern werden unter anderem Lese- und Rechtschreibspiele oder Rechenspiele angeboten sowie Rätselspiele, die das logische Denken fördern. Lernspiele für Kinder von 8–12 Jahren verbinden diese Bereiche und üben Logik, Kombinationsfähigkeit und Strategie.

Lernsoftware: Lernspiele für PC und Tablet gibt es sowohl als Gratis-Download als auch als kostenpflichtige Software. Da Kinder im Allgemeinen sehr medienaffin sind, haben diese Spiele einen besonders großen Reiz. Meist wird hier aber allein gespielt, so dass der kommunikative Aspekt des Spielens auf der Strecke bleibt. Experten empfehlen zudem, dass Kinder je nach Alter nicht mehr als 30–60 Minuten pro Tag am PC verbringen sollten.

Andere Lernsysteme: Ein großer Trend sind interaktive Lernbücher und sogenannte Lerncomputer, an denen Kinder verschiedene Spiele oder Aufgaben machen können. Sie sind eine reizvolle Abwechslung für Kinder, der Unterhaltungswert ist aber meist größer als der Lerneffekt.

Lasst eure Kinder einfach spielen!

Die Möglichkeiten der spielerischen Förderung sind heute nahezu unbegrenzt, wirklich notwendig für eine gesunde Entwicklung sind sie aber nicht. Viele Experten sind sogar der Meinung, dass das freie, ungestörte Spiel im Alltag von Kindern heutzutage zu kurz kommt.

Beim Spielen üben Kinder nicht nur Fantasie und Sprachschatz, sie erarbeiten auch Problemlösungen, tragen Konflikte aus und stärken ihr Selbstbewusstsein. Wer Fangen spielt, schult Grobmotorik, Kondition und räumliches Denken, wer eine Höhle baut, muss Kreativität beweisen und übt sich „nebenbei“ in Statik. Beim selbstvergessenen Basteln im Kinderzimmerund Herummatschen im Garten lernen Kinder nicht nur eine Fülle verschiedener Materialien, Formen und Zustände kennen, sie entwickeln auch ein Gefühl für Mengen und beschäftigen sich intuitiv mit den Grundlagen von Physik und Chemie.

Das Wichtigste aber ist und bleibt: Spielen macht Kinder glücklich und es gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Welt ganz für sich und in ihrem eigenen Tempo zu erkennen.

Guter Tipp, um Lernspiele auszuprobieren: die Bücherei

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Viele Büchereien bieten nicht nur eine große Auswahl an Büchern, Musik und Filmen für Kinder an, sondern auch Spiele. Ein Kinder-Büchereiausweis ist sehr günstig oder sogar kostenlos. So kann Ihr Kind in Ruhe verschiedene Lernspiele ausprobieren und seine Interessen ausloten. Auch Lernspiele für den PC oder CDs mit Sprachspielen und musikalischer Frühförderung gibt es in vielen Büchereien zum Ausleihen.

To-dos für den Umgang mit Lernspielen

Im richtigen Rahmen können Lernspiele eine Bereicherung für Kinder sein. Wichtig ist, dass der Spaß im Vordergrund steht und dass ein Kind selbst entscheiden kann, auf welche Art und Weise es spielend lernen möchte. So vermeiden Sie Frust mit Lernspielen:

Nichts erzwingen: Überreden Sie Ihr Kind nicht zu einem Lernspiel, auf das es keine Lust hat - Spielen sollte keine Verpflichtung sein.

Selbst aussuchen lassen: Gehen Sie bei der Wahl eines Spiels auf die Interessen Ihres Kindes ein. Wenn Ihr Kind lieber ein klassische Gesellschaftsspiel wie "Menschärgere dich nicht" spielen will, auch gut - diese Spiele haben ebenfalls Lerneffekt.

Auf altersgemäße Spiele achten: Wenn Sie ein Kinder-Lernspiel kaufen, achten Sie darauf, dass es auf das Alter Ihres Kindes ausgelegt ist - zu leichte oder zu schwere Spiele sorgen schnell für Frust.

Mitspielen: Machen Sie Spielen zur Familienangelegenheit - Kinder freuen sich über die gemeinsam verbrachtre Zeit und schauen sich viel von den Eltern ab.

Für Abwechslung sorgen: Bieten Sie hin und wieder etwas Neues an, sorgen Sie vor allem aber dafür dass sich Lernspiele, klassische Gesellschaftsspiele und freies Spielen abwechseln, damit das Spielen nicht als "Pflichtprüfung" empfunden wird.