Alles nur Spiel – Soll ich Spielzeugwaffen verbieten?

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Wenn kleine Jungen spielen, geht es oft ziemlich zur Sache: Unsichtbare Feinde werden besiegt, Piraten und Ritter treten im Schwertkampf gegeneinander an oder bekriegen sich mit Kanonen. Bei manchen Eltern stellt sich hier leichte Beunruhigung ein: Ist es normal, dass mein Kind so gewalttätige Situationen nachspielt? Sollte ich ihm Schwerter und Gewehre nicht lieber ganz verbieten?

Die Frage nach Spielzeugwaffen ist eine der am längsten und hitzigsten geführten Diskussionen in der Kindererziehung überhaupt. Viele Eltern lehnen Spielzeugwaffen kategorisch ab, nur um festzustellen, dass ihr Kind stattdessen mit Stöcken und Alltagsgegenständen „kämpft“. Natürlich muss jede Familie die Entscheidung pro oder contra Spielzeugwaffen für sich treffen – wir geben dennoch ein paar Denkanstöße zum Thema.

Warum spielen Kinder so gern mit Waffen?

Ein herumliegender Stock wird zum Gewehr, die Stofftiere spucken auf einmal Feuer oder schießen Blitze und im Spielwarenladen wird neben den Cowboypistolen mit Platzpatronen alles andere uninteressant: Die Faszination ihrer Kinder mit Säbeln, Messern und Gewehren zu spielen ist für Eltern irritierend. Schließlich haben sie ihr Bestes gegeben, ihr Kind gewaltfrei zu erziehen.

Ein Rollenspiel wie jedes andere: Für Kinder ist das Spielen mit Waffen indes das gleiche wie alle anderen Spiele auch: Ein Rollenspiel, in dem sie, losgelöst von der Realität, andere Persönlichkeiten annehmen und auf diese Weise ihre Welt entdecken. Sie thematisieren im Spiel Mut, Angst, Stärke und den Umgang mit Macht.

Realität und Wirklichkeit: Auch, wenn Kinder völlig in ihrer Rolle versunken sind, haben sie die Fähigkeit deutlich zwischen Spiel und Wirklichkeit zu unterscheiden. Ebenso wie sie wissen, dass sie nicht tatsächlich Prinzessin oder Polizist sind, kämpfen sie nicht ernsthaft, sondern als Teil ihrer Spielwelt. Daher hat aggressives Verhalten bei Kindern einen anderen Ursprung als die Verwendung von Spielzeugwaffen.

Werden Kinder durch Spielzeugwaffen gewalttätig?

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Waffen sind in der Welt von Kindern allgegenwärtig und durchaus nicht negativ besetzt: Robin Hood kämpft mit Pfeil und Bogen, um den Unterdrückten zu helfen. Der tapfere Königssohn befreit die Prinzessin, indem er mit seinem Schwert Dornenranken zerschlägt oder Drachen besiegt. Fast alle Märchen- und Sagengestalten tragen Waffen, die ihnen helfen, ihre Abenteuer zu bestehen. Für Kinder symbolisieren Waffen in erster Linie Stärke und nicht das Verletzen anderer Menschen. Insbesondere unsichere oder ängstliche Kinder sind daher fasziniert von Waffen.

Gespielte Gewalt fördert reelle Gewalt nicht

Nach Meinung von Kinderpsychologen ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Fantasien von Kindern ihr Verhalten in der Realität beeinflussen. Wenn Kinder, die Feen oder Elfen spielen, versuchen zu fliegen oder Dinge zu verzaubern, dann tun sie das in ihrer Fantasiewelt, nicht aber in der realen Welt. Die Grenzen zwischen kindlicher Fantasie und Realität sind für Erwachsene oft schwer zu erkennen, dennoch gibt es sie. Man kann daher davon ausgehen, dass das Spielen mit Spielzeugwaffen keinen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft von Kindern nimmt – vorausgesetzt, sie leben in einem gewaltfreien Umfeld. Denn auch in dieser Hinsicht sind sich die Experten einig: Kinder werden am ehesten gewalttätig, wenn sie im Alltag reelle Gewalt erleben.

Welche Spielzeugwaffen sind in Ordnung für Kinder?

Platzpatronen-Pistolen: Viele Eltern haben eine starke Abneigung gegenüber Gewehren und Pistolen mit Platzpatronen. Nicht so schwer wegen des Lärms, den sie versursachen, sondern vor allem wegen des täuschend echten Aussehens. Für Kinder, die selbst einen Ast oder ein Lineal als Gewehr nutzen, muss es keine lebensechte Kopie einer Waffe sein: Ein simples Holzmodell oder eine andere selbst gebaute Waffe tun es auch.

Holzgewehre und -pistolen: Holzwaffen sind meist nur eine stilisierte Version der echten Waffen und daher ganz klar als Spielzeug zu erkennen. Kinder müssen ihre Fantasie einsetzen, um mit diesen Waffen zu kämpfen und grenzen sie damit von der Realität ab.

Schwert und Schild: Mit Schwertern - ob Pratensäbel aus dem Spielzeughandel oder selbstgebauten Ritterschwert - können sich Eltern meist einigermaßen anfreunden. Wer Angst hat, dass es beim spielerischen Kämpfen Beulen gibt, der kann ein Schwert aus fester Pappe ausschneiden. Auch Schaumgummi-Varianten gibt es im Handel.

Pfeil und Bogen: Ein echter Bogen ist ein Sportgerät, das einige Übung im Umgang erfordert. Aber auch ein Kinderbogen mit stumpfen Holzpfeilen schult Kraft und Motorik. Bei dieser Spielzeugwaffe ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Kinder nicht miteinander kämpfen, sondern eher Zielschießen üben.

 

Klare Regeln - Wichtig beim Umgang mit Spielzeugwaffen

Unabhängig davon, welche Spielzeugwaffen bei Ihnen zu Hause erlaubt sind, sollten klare Regeln für den Umgang mit Waffen gelten. So sollte das Zielen auf Menschen oder Tiere mit Armbrust, Pistole oder Indianerspeer gleichermaßen tabu sein. Spielerische Kämpfe sind nur dann in Ordnung, wenn niemand Angst hat oder verletzt wird. Zudem sollten Sie mit Ihrem Kind über Gewalt sprechen und ihm erklären, dass Waffen, genau wie Schläge oder Worte, im echten Leben schlimme Verletzungen hervorrufen können.