Wie erziehe ich mein Kind richtig?

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Vielleicht die schwierigste aller Fragen – denn was macht gute Erziehung überhaupt aus? Woran erkennen Eltern, dass sie bei der Erziehung ihrer Kinder alles richtig machen? Gibt es klassische „Erziehungsfehler“, die sich vielleicht erst im Erwachsenenalter bemerkbar machen, wenn es schon zu spät ist? Unsicherheit in Erziehungsfragen ist ganz normal – und im Grunde genommen sogar positiv. Denn wer den eigenen Erziehungsstil regelmäßig hinterfragt, der schärft den Blick für die Bedürfnisse seines Kindes. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf möchten wir das Thema „gute“ und „richtige“ Erziehung genauer beleuchten.

Richtige Erziehung bedeutet: richtig für Sie und Ihr Kind

Wie erziehe ich mein Kind richtig? Es ist noch gar nicht so lange her, da hätte diese Frage unter Eltern Kopfschütteln ausgelöst. Kindererziehung war kein öffentlich diskutiertes Thema, sondern Familiensache. Es gab kein wissenschaftlich belegtes „Optimierungsmodell“, sondern sie beruhte auf den Erfahrungen und der Intuition der Eltern.

Erziehung extrem: Schon immer war die Kindererziehung bestimmten Trends unterworfen. In der Kaiserzeit hatten sich Kinder wie kleine Erwachsene zu verhalten, Schläge gehörten dazu. Das genaue Gegenteil war die antiautoritäre Bewegung, in der Kinder vollkommen ohne Regeln und Grenzen aufwuchsen. Auch heute ist die Erziehung auf dem Weg, in ein Extrem abzurutschen, das gekennzeichnet ist von Unsicherheit und Förderwahn.

Der Druck steigt: Heute fühlen sich Eltern zunehmend unter Druck gesetzt, ihre Kinder liebevoll zu erziehen, sie gleichzeitig optimal zu fördern und trotzdem ein erfülltes, ausgeglichenes Leben als Erwachsene zu haben. Allgemeine Verunsicherung ist die Folge, sowohl in Bezug auf die Kindererziehung, als auch im Hinblick auf die eigenen Wünsche und Bedürfnisse.

Was fühlt sich richtig an? Eine gute Faustregel für die Kindererziehung lautet: Wenn es sich richtig anfühlt, ist es meist auch das Richtige. Eltern, die aufmerksam auf ihr Kind eingehen, haben meist ein ziemlich sicheres Bauchgefühl in Erziehungsfragen. Die vielleicht größte Herausforderung ist, sich auf diese Intuition und auf die eigenen erzieherischen Kompetenzen zu verlassen – dann ist der wichtigste Schritt für die richtige Erziehung gemacht.

Was sind meine Ziele in der Kindererziehung?

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Glück und Zufriedenheit: Alle Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder glücklich sind. Aber was braucht es zum Glück - und was kann die Erziehung dazu beitragen? Für die meisten Menschen sind Freiheit, Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung wichtige Glücksfaktoren. Bezogen auf Kinder bedeutet das: Wenn ein Kind die Möglichkeit hat, seine Persönlichkeit zu entfalten, wenn es so angenommen wird, wie es ist und von den Eltern in seinen Talenten und seinen Schwächen unterstützt wird, dann sind die wichtigsten Voraussetzungen zum Glück gegeben.

Selbstständigkeit: Ein Kind zu Selbständigkeit zu erzeiehen ist für die Eltern eine weit größere Herausforderung als für das Kind selbst. Denn das bedeutet, die Kontrolle abzugeben, seinem Kind zu vertrauen und ihm auch Fehler und Niederlagen zuzugestehen. Wichtigstes Hilfsmittel: Loben - so vermitteln sie Ihrem Kind das Selbstbewusstsein, das es braucht, um Dinge allein zu bewältigen.

Empathie und Verantwortungsbewusstsein: Empathie gewinnt nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern auch im Berufsleben zunehmend an Bedeutung. Und es ist längst keine "typisch weibliche" Eigenschaft mehr, denn Emapthie geht über Mitgefühl weit hinaus: Sie ist die Grundlage für die Fähigkeit, individuell auf sein Gegenüber einzugehen, Situationen zutreffend einzuschätzen und entsprechend "richtig" zu handeln.

Höflichkeit und Respekt: Sein Kind zur Höflichkeit zu erziehen, klingt nicht so schwer, denn die typischen Floskeln sind schnell gelernt. Damit Kinder wirklich zu respektvollen und aufmerksamen Menschen werden - und nicht nur dann, wenn sie darum gebenten werden - braucht es etwas mehr: Die Fähigkeit zur Empathie und allem voran das gute Beispiel der Eltern.

Mut und Intiative: Muss mein Kind mutig sein? Nicht ungebingt, wenn es darum geht, vom Dreier zu springen - aber Mut kann auch bedeuten, seinen eigenen Standpunkt zu vertreten oder Gefühle zu zeigen. Kinder, die zu Selbstbewusstsein und Verantwortungsbewusstsein erzogen werden, können sich besser behaupten und lassen sich nichts leicht in Verhaltensmuster drängen, die nicht ihrer Persönlichkeit entsprechen: In dieser Hinsicht ist Mut auch eine Voraussetzung für die eigene Zufriedenheit.

Unterstützung von außen: Erziehungshilfe in Anspruch nehmen

Was, wenn Eltern merken, dass sie bestimmte Probleme mit ihrem Kind nicht allein lösen können? Oder wenn eine Situation so festgefahren ist, dass nur Hilfe von außen das Familienleben retten kann? Für diese Fälle gibt es eine Reihe von Angeboten, z. B.:

  • Erziehungsberatung: Kostenloser Beratungsservice, zum Beispiel von der örtlichen Familienberatungsstelle oder vom Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD).
  • Termin beim Kinderpsychologen: Im Gespräch wird nicht nur das Verhalten des Kindes, sondern auch das der Eltern besprochen, um Probleme und Lösungsansätze zu erkennen.
  • Ergotherapie: Ergotherapie wird häufig für Kinder empfohlen, die Schwierigkeiten haben, sich in ihre Umwelt einzufügen und ihren Platz zu finden. Die Eltern können die therapeutischen Maßnahmen unterstützen.
  • Sozialpädagogische Familienhilfe: Sozialpädagogische Familienhilfe oder Erziehungsbeistände, insbesondere bei problematischen Familienverhältnissen.