Kindheit digital – Kinder und Medien

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Medien haben Kinder zu jeder Zeit fasziniert. Wo noch vor 80 Jahren ein eigenes Buch wie ein Schatz gehütet und Theater- oder Kinobesuche wie ein Festtag gefeiert wurden, zog wenig später der erste Fernseher Kinder in seinen Bann – obgleich ein Angebot an Kindersendungen praktisch nicht vorhanden war. Kinder-Zeitschriften und die heißgeliebten Hörspielkassetten folgten, bis ihnen das Internet den Rang ablief. Heute sind die digitalen Medien omnipräsent und erfinden sich ständig neu. Doch wie soll man Kindern den vernünftigen Umgang mit Medien beibringen, wenn man selbst kaum mit der aktuellen Entwicklung mitkommt?
Die Diskussion um Medien wird in jeder Familie geführt, mal mehr, mal weniger angestrengt. Es wird dabei immer Frust geben, so wie bei allen wichtigen Erziehungsfragen. Und genau wie bei allen Erziehungsfragen ist es wichtig, klare Stellung zu beziehen. Setzen Sie sich offen und kritisch mit dem Thema Medien auseinander: Als kleine Hilfestellung haben wir uns mit den wichtigsten Fragen rund um Medien und Medienkompetenz beschäftigt.

Wie lernt mein Kind Medienkompetenz?

Kaum ein Schlagwort wird in der Diskussion um Erziehungs- und Ausbildungsfragen so häufig genannt wie die Medienkompetenz. In einem zunehmend mediengeprägten Alltag sollten Kinder lernen, selbstständig, kritisch und verantwortungsbewusst mit dem Medienangebot umzugehen. Aber wie entwickelt man Medienkompetenz bei Kindern? Und wie vermeide ich den täglichen Streit um Handy-, Fernseh- und Internetkonsum?

Was ist Medienkompetenz?

Der Begriff Medienkompetenz kam in den 1990er-Jahren auf. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass etwa zu dieser Zeit Mobiltelefone und das Internet ihren Siegeszug antraten. Dabei bezieht sich Medienkompetenz nicht ausschließlich auf die digitalen Medien. Der Begriff bezeichnet ganz allgemein die Fähigkeit, Medien bedarfsorientiert und fachkundig zu nutzen. Das beinhaltet Bücher, Zeitungen und Radio, und zumindest in dieser Hinsicht wird Medienkompetenz schon seit Generationen in der Schule vermittelt.

Das Internet als neuer Schwerpunkt der Medienkompetenz

Das Internet stellt Eltern und Erzieher vor neue Herausforderungen: Wie sollen Kinder ein Medium kompetent nutzen, das ständig verfügbar, praktisch unendlich und nahezu unkontrollierbar ist? Klare Absprachen und Offenheit spielen dabei eine wichtige Rolle – hier lesen Sie mehr darüber, wie Sie Kindern Medienkompetenz beibringen.

Faszination Fernsehen: So vermeiden Sie Streit um Fernsehzeiten

Wer hat nicht schon einmal rigoros den Fernseher ausgeschaltet und das maulende Kind ins Bett geschickt? Oder sich dem Wutanfall gestellt, der unweigerlich auf die Unterbrechung der Lieblingssendung folgt? Fernsehen fasziniert Kinder und ist der Auslöser für unzählige Diskussionen im Familienalltag.

Ab wann ist Fernsehen für Kinder ok? Seit Internet und Fernsehen beinahe gleichwertig konsumiert werden, gibt es kaum noch Empfehlungen für das richtige Fernseh-Alter. Experten raten aber, dass Kinder frühestens mit zwei Jahren beginnen sollten, Bildschirme zu nutzen. Die meisten Kleinkinder-Sendungen im Fernsehen begreifen Kinder etwa ab drei Jahren.

Wie lange dürfen Kinder Fernsehen? Auch diese Angaben sind in Zeiten des Internets nur mehr grobe Richtwerte. Im Allgemeinen sollten Kindergartenkinder maximal eine halbe Stunde täglich am Bildschirm sitzen,

Grundschulkinder ab acht etwa 45 Minuten und Kinder ab zehn Jahren etwa eine Stunde am Tag. Ausführliche Informationen dazu, wie lange Kinder fernsehen sollten, lesen Sie hier.

Fernsehregeln helfen, Streit zu vermeiden: Wenn es feste Regeln für den Fernsehkonsum gibt, ist das Konfliktpotenzial in der Familie viel geringer. Neben der Fernsehdauer können dazu auch bestimmte Fernsehzeiten gehören, wenn z. B. ein Familienmitglied seine Lieblingssendung sehen möchte, ohne dass es Streit um das Programm gibt.

Generation Smartphone – Kinder und Handys

Kinder, die heute aufwachsen, haben Smartphones überall um sich herum: Eltern, Erzieher und ältere Geschwister nutzen ihre Telefone permanent und so können viele Kinder einen Touchscreen bedienen, bevor sie das erste Wort sprechen. Bis zum ersten eigenen Handy ist es zwar noch ein weiter Weg, die Diskussion um das Handy beginnt aber in vielen Familien immer früher. Und nicht selten sind die Eltern hin- und hergerissen zwischen „Muss das wirklich sein?“ und „Ist es nicht sicherer, wenn mein Kind ein Handy dabei hat?“

Tipps rund um das erste Handy

  • Frühestens im Grundschulalter: Viele Dritt- und Viertklässler haben bereits ein Handy, wirklich notwendig ist aber noch nicht.
  • Smartphone etwa ab 12 Jahren: Ab diesem Alter können Kinder ein Smartphone verantwortungsbewusst nutzen. Auch für die sozialen Beziehungen von Kindern wird ein Smartphone zunehmend wichtiger.
  • Erst mal gebraucht: Geben Sie Ihrem Kind ruhig Ihr altes Smartphone, das spart Geld und Sie kennen alle wichtigen Funktionen.
  • Sicherheitseinstellungen aktivieren: Fast alle Betriebssysteme bieten Jugendschutzeinstellungen an. Aktivieren Sie diese und installieren Sie ggf. kindgerechte Suchmaschinen etc.
  • Zeigen Sie Interesse: Versuchen Sie, auch wenn Sie selbst wenig Interesse an den Smartphone-Trends haben, auf dem Laufenden zu bleiben. So können Sie leichter überblicken, wie Ihr Kind das Smartphone nutzt.

Tablets – Förderung oder Überforderung?

Tablets erscheinen vielen Eltern als ideales interaktives Spielzeug für Kinder: Schon Kleinkinder beschäftigen sich gebannt damit und legen dabei erstaunliche Geschicklichkeit an den Tag. Die Handlichkeit von Tablets, die intuitive Bedienung per Touchscreen oder Spracherkennung und nicht zuletzt das stetig wachsende Angebot an Kinderfilmenen, Musik und interaktiven Lernspielen sind für Kinder und Eltern gleichermaßen verführerisch: Denn nicht selten nutzen Eltern das Tablet als kurzfristigen „Babysitter“, wenn sie in Ruhe telefonieren möchten oder mal eben unter die Dusche wollen.

Ein eigenes Tablet? Viele Grundschulkinder nutzen ein Tablet zu Hause für die Hausaufgaben oder zur Unterhaltung. Ein eigenes Tablet ist in diesem Alter nicht unbedingt notwendig und würde es auch zunehmend schwieriger für die Eltern machen, die Nutzung zu überblicken.

Tablets sind Alltagsgegenstände in vielen Familien. Die Neugierde von Kindern auf das Tablet ist daher nicht verwunderlich. Zum einen sehen sie es täglich bei den Eltern oder Geschwistern, zum anderen sind Kinder fasziniert von allem, was Geräusche, Musik und Bilder wiedergeben kann. Beim Tablet können sie diese Inhalte sogar aktiv steuern. Das macht Tablets schnell zum Lieblingsspielzeug.

Kinder nicht mit dem Tablet allein lassen: Als „Babysitter“ eignen sich weder Tablet noch Smartphone. Es ist zwar nichts dagegen einzuwenden, ein Kind eine Weile mit dem Tablet spielen zu lassen, wenn es von sich aus Interesse daran zeigt. Erwachsene sollten ihr Kind aber bei der Bedienung und der Auswahl der Inhalte begleiten und auf diese Weise ein gutes Beispiel für sinnvolle Nutzungsweisen und -zeiten geben. Mehr darüber, ob Tablets für Kleinkinder geeignet sind, lesen Sie hier.

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Medienkonsum: Wie viel ist zu viel?

Kinder kommen immer früher mit Medien in Berührung und allzu oft sind sie ihren Eltern in der Bedienung der verschiedenen Geräte überlegen. So selbstverständlich ihr Umgang mit Smartphones, Tablets, Computer und Fernseher ist, so wenig reflektiert ist er. Alle Kinder haben Spaß am Stöbern und Entdecken. Gerade das macht den großen Reiz von Fernsehen und Internet aus, welches zu jeder Tageszeit unendlich viele neue Inhalte bietet. Aber wann ist Mediennutzung in Ordnung? Kann sie entwicklungsfördernd sein? Und wann weiß ich, dass es zu viel ist? Auf diese Fragen gibt es keine einfachen Antworten, denn Medien werden individuell genutzt. Eben dies stellt die größte Herausforderung der Medienerziehung dar.

Medienerziehung – zum größten Teil zu Hause

Kinder lernen den Umgang mit Medien zum größten Teil von ihren Eltern und Geschwistern. Internet, Computerspiele, Filme und Musik sind überall um sie herum und werden nicht als „Medien“, sondern als selbstverständlicher Teil des Alltags wahrgenommen. Darum ist es so wichtig, dass auch Eltern und andere Bezugspersonen bewusst und vernünftig mit Medien umgehen: Eltern, die beim Abendessen mit ihrem Handy beschäftigt sind oder die ständig im Hintergrund den Fernseher laufen lassen, können kaum von ihren Kindern erwarten, ihren Medienkonsum freiwillig einzuschränken.

Wie erkenne ich eine Mediensucht?

Eine Mediensucht entwickelt sich schleichend, genau wie andere Süchte auch. Eltern bemerken sie häufig erst, wenn es zu spät ist. Dazu kommt, dass es noch keine offizielle Diagnose für eine Mediensucht gibt. Dennoch gibt es Alarmsignale, die darauf hindeuten, dass ein Kind seinen Medienkonsum nicht mehr im Griff hat:

  • Wenn es Freundschaften oder familiäre Aktivitäten stark vernachlässigt
  • Wenn frühere Interessen wie Sport oder Hobbys nicht mehr ausgeübt werden
  • Wenn Ihr Kind seinen Tagesablauf komplett nach den Medien, z. B. bestimmten Fernsehprogrammen oder Online-Spielzeiten, ausrichtet.
  • Wenn es mit Wutausbrüchen oder Verzweiflung reagiert, sobald es keinen Zugang zu den Medien bekommt.

Gespräche über eine Mediensucht mit den Betroffenen sind oft schwierig und frustrierend für beide Seiten. Ggf. sollte man Hilfe von Außerhalb, zum Beispiel von einer Beratungsstelle, in Anspruch nehmen.

Tipps für die Medienerziehung bei Kindern

Ein gutes Vorbild sein: Nutzen Sie selbst Medien reflektiert und kritisch, so dass sich Ihr Kind etwas abschauen kann.

Über Medien spechen: Sprechen Sie mit Ihrem Kind nicht über die Bedienung von Mediengeräten und Medieninhalten, sondern erklären Sie auch die Gefahren, die es z. B. im Internet gibt.

Klare Absprachen: Stellen Sie feste Regeln auf, welche Medien wann und wie lange genutzt werden dürfen - notfalls mit einem schriftlichen Familienvertrag.

Auf Widerstand gefasst sein: Sie werden mit gelegentlichen Diskussionen und Frust leben müssen, wie bei anderen Erziehungsprozessen auch.

Medien ersetzen nicht Familienzeit: Es ist verlockend, Kindern mehr Fernsehen und Internet zu erlauben, wenn Sie mal wenig Zeit für sie haben. Versuchen Sie andere Beschäftigungen für Ihr Kind zu finden, damit Medien nicht zum Familienersatz werden.