Kinderfotos im Internet – Fluch und Segen

Kinderfotos_Internet_123(2)_650.jpg
© 123RF

Der Austausch in den sozialen Medien ist inzwischen fester Bestandteil der täglichen Kommunikation. Freunde und Verwandte, die man nicht regelmäßig trifft, können so am Alltag teilhaben. Für viele Eltern gehört es hier dazu, auch Fotos der Familie zu posten. Doch zum Veröffentlichen von Kinderfotos im Internet gibt es geteilte Meinungen: Die einen finden es vollkommen normal, auch Bilder von Kindern und Kleinkindern zu teilen, andere vertreten die Meinung, dass Fotos von Minderjährigen unter keinen Umständen von den Eltern veröffentlicht werden sollten. Doch was spricht eigentlich dafür und dagegen, Fotos über das Internet zu verbreiten? Und: Was hat es eigentlich mit dem Recht am eigenen Bild auf sich? Dürfen Eltern Fotos ihrer Kinder überhaupt veröffentlichen?

Kinderfotos im Internet – das sollten Eltern wissen

Kontrolle: Ist ein Foto erst einmal im Internet gelandet, ist es nur schwer möglich, die Kontrolle über die Verwendung zu behalten. Im schlimmsten Fall können die Bilder missbraucht werden und finden sich später auf dubiosen Webseiten wieder.

Mobbing: Peinliche Kinderfotos gibt es von jedem. Doch während Erwachsene die Schnappschüsse mit Humor nehmen, sind Bilder von Kindern und Teenagern oft unangenehm für die Betroffenen. Nicht selten bieten sie die Grundlage für Hänseleien und Mobbing.

Bildrechte: Wenn Sie Fotos auf Facebook oder in anderen sozialen Netzwerken verbreiten, treten Sie damit meist auch die Bildrechte an dieses Unternehmen ab. Im Zweifelsfall haben Sie keinen Einfluss darauf, inwieweit die Bilder weiterverkauft oder für Werbezwecke genutzt werden.

Das Recht am eigenen Bild – gilt das auch für Babys und Kinder?

Kinderfotos_Internet_123_650.jpg
© 123RF

Zum allgemeinen Persönlichkeitsrecht gehört auch das Recht am eigenen Bild. Das bedeutet, dass grundsätzlich jeder selbst bestimmen darf, ob und wo Bilder von ihm veröffentlicht werden. Aber wie ist das bei Kleinkindern und Kindern? Viele Eltern posten ohne das Wissen der Kinder Fotos in den sozialen Netzwerken, und auch ältere Kinder können die Auswirkungen meist noch nicht abschätzen. Aber: Dürfen Eltern überhaupt Bilder ihrer Kinder veröffentlichen?

Babys und Kleinkinder: Bei Fotos von Babys und Kleinkindern gilt generell: Mindestens ein sorgeberechtigter Elternteil muss der Veröffentlichung zustimmen. Sind sich die Eltern uneinig, kann ein Famileingericht darüber entscheiden. Ist nur ein Elternteil sorgeberechtigt, liegt die Entscheidung bei Ihm, ob Bilder im Internet verbreitet werden dürfen.

Öffentliche Veranstaltungen und Medienvertreter: Fotografen, die beim Schulfest oder beim Kita-Ausflug Fotos machen, um diese anschließend zu veröffentlichen, benötigen immer auch die Genehmigung der Eltern. Gleiches gilt auf öffentlichen Veranstaltungen wie Stadtfesten.

Ältere Kinder: Ist das Kind älter und "einsichtsfähig" - in der Regel ab einem Alter von 14 Jahren -, ist neben der Genehmigung des Sorgeberechtuigen auch die Erlaubnis des Kindes einzuholen - und das  gilt füt Eltern wie auch für andere Fotografen. Sprechen Sie also mit Ihrem Kind, ob es mit einer Veröffentlichung einverstanden ist.

Gruppenfotos: Gruppenfotos bilden hier keine Ausnahme. Sind auf dem Foto mehrere Kinder abgelichtet, muss die Genehmigung aller Sorgeberechtigter (und ggf. Kinder) eingeholt werden. Möchten Sie also ein Foto vom letzten Kindergeburtstag veröffentlichen, müssen damit alle Erziehungsberechtigten einverstanden sein.

Unberechtigte Veröffentlichung: Wenn Sie feststellen, dass ein Foto Ihres Kindes unberechtigterweise veröffentlicht wurde, sollten Sie zunächst das persönliche Gespräch suchen und die Löschung des Bildes beauftragen. Bleibt die Aufforderung folgenlos, kommen Ansprüche auf Unterlassung, Kosten- oder Schadensersatz sowie Schmerzensgeld in Frage. Dies sollten Sie jedoch vorher durch einen Fachmann überprüfen lassen.

Muss ich ganz darauf verzichten, Kinderfotos ins Netz zu stellen?

Facebook, Instagram & Co. sind eine tolle Möglichkeit, sich auszutauschen und mit Bekannten, Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben. Viele möchten da auch den Stolz über die eigenen Kinder teilen. Letztendlich gilt, dass jeder selbst überlegen muss, ob er es verantworten kann, Bilder seiner Kinder ins Netz zu stellen. Überlegen Sie deshalb vor jedem Post: Schade ich meinem Kind mit diesem Bild – ggf. auch erst in ein paar Jahren? Sie möchten das Beste für Ihr Kind und es bestmöglich schützen – und das auch im Internet. Und hier haben vor allem Nacktfotos nichts zu suchen, denn im schlimmsten Fall geraten die Bilder pädophil veranlagten Menschen in die Hände. Wenn Sie nicht komplett darauf verzichten möchten, die Schnappschüsse der Kleinen mit Freunden und Bekannten zu teilen, sollten Sie vor allem die Privatsphäre-Einstellungen anpassen, sodass keine unberechtigten Personen Zugriff zu den Bildern erhalten. Des Weiteren können Sie darüber nachdenken, Kinderfotos zu veröffentlichen, auf denen Ihr Kind nicht direkt zu erkennen ist. Momentaufnahmen, die Kinder von hinten zeigen oder auf denen das Gesicht verdeckt ist, sind schließlich ebenso niedlich.