Medienkonsum bei Kindern – Wie viel ist zu viel?

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Smartphone, Tablet, Computer und Fernseher: Wahrscheinlich ist in jeder Familie mindestens eins dieser Geräte vorhanden, meistens sogar mehrere. Im Alltag sind Medien – vor allem weil sie so praktisch sind - überall präsent. Mal eben eine Nachricht an den Partner geschrieben, etwas auf dem Tablet recherchiert oder zur Unterhaltung im Internet surfen. Kinder von heute wachsen in dieser Welt auf, für sie ist dies alles selbstverständlich und faszinierend. Medienkonsum bei Kindern kann hilfreich sein, wenn es darum geht, spielerisch zu lernen oder später etwas für die Schule zu recherchieren und soziale Kontakte zu pflegen. Übermäßiger Medienkonsum hindert aber die Entwicklung, führt zu Bewegungsmangel und macht vielen Eltern Angst. Wir sagen Ihnen, wie Sie übermäßigem Medienkonsum einschränken können.

Medienkonsum: Wie viel Zeit ist in Ordnung?

Eine genaue Regelung, die zu jeder Familie und jedem Kind passt, gibt es leider nicht. Beobachten Sie aus diesem Grund, wie Ihr Kind auf den Medienkonsum reagiert und legen Sie Zeiten fest, die zu Ihrer Familie passen. Sie können sich dabei jedoch an den Richtwerten der Initiative „Schau hin!“ orientieren. Die Initiative des Bundesministeriums für Familie berät Eltern rund um das Thema Mediennutzung von Kindern. Ihre Empfehlung lautet:

  • Kinder unter drei Jahren: Am besten gar keine Zeit vor dem Bildschirm
  • Kinder bis fünf Jahre: bis zu 30 Minuten am Tag
  • Kinder bis neun Jahre: bis zu 60 Minuten am Tag
  • Kinder ab zehn Jahren: etwa 9 Stunden pro Woche

Jüngere Kinder sollten noch täglich vereinbarte Zeiten vorgegeben bekommen. Wichtig ist, dass die Zeit, die an einem Tag nicht genutzt wurde, nicht auf den nächsten addiert werden darf. Ältere Kinder können bereits länger planen und sollten aus diesem Grund ein Zeitkontingent für die Woche bekommen, das sie sich selbstständig einteilen dürfen.

Einfach mal Abschalten: Pause vom Medienkonsum

Mahlzeiten und Schule: In diesen Situationen haben Handy & Co. nichts verloren. Ihr Kind sollte sich hier auf das Essen und Lernen konzentrieren. Gemeinsame Mahlzeiten sind wertvolle Familienzeit, in der Sie sich über den Tag austauschen können.

Vor dem Schlafen: Mindestens eine Stunde bevor es ins Bett geht, sollte Ihr Kind – und am besten auch Sie – nicht mehr auf einen Bildschirm schauen. Das künstliche Licht der

Geräte stört die Ausschüttung des Hormons Melatonin. Der Körper kann so Schlaf- und Wachphasen nicht mehr vernünftig regeln.

„Offline-Tage“: Immer erreichbar sein und sofort reagieren können, wenn sich jemand meldet, das kann ganz schön anstrengend sein – auch für Erwachsene. Vereinbaren Sie bestimmte Tage, an denen Sie und Ihr Kind keine Medien konsumieren und stattdessen einen Familienausflug machen oder zu Hause Spiele spielen und nur für sich sind.

Medienkonsum bei Kindern – Ist mein Kind süchtig?

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Wird Ihr Kind älter und kommt in die Pubertät, ist es meist schwierig, einen Überblick zu behalten, wie viel Zeit Ihr Kind mit den Medien verbringt. Ein eigenes Smartphone und Computer sind hier für viele Pflicht. In erster Linie müssen Sie Ihrem Kind vertrauen, dass es verantwortungsvoll mit seinen Geräten umgeht. Seien Sie jedoch trotzdem wachsam. Einige Anzeichen können auf eine exzessive Mediennutzung hindeuten:

  • Abgemachte Zeiten können nur schwer eingehalten werden
  • Aggressive Reaktion auf Verbot von Mediennutzung
  • Rückzug von Freunden und Familie
  • Auffallende Zu- oder Abnahme von Gewicht
  • Andere Interessen und Hobbys rücken in den Hintergrund
  • Die Gedanken kreisen nur noch um das Thema Medien

Medienkonsum kontrollieren – Checkliste für Eltern

  • Vorbild sein: Betrachten Sie Ihre eigene Mediennutzung einmal kritisch. Schauen Sie selbst alle zehn Minuten auf Ihr Telefon und können das Tablet nur schwer aus der Hand legen? Dann können Sie von Ihrem Kind nicht das Gegenteil verlangen.
  • Da sein, statt verbieten: Verbotenes wirkt gleich viel interessanter. Medien gehören heutzutage dazu. Also sollten Sie Ihr Kind beim Konsumieren der Medien begleiten, statt sie ihm zu verbieten.
  • Absprachen treffen: Verabreden Sie feste Zeiten, in denen das Internet, Telefon und Tablet benutzt werden dürfen. Daran sollten auch Sie sich halten.
  • Inhalte prüfen: Die Kenntnis darüber, mit was Ihr Kind sich in den Medien beschäftigt, ist mindestens genauso wichtig wie der Zeitrahmen. Schauen Sie Ihrem Kind öfter mal über die Schulter und bleiben Sie informiert darüber, mit was es sich im Internet beschäftigt und welche sozialen Netzwerke es wie nutzt. Kommt Ihr Kind in die Pubertät, müssen Sie ihm mehr Freiraum einräumen und können nicht mehr alle Inhalte kontrollieren. Trotzdem sollten Sie weiterhin im Gespräch über die Dinge bleiben, die es mit den Medien erlebt.
  • Alternativen bieten: Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es auch noch eine große Auswahl an anderem Zeitvertreib gibt. Besonders bei Langeweile sollte Ihr Kind nicht sofort zum Tablet greifen dürfen, sondern lieber andere Wege finden, um sich zu beschäftigen.
  • Hilfe suchen: Wenn Sie sich Sorgen machen, Ihr Kind könnte zu viel Zeit mit Medien verbringen, müssen Sie das Problem nicht allein lösen. Die Initiative „Schau hin!“ hat zahlreiche Tipps für Eltern und auch andere Beratungsstellen bieten Hilfestellung bei exzessivem Medienkonsum.