Hochsensibilität: Wenn Kinder viel fühlen

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Eltern sind immer wieder erstaunt über die feinfühlige Auffassungsgabe ihrer Kinder: Oft nehmen sie schon die kleinsten Stimmungen oder Situationen differenziert wahr. Einige Kinder sind aber noch empfindsamer als andere. Sie spüren die eigenen Gefühle und die ihrer Mitmenschen besonders deutlich, nehmen Reize intensiv wahr und brauchen mehr Zeit, um diese zu bewältigen. Was von Eltern leicht als „Überempfindlichkeit“ abgetan wird, hat eine wissenschaftliche Bezeichnung: Hochsensibilität. Was es damit auf sich hat und wie Sie mit hochsensiblen Kindern umgehen, lesen Sie im Folgenden.

Was ist Hochsensibilität?

Zur Beruhigung eins vorweg: Hochsensibilität ist keine psychische oder emotionale Störung, dementsprechend gibt es keine medizinische Diagnose. Davon abgesehen, ist diese psychische Besonderheit gar nicht mal so selten: Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass 15–20 % aller Menschen hochsensibel sind.

Wenig bekannte Eigenschaft: Erst vor wenigen Jahren ist Hochsensibilität auch in Deutschland in den Fokus von Eltern und Pädagogen geraten – zuvor galten hochsensible Kinder oft als Träumer oder einfach als „überempfindlich“.

Highly sensitive person: Die US-amerikanische Psychologin Elaine N. Aron prägte vor über 20 Jahren erstmals den Begriff highly sensitive person (HSP) für Menschen, die Reize und Informationen deutlicher wahrnehmen und gründlicher verarbeiten als andere Menschen.

Vererbbar und lebenslang: Hochsensibilität ist vererbbar und begleitet Menschen ein Leben lang. Vielen Erwachsenen ist gar nicht bewusst, dass sie hochsensibel sind. Sie haben sich an ihr „Anderssein“ gewöhnt und sorgen sich, wenn sie die hochsensiblen Eigenschaften bei ihrem Kind wiedererkennen.

Wie erziehe ich mein Kind selbstbewusst? – so funktioniert´s

Ehrliches Lob: Kinder haben eine feinfühlige Wahrnehmung und spüren sofort, wenn ihre Eltern nicht ehrlich zu ihnen sind. Loben Sie Ihr Kind nicht übertrieben für die kleinsten Aufgaben, sondern wenn es sich wirklich angestrengt hat.

Realistische Aufgaben: Ist eine Aufgabe zu leicht, sinkt die Motivaton und Ihr Kind fühlt sich von Ihnen nicht ernst genommen. Schwere Aufgaben liefern den nötigen Ansporn. Ist Ihr Kind aber von Anfang an zum Scheitern verurteilt, sollten Sie helfen oder die Aufgabe vereinfachen.

Den Rücken stärken: Kinder brauchen die Gewissheit, dass ihre Eltern für sie da sind. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Sie ihm helfen und es unterstützen können. Lassen Sie ihm aber zunächst die Freiheit, Dinge selbst auszuprobieren. Falls es Hilfe braucht, wird es darum bitten.

Fehler zulassen: Selten klappt etwas bei ersten Mal. Auch wenn Ihr Kind ein paar Anläufe braucht, um das Zimmer ordentlich zu halten oder mit sauberer Handschrift zu schreiben, sollten Sie es ermutigen. Erklären Sie ihm, worin der Fehler besteht und lassen Sie es beim nächsten Mal erneut probieren.

Körpersprache üben: Eine aufrechte Haltung und ein fester Händedruck geben Ihrem Kind ein sicheres Körpergefühl. Das hilft ihm, selbstbewusster aufzutreten. Auch gutes Benehmen bewirkt bei vielen Kindern, dass sie sich selbstsicher fühlen.

Tipps für den Umgang mit hochsensiblen Kindern

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Du bist toll so, wie du bist! Vielen Kindern ist sehr bewusst, dass sie anders fühlen als ihre Mitmenschen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es genau richtig ist, so wie es ist, und heben Sie seine positiven Eigenschaften hervor.

Reize reduzieren: Wenn Sie wissen, dass Ihr Kind sensibel auf vielfältige Reize reagiert, dann versuchen Sie den Alltag entsprechend zu gestalten. Planen Sie einen oder zwei Nachmittagstermine statt fünf und setzen Sie Veränderungen möglichst schrittweise um.

Rückzugsmöglichkeiten bieten: Hochsensible Kinder brauchen die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, um Erlebtes und Empfundenes zu verarbeiten. Üben Sie mit Ihrem Kind, zu zeigen, wann es genug hat, und erlauben Sie ihm in solchen Situationen, für sich zu sein.

Anzeichen richtig deuten: Wutanfälle und Verweigerung sind bei hochsensiblen Kindern meist keine Provakation, sondern ein Signal, dass sie dringend eine Auszeit brauchen. Versuchen sie verständnisvoll zu reagiern und bieten Sie die entsprechenden Rückzugsmöglichkeiten.

Nichts erzwingen: Zwingen Sie Ihr Kind nicht zu Besuchen bei Freunden oder zu Aktivitäten, wenn es nicht mag. Eine Überforderung kann sich bei hohsensiblen Kindern schnell in Aggressivität oder starken körperlichen Symptomen niederschlagen.

Eigenarten akzeptieren: "Sei doch nicht so empfindlich!" "Warum denkst du über solche Quatsch nach?" - auch, wenn Sie Ihr Kind nicht immer verstehen, sollten Sie auf solche Aussagen verzichten. Nehmen Sie Ihr Kind so an,wie es ist und unterstützen Sie es in seiner Besondersheit, die auch eine Begabung sein kann.