Selbstverständliches neu entdecken:

Wahrnehmungsspiele für Kinder und Jugendliche

Wahrnehmungsspiele_123_750.jpg
© 123RF

In der heutigen schnelllebigen Zeit nehmen wir unsere Umwelt kaum noch wahr. Das geht nicht nur den Erwachsenen so, sondern auch Kinder und Jugendliche sind kaum noch sensibilisiert für ihre Umgebung. Dabei gibt es eine Menge zu entdecken, wenn wir uns nur einmal die Zeit nehmen, unsere Sinne zu schärfen und unsere Umwelt bewusst wahrzunehmen. Wahrnehmungsspiele haben das Ziel, genau das zu erreichen: Mit ihnen erfahren Kinder, was die Sinne alles leisten – und was man verpassen würde, wenn einer der Sinne nicht mehr funktioniert. Wahrnehmungsspiele helfen dabei, neue Eindrücke zu sammeln, Dinge und Situationen bewusster zu erleben und – allem voran – eine Menge Spaß zu haben. Die Ziele von Wahrnehmungsspielen sind dabei sehr vielseitig:

  • Ausbildung und Training der Sinne
  • Förderung sozialer Kompetenzen wie Empathie
  • Annäherung an andere Mitspieler

Wahrnehmungsspiele für Kinder ab sechs Jahre

Während Sie mit Sinnesspielen die Entwicklung Ihres Kindes spielerisch unterstützen können, helfen Wahrnehmungsspiele dabei, die Sinne weiter zu trainieren und auch größere Kinder und Jugendliche für die Leistung der Sinne zu sensibilisieren. Dabei nehmen sie sich selbst, aber auch andere Personen, bewusster wahr. Ab etwa dem sechsten Lebensjahr können Sie mit folgenden Spiele die Wahrnehmung verbessern:

Blind orientieren: Wer schon einmal bei einem Stromausfall im dunklen Haus unterwegs war, kann erahnen, wie es sich anfühlen muss, auf sein Augenlicht zu verzichten. Ohne unsere Augen sind wir ziemlich hilflos – selbst in vertrauten Umgebungen. Dunkeln Sie einen Raum vollständig ab und entfernen Sie Gegenstände, an denen sich die Kinder verletzen können. Nun kann Ihr Kind nach Ihnen oder einem Gegenstand suchen – und muss sich dabei auf seinen Tastsinn und sein Gehör verlassen.

Schnürsenkel zubinden: Größere Kinder haben meist kein Problem mehr damit, feinmotorische Aufgaben wie das Zubinden der Schuhe durchzuführen. Doch wie sieht es aus, wenn die Hände in Handschuhen stecken? Der Tastsinn funktioniert so kaum noch – ganz schön knifflig!

Barfußpark: Lernen Kleinkinder laufen, sind sie meist noch barfuß unterwegs. Das stärkt die Muskeln und Sehnen und hilft dabei, ein Gefühl für die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten zu entwickeln. Sobald Schuhe an die Füße kommen, geht dieses Gefühl jedoch schnell wieder verloren. Legen Sie einen Weg aus verschiedenen Untergründen, wie zum Beispiel Moos, Zweigen, Kies und Erde. Ihr Kind kann nun mit verbundenen Augen barfuß darüber laufen und raten, was sich da unter seinen Füßen befindet.

Paare finden: Die Schuhe der ganzen Familie werden auf einen Haufen geworden. Mit verbundenen Augen sollen nun die Paare gefunden werden. Dabei müssen sich die Kinder auf die Haptik, Größe und Form der Schuhe konzentrieren.

Wahrnehmungsspiele für Jugendliche

Wahrnehmungsspiele_123_250.jpg
© 123RF

Leistung und Lernerfolge werden auch bei Kindern immer wichtiger. Was viele Eltern darüber völlig vergessen ist die Tatsache, dass Leistung und Niederschläge Hand in Hand gehen. Kinder müssen lernen, Rückschläge zu verkraften und sich durch Misserfolge nicht aus der Bahn werfen zu lassen.

  • Blind durch die Stadt: Es ist schon schwer genug, sich in vertrauten Gebäuden blind zurechtzufinden. Doch wie ist das in einer Fußgängerzone, wo wir die Abstände nicht kennen, wo uns Menschen entgegenkommen und viele Geräusche auf uns einprasseln? Bei diesem Spiel werden einem Jugendlichen die Augen verbunden. Ein anderer führt ihn durch die Stadt. Erstaunlich, was man auch blind wahrnimmt – aber auch, wie schwierig das ist und wieviel Vertrauen es braucht!
  • Blind essen: Die Bedeutung des Sprichworts „Das Auge isst mit“ wird hier ganz besonders deutlich. Denn wir verbinden Geschmäcker auch mit der Optik von Lebensmitteln. Haben wir die Augen geschlossen, fällt es uns schwer, Früchte oder andere Lebensmittel voneinander zu unterscheiden. Je nach Auswahl des Essens lässt sich der Schwierigkeitsgrad erhöhen. Besonders knifflig wird es, wenn man sich dabei die Nase zuhält.
  • Krachmacher-Kette: Ähnlich wie beim Spiel „Ich packe meinen Koffer“ beginnt hier ein Jugendlicher, ein Geräusch zu machen (z.B. Klatschen). Der Nächste wiederholt das Geräusch und fügt ein neues hinzu (z.B. stampfen). Diese Kette kann unendlich weitergeführt werden, bis die Jugendlichen die Reihenfolge durcheinander bringen.

Checkliste für Wahrnehmungsspiele

Auch Eltern kommen nicht ohne Schimpfworte aus. Meistens rutschten Sie uns spontan raus, und bleiben dann von unseren Kindern nicht ungehört. Wichtig ist es also, dem Kind ein gutes Vorbild zu sein. Doch natürlich lässt sich nicht verhindern, dass das Kind im Kindergarten oder auf dem Schulhof Schimpfwörter kennen lernt, die uns nicht gefallen. So können Sie sich dann verhalten:

  • Wahrnehmungsspiele sind ideal, um die eigenen Sinne zu schärfen. Dabei geht es aber nicht nur darum, „besser“ zu werden, sondern auch darum, sich selbst und andere bewusster wahrzunehmen.
  • In der Natur gibt es viel zu entdecken. Hier lassen sich die Sinne am besten ausprobieren. Ob Tieren lauschen oder sich blind zu orientieren – die Natur hält viele Möglichkeiten für Kinder jeden Alters bereit.
  • Spielerisch lernen: Kinder lernen dann am besten, wenn sie Spaß dabei haben. Deshalb gilt auch für Wahrnehmungsspiele: Probieren Sie gemeinsam mit Ihrem Kind verschiedene Spiele aus und finden Sie das Spiel, an dem Ihre Familie am meisten Spaß hat.
  • Nicht nur die Wahrnehmung wird geschärft. Durch den Perspektivwechsel (wie fühlt es sich an, blind zu sein?) wird auch die psychosoziale Kompetenz gefördert.