„Mama, wieso schimpfst du immer?“

Wenn wir unsere Kinder tadeln müssen

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Es gibt im Familienalltag Zeiten, in denen man als Eltern das Gefühl hat, immer nur mit seinen Kindern zu schimpfen. Wir schimpfen, wenn sie „böse“ Worte benutzen, anderen Kindern etwas wegnehmen, wenn sie auch bei der dritten Ermahnung nicht auf uns hören, allzu laut toben, einen Wutanfall bekommen, anderen nichts abgeben wollen, uns anlügen, ihr Zimmer nicht aufräumen oder mal wieder ihre Hausaufgaben nicht machen wollen. Es gibt zahlreiche Gründe. In solchen Situationen fühlen sich Eltern oft wütend, hilflos, genervt und manchmal ihrer ganzen Energie beraubt. Da wünscht sich sicher manche Mutter oder mancher Vater die Zeiten zurück, in denen die Kinder noch kleine süße Babys waren, die man einfach „nur“ versorgen musste – auch wenn man sich dafür die Nächte um die Ohren schlagen musste. Besonders schlecht fühlen wir uns auch, wenn wir unser Verhalten in der entwaffnenden Ehrlichkeit unserer Kinder gespiegelt bekommen: „Mama, wieso schimpfst du immer nur?“ Aber muss das wirklich so sein? Oder kommen wir im Alltag auch mit weniger Tadel aus? Und was ist besser: Lob oder Tadel?

Warum hört mein Kind nicht – Und wie gehe ich damit um?

Es gibt viele Gründe, warum ein Kind nicht hört. Der wiederkehrende Machtkampf ist ganz normaler Bestandteil der kindlichen Entwicklung.

Trotzphasen: Jeder kennt die berüchtigte Trotzphase von Kleinkindern. Manchmal scheint es einem, als würde diese Trotzphase bis zur Pubertät nicht aufhören und dann direkt von dieser abgelöst werden. Kinder wollen ihre Grenzen austesten. Sie wollen wissen, wie viel sie sich erlauben können. Außerdem wollen sie sich ein wenig von den Eltern abgrenzen.

Verträumtheit: Manchmal ist es auch einfach Verträumtheit, die das Kind nicht hören lässt, etwa weil es so in seinem Spiel versunken ist. Haben Sie dann Verständnis, denn Ihr Kind will Sie nicht ärgern.

Fehlende Konsequenz: Und manchmal kommt Ungehorsam auch durch zu viel Nachlässigkeit und fehlende Konsequenz der Eltern. Ist doch klar, dass der Sohnemann auch nach der dritten Ermahnung sein Zimmer nicht aufräumt, wenn es beim letzten Mal schließlich doch die Eltern für ihn gemacht haben.

Fehlende Konsequenz: Und manchmal kommt Ungehorsam auch durch zu viel Nachlässigkeit und fehlende Konsequenz der Eltern. Ist doch klar, dass der Sohnemann auch nach der dritten Ermahnung sein Zimmer nicht aufräumt, wenn es beim letzten Mal schließlich doch die Eltern für ihn gemacht haben.

Lob oder Tadel – Was ist richtig?

Früher waren Strafen in der Kindererziehung normal, in Familie und Schule reichte das vom in der Ecke stehen bis zum Rohrstock. Heute sind solche autoritären Erziehungsmethoden zum Glück nicht mehr zeitgemäß und körperliche Gewalt gegen Kinder klar verboten. Das Kind hat ein gesetzlich verankertes Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Und das ist gut so, denn Gewalt, körperliche wie seelische, hinterlässt tiefe Wunden in der Kinderseele, mit denen sie auch als Erwachsene oft noch zu kämpfen haben. Der Verzicht auf körperliche und seelische Gewalt heißt jedoch nicht, dass es nicht nötig ist, klare Grenzen zu setzen. Ein sogenannter antiautoritärer Erziehungsstil, der in den 70er Jahren als Reaktion auf die lange vorangegangene autoritäre Kindererziehung folgte, ist jedoch auch nicht immer geeignet. In den meisten Familien gilt deshalb: Kinder brauchen Grenzen.

Grenzen setzen schafft Geborgenheit

Durch Grenzsetzung bekommen Kinder eine Orientierung und das Gefühl, dass die Eltern daran interessiert sind, was sie tun. Die Eltern zeigen dem Kind, dass sie in der Lage sind, für es zu sorgen. So kann sich das Kind sicher und geschützt fühlen, da es nicht selbst das stärkste Mitglied der Familie ist, sondern eben die Eltern. Gleichzeitig kann es sich auflehnen, seine eigenen Einflussmöglichkeiten testen und Eigenständigkeit entwickeln. Doch für Kinder ist es sehr wichtig, trotz Tadel das Gefühl zu haben, dass sie grundsätzlich geliebt werden und in der sicheren Beziehung zu ihren Eltern gehalten sind. Dann entsteht ein Gefühl von Geborgenheit.

Welche Strafen sind sinnvoll?

Auch wenn wir lieber loben, manchmal ist eben auch Disziplinierung nötig. Aber was sind sinnvolle und angemessene Strafen?

Wie Lob beflügeln kann

Sicherlich loben Sie Ihr Kind regelmäßig. Und das ist auch gut, denn Lob ist insgesamt ein viel stärkerer Anreiz für die Kinder als Strafe. Erinnern Sie sich einmal selbst, wann Sie zuletzt für etwas gelobt wurden. Vielleicht von Ihren Gästen für ein besonders gelungenes Fest, von Ihrer Freundin für einen selbstgemachten Kuchen oder von Ihrem Chef für eine gute Arbeit. Sicher hat es Ihnen gut getan. Wir alle brauchen Komplimente, ein ehrliches „Das hast du toll gemacht!“ bringt uns weiter. So ist es natürlich ganz besonders bei Kindern. Egal in welchem Alter – Kinder, die gelobt werden, wachsen daran.

Was Kinder durch Lob lernen können

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Selbstwirksamkeit: Das Gefühl von Selbstwirksamkeit ist wesentlicher Bestandteil eines gesunden Selbstvertrauens. Es bezeichnet die grundlegende Überzeugung, dass man etwas bewirken kann: „Ich bin nicht nur abhängig von anderen, sondern ich bin schon groß und stark und wenn ich etwas möchte, kann ich es schaffen.“

Umgänglichkeit: Durch Lob kann das Kind wichtige soziale Fähigkeiten wie Hilfsbereitschaft, Empathie, Fürsorge, Fairness entwickeln. „Ich lerne, was sozial erwünschtes Verhalten ist, ich erfahre Unterstützung und ich möchte Andere auch unterstützen.“

Kompetenz: Vor allem durch beschreibendes Lob kann ein Kind lernen, Handlungen zu planen und auszuführen. „Mama findet es gut, wenn ich konzentriert meine Hausaufgaben mache und erst danach spielen gehe.“

Motivation: Das Kind lernt, dass Anstrengung und kontinuierliche Versuche sich lohnen, und entwickelt die Motivation, besser zu werden, und den Optimismus, dass es seine Ziele erreichen kann. „Auch wenn mir etwas schwer fällt, gebe ich nicht auf, sondern versuche es so lange, bis ich Erfolg habe.“

Orientierung: Das Kind bekommt durch Lob eine Rückmeldung, welches Verhalten von den Eltern positiv und richtig gefunden wird. Es dient ihm als sichere Orientierung über Werte und Regeln, an die es sich halten soll. Das Kind kann sich so ein klares ein Bild davon machen, was es alles schon kann, was es darf und was nicht, und warum nicht. „Mein Eltern wissen, was gut und was nicht gut ist.“

Sicherheit in der Beziehung: Durch Lob erfährt das Kind, dass es von den Eltern gesehen wird. Es fühlt sich in der Beziehung gehalten und angenommen. „Meine Eltern interessiert, was ich tue. Und so wie ich es mache, finden sie es richtig.“

Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl!

Der Alltag mit Kindern ist nicht einfach. Sie bringen uns durch ihr Verhalten immer wieder an unsere Grenzen. Kinder sind oft kleine Egoisten und müssen die Regeln des sozialen Miteinanders erst lernen. Aber seien Sie zuversichtlich! Die meisten Eltern haben trotz allen Schwierigkeiten ein gutes Gespür, was richtig und was falsch ist. Genauso übrigens, wie ihre Kinder!