Mein Kind lügt

Wie soll ich reagieren?

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Kinder lernen irgendwann zu lügen. Und das ist prinzipiell auch gut so. Lügen zu können ist wichtig – und ein Zeichen von Intelligenz. Denn um jemanden bewusst zu täuschen, muss man in der Lage sein, sich in ihn hineinzuversetzen und eigene Gefühle zu verbergen. Für Kinder ist die bewusste Lüge deswegen ein Entwicklungsschritt. Trotzdem sind Eltern meist schockiert, wenn sie das erste Mal von ihrem Kind angelogen werden: Plötzlich ist da dieser gefühlte Vertrauensbruch. Eltern sind überrascht, enttäuscht, manchmal wütend. Es kommt die Frage auf: Warum lügt mein Kind?

Bis sich die Balken biegen…! Kleine und große Lügen

Es passiert täglich im Umgang mit unseren Mitmenschen – wir lügen, dass sich die Balken biegen! Wenn wir sagen, dass wir zu viel zu tun haben, obwohl wir einfach keine Lust haben, uns zu verabreden. Wenn wir unseren Partner ausrichten lassen, dass wir nicht da seien, wenn die redselige Freundin anruft. Wir fordern sogar von unseren Kindern, dass sie lügen: „Jetzt musst du dich für das schöne Geschenk bedanken!“ – obwohl wir wissen, dass unser Kind Puppen gar nicht mag und sich viel sehnlicher ein ferngesteuertes Auto gewünscht hat. Kinder können diese kleinen Lügen – Lügen aus Höflichkeit – zunächst noch nicht von großen Lügen unterscheiden. Sie lernen es nach und nach – indem sie uns genau beobachten.

„Ich war das nicht!“ – Warum lügen Kinder?

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Kinder lügen. Bei kleinen Kindern ist die Lüge Ausdruck einer sprudelnden Phantasie, die noch sehr fließende Grenzen zur Realität hat. Auch Wunschdenken kann eine Rolle spielen: „Mein Papa kann ein Haus hochheben, wirklich!“ Erst im Alter von etwa vier Jahren können Kinder eine Lüge bewusst einsetzen.

  • Lügen aus Scham: Oft spielt Scham eine Rolle beim Lügen. Das kennen auch wir Erwachsenen etwa, wenn wir eine wichtige Aufgabe bei der Arbeit verschleppt haben. Wenn der Chef uns darauf anspricht, fühlen wir uns schuldig. Da greift man schon mal zu einer Lüge. Auch Kinder empfinden Scham, wenn sie etwas getan haben, für das sie vielleicht schon zu groß sind oder wenn sie schlechte Noten mit nach Hause bringen.
  • Angst vor Bestrafung: Bei schlechten Noten hat das Kind möglicherweise Angst vor der Reaktion der Eltern. Es befürchtet, Sie zu enttäuschen, oder hat Angst, dass die 5 in Mathe unangenehme Folgen hat – dass es ausgeschimpft wird oder den ganzen Nachmittag lernen muss.
  • Wunsch nach Aufmerksamkeit: Mit ihrer Lüge wollen die Kinder etwas Bestimmtes erreichen – und sie lernen schnell, dass sie Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie lügen. Dabei ist es zweitrangig, ob die Aufmerksamkeit positiv oder negativ ausfällt.

Die richtigen Strategien im Umgang mit Lügen

Leistung und Lernerfolge werden auch bei Kindern immer wichtiger. Was viele Eltern darüber völlig vergessen ist die Tatsache, dass Leistung und Niederschläge Hand in Hand gehen. Kinder müssen lernen, Rückschläge zu verkraften und sich durch Misserfolge nicht aus der Bahn werfen zu lassen.