„Ich will aber“ – Willkommen in der Trotzphase

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Mal ist es nur etwas bockig, das andere Mal verzieht ihr Kind das Gesicht, kleine Wuttränen laufen über die Wangen und das Schreien geht los. Den ersten Wutanfall ihres Kindes erleben Eltern meist schon vor dessen zweitem Geburtstag. Danach geht es jedoch meist erst richtig los: Die Trotzreaktionen werden häufiger und wahrscheinlich auch intensiver. Ein ausgewachsener Wutanfall ist nervenaufreibend und – vor allem der Öffentlichkeit beim Einkaufen oder im Café – auch unangenehm. Viele Eltern fangen jetzt an, sich Sorgen über ihren Erziehungsstil zu machen. Die gute Nachricht: Die Sorgen sind meist unbegründet, denn in die Trotzphase kommt jedes Kind. Die schlechtere Nachricht: Viel können Eltern dagegen nicht tun. Wir haben ein paar Informationen und Anregungen, mit denen Sie diese Zeit hoffentlich etwas entspannter überstehen.

Was hat es mit der Trotzphase auf sich?

  • Wichtiger Entwicklungsschritt: Etwa ab zwei Jahren entdecken Kinder, dass sie eine eigenständige Person mit einem eigenen Willen sind – den sie dann auch gerne durchsetzen möchten. Für Kleinkinder ist die Trotzphase also ein wichtiger Entwicklungsschritt in Richtung Selbstständigkeit.
  • Wille gegen Möglichkeiten: Auf dem Weg Richtung Selbstständigkeit stößt Ihr Kind immer wieder an seine Grenzen. Sei es, weil die Feinmotorik noch nicht ausgefeilt genug ist, um sich die Socken allein anzuziehen oder die sprachlichen Fähigkeiten fehlen, um den Wunsch nach einem geliebten Spielzeug auszudrücken. Ihr Kind ist in diesem Moment unzufrieden mit sich selbst und das macht wütend.
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  • Überwältigende Gefühle: Ihr Kind plant seinen Wutanfall nicht und ist selbst von den Gefühlen überrascht, die auf einmal in ihm hochsteigen. Man kann den Ausbruch mit einem Kurzschluss vergleichen, in dem die Kontrolle aussetzt. In diesem Moment weiß Ihr Kind nicht anders mit seinen Gefühlen umzugehen und muss sie einfach rausschreien.

Lernen durch die Trotzphase: für Kleinkinder wichtig

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Frustrationstoleranz: Im Leben heißt es immer wieder, dass man viele Versuche braucht, bis etwas gelingt. Beim Laufen lernen zeigen Kinder zum Beispiel eine relativ hohe Toleranz und ziehen sich immer wieder hoch, um gleich darauf wieder auf den gepolsterten Windelpo zu fallen – bis sie schließlich stolz durchs Zimmer staksen. Auch mit den eigenen Gefühlen und dem Beharren auf dem eigenen Willen müssen Kinder erst umzugehen lernen.

Die eigenen Bedürfnisse durchsetzen: Als Baby hat Ihr Kind gelernt, dass ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit von Mama und Papa sicher ist, wenn es weint. Auch Trinken und eine extra Kuscheleinheit waren dann meist nicht weit – und das ist auch wichtig. Langsam wird es lernen, dass nicht der lauteste Schreihals seinen Willen bekommt, sondern manchmal ein Kompromiss geschlossen oder einen Moment abgewartet werden muss.

Soziales Miteinander: Ihr Kind lernt in der Trotzphase, dass es Geduld braucht und nicht alle Bedürfnisse immer sofort befriedigt werden können. Dieses Wissen braucht es, um später entspannter mit anderen Menschen umgehen zu können.

Wie gehe ich in der Trotzphase mit meinem Kind um?

Trotzphase bei Kleinkindern – Kleiner Trost für Eltern

Anderen geht es genauso, Sie sind nicht allein! Andere Eltern haben auch bockige und trotzige Kinder, die ihnen die Nerven rauben. Vielleicht können Sie sich auch mit Freunden über mögliche Lösungen unterhalten oder sich gemeinsam ermutigen. Es ist „nur“ eine Phase Wahrscheinlich eher ein schwacher Trost, wenn Ihr Kind gerade mittendrin ist. Spätestens mit vier oder fünf Jahren haben Sie es meist überstanden  und können mit etwas Abstand, bestimmt darüber lachen.