Integrative Pädagogik

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Chancengleichheit durch gemeinsames Lernen?

Die integrative Pädagogik ist im Grunde kein in sich geschlossenes pädagogisches Konzept. Vielmehr wird der integrative Ansatz in Betreuungseinrichtungen und Schulen unterschiedlichster pädagogischer Ausrichtungen umgesetzt. Spätestens seit die Bundesregierung den Übergang zu einem inklusiven Bildungssystem beschlossen hat, rückt auch der integrative Ansatz als Ausgangspunkt für die Inklusion zunehmend in den Fokus. Aber was steckt hinter dem Begriff der integrativen Pädagogik und wie sieht die pädagogische Arbeit in der Praxis aus?

Was steckt hinter den Begriff integrative Pädagogik?

Ausgangspunkt der integrativen Pädagogik ist das Anliegen, allen Kindern soziale Teilhabe und Chancengleichheit zu eröffnen, unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Kinder mit und ohne Behinderungen lernen und spielen gemeinsam, dabei wird jedes Kind mit seinen individuellen Eigenschaften, Denk- und Verhaltensweisen gleichberechtigt in das Bildungs- und Erziehungssystem einbezogen. Eine der Grundannahmen der integrativen Pädagogik ist es, dass Kinder mit Behinderung und Kinder ohne Behinderung gleichermaßen von der gemeinsamen Lernsituation profitieren.

Verschiedenheit als Bereicherung

Recht auf Gemeinschaft: Der Grundgedanke ist, dass jedes Kind unabhängig von seinen individuellen Stärken und Schwächen ein Recht hat, gemeinsam mit anderen zu leben und zu lernen. Die Verschiedenartigkeit der Kinder wird nicht nur anerkannt, sondern darüber hinaus als Bereicherung angesehen, durch die jedes Kind von dem anderen lernen kann.

Gemeinsam statt separiert: Kinder sind verschieden. Während einige ihren Altersgenossen voraus sind, zeigen andere Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Sprachschwierigkeiten, wieder andere werden mit geistigen oder körperlichen Behinderungen geboren. Lange Zeit wurden Kinder, die vermeintlich nicht in das „normale“ Schema passten, gesondert betreut. Die integrative Pädagogik will eine solche Absonderung aufheben und alle Kinder gleichermaßen in die Gesellschaft integrieren.

Integration vs. Inklusion: Heute hört man häufiger den Begriff der Inklusion, die als Ansatz das Konzept der Integration erweitert. Es geht dabei nicht nur um den Einschluss aller Kinder in eine Gesellschaft, sondern um die Auflösung der Unterteilung in „normal“ und „anders“. Ziel der Inklusion ist, dass sich „besondere“ Kinder nicht in bestehende Strukturen einfügen müssen. Vielmehr werden die Strukturen dem Kind entsprechend gestaltet, so dass es keine Sonderrolle mehr hat.

Wie sieht die integrative Pädagogik in der Praxis aus?

Hat integrative Pädagogik auch Nachteile?

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Inklusionsgesetzes sogar vielerorts gesetzlich vorgeschrieben. In der Praxis hält die integrative Pädagogik allerdings Herausforderungen bereit. Die größte Hürde ist die erforderliche Geisteshaltung bei den Eltern, Erziehern und den zuständigen Stellen, die sich nicht bloß durch politische Vorgaben durchsetzen lässt: So ist in der integrativen Praxis jeder einzelne gefragt, seine Auffassung von normal und nicht normal zu hinterfragen.

Für eine funktionierende Umsetzung der integrativen Pädagogik braucht es gut ausgebildetes und vor allem ausreichend Personal – dies verursacht häufig zusätzliche Kosten für die Eltern. In dem Bestreben, möglichst schnell den Bedarf an neuen integrativen Einrichtungen zu decken, wird das Konzept mitunter unbedacht oder nicht praktikabel umgesetzt, oder nicht alle Eltern und Erzieher unterstützen den Ansatz.

Eine Gefahr der integrativen Pädagogik ist auch, dass die Erzieher den integrativen Gedanken zu genau nehmen und Kinder mit Beeinträchtigungen „überfördern“ oder unter Leistungsdruck setzen. Nicht immer ist es möglich, alle Kinder gleichberechtigt in den Alltag zu integrieren. Auch dies ist eine Tatsache, der die integrative Pädagogik mit der nötigen Sensibilität und Kompetenz begegnen muss.