Interkulturelle Pädagogik

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Wir leben in einer zunehmend vernetzen Gesellschaft. Das digitale Zeitalter lässt die Welt räumlich zusammenrücken und so wird es in der heutigen Arbeitswelt immer wichtiger, mehrere Sprachen zu sprechen und mit kulturellen Unterschieden umgehen zu können. Denn das Miteinanderleben unterschiedlicher Kulturen ist gesellschaftliche Realität, weltweit – mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung wächst zweisprachig auf. Dies birgt sowohl Herausforderungen als auch Chancen, und interkulturelle Kompetenzen sind dabei von großem Vorteil. Aber wie können wir unsere Kinder auf das Leben in einer multinationalen Gesellschaft am besten vorbereiten?

Anders, aber gleich: Die Motive Interkultureller Pädagogik

Übergreifender Ansatz: Interkulturelle Pädagogik umfasst alle Konzepte, die Kinder mit oder ohne Migrationshintergrund auf ein Leben in einer heterogenen Gesellschaft vorbereiten. Das kann in einem interkulturell ausgerichteten Kindergarten oder Schule sein, aber auch in anderen Betreuungseinrichtungen, Sportvereinen oder Spielgruppen kann Interkulturelle Pädagogik umgesetzt werden. Dabei fußt die Interkulturelle Pädagogik auf zwei zentralen Prinzipien.

  • Anerkennung der Gleichheit:
    Alle Menschen werden unabhängig von ihrer Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Religion, Alter und anderen Merkmalen als gleichwertig betrachtet und unvoreingenommen mit dem gleichen Respekt behandelt.
  • Anerkennung der Unterschiedlichkeit:
    Mit dem Verständnis von der Gleichheit aller Menschen geht das Bewusstsein einher, dass unterschiedliche Gesellschaften individuelle kulturelle Ausdrucks- und Lebensformen haben, die keine „Abweichung“ von Normalfall sind, sondern jeweils eine eigene Lebensform neben vielen.

Wertschätzung als Kernkompetenz: Ziel der Interkulturellen Pädagogik ist es, den Respekt vor der Andersartigkeit und der Gleichwertigkeit verschiedener Kulturen zu vermitteln. Wer von klein auf lernt, Differenzen zu wertschätzen, ohne in „normal“ und „abweichend“ einzuteilen, der hat – so der Gedanke – das passende Handwerkszeug für die Herausforderungen und Chancen einer multikulturellen gesellschaftlichen Realität.

Schwerpunkte der Interkulturellen Pädagogik

Viele verschiedene Einrichtungen setzen die einzelnen Aspekte der Interkulturellen Pädagogik bewusst oder unbewusst im Alltag um – das ergibt sich beinahe von allein, z. B. wenn Kinder und Betreuer unterschiedlicher Kulturen zusammenkommen. Es gibt aber auch Kitas und Schulen, die gezielt nach dem Konzept der Interkulturellen Pädagogik arbeiten. Die Schwerpunkte liegen dabei zum einen auf der sozialen Entwicklung und auf der kulturpädagogischen Bildung der Kinder.

Mehrsprachigkeit – ganz alltäglich

Mehrsprachigkeit ist ein wichtiger Aspekt der Interkulturellen Pädagogik. Sie fördert nicht nur die Offenheit gegenüber anderen Kulturen, sondern auch das Sprachverständnis und die kognitiven Fähigkeiten. In internationalen Kindergärten und Schulen zum Beispiel wird Zwei-oder Mehrsprachigkeit gezielt gefördert. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass fremdsprachige Kinder die jeweilige Landessprache erlernen.

Unwissenheit als Voraussetzung für kulturelle Offenheit

Die Fähigkeit, das eigene Unwissen zu akzeptieren, ist eine wichtige Grundlage des interkulturellen Ansatzes. Wer nicht alles weiß und nicht alles versteht, bleibt neugierig auf andere kulturelle Lebenswelten und Besonderheiten. Daher versucht die Interkulturelle Pädagogik von Anfang an den offenen, ungezwungenen Umgang mit Fremdheit zu prägen.

Interkulturelle Pädagogik in der Praxis

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In den Kindertageseinrichtungen, die mit dem Konzept der Interkulturellen Pädagogik arbeiten, steht die Lebenswelt der Kinder und deren Familien im Mittelpunkt. Der kulturelle Hintergrund der Kinder wird aktiv in die pädagogischen Angebote und in die Gestaltung der Räumlichkeiten mit einbezogen.

Verschiedene Kulturen im Alltag:
Das Ziel der interkulturellen Arbeit ist nicht, eine bestimmte Kultur in den Mittelpunkt zu stellen und zum Beispiel in einem Thementag zu behandeln. Im Gegenteil: Die verschiedenen Kulturen werden selbstverständlich mit in den normalen pädagogischen Alltag einbezogen - in den Morgenkreis, in Gespräche und Spiele, beim Singen, Basteln und so weiter. Auch das Jahr wird mit seinen unterschiedlichen Festen interkulturell gefeiert.

Erzieher mit interkulturellem Hintergrund:
Oft arbeiten in den Einrichtungen Erzieher mit Migrationshintergrund. In manchen Einrichtungen findet auch ein Erzieheraustausch statt. Dafür gibt es Patenschaften mit Kindertageseinrichtungen in anderen Ländern. In diesem Rahmen kommen Erzieher für einige Wochen zu Besuch oder andersherum. Das gibt neue Impulse für die pädagogische Arbeit und interkulturelles Lernen wird den Kindern vorgelebt.

Interkulturelle Kompetenzen im Elternhaus stärken

Viele Kinder müssen heute lernen, sich in unterschiedlichen „Welten“ zu bewegen – sei es zum Beispiel durch den Wechsel zwischen den Elternhäusern getrennt lebender Eltern oder aufgrund unterschiedlicher Werte in Herkunftsfamilien und pädagogischen Einrichtungen. Interkulturelle Unterschiede sind dabei nicht immer eine Frage der Nationalität – und so ist die Frage nach den interkulturellen Kompetenzen auch nicht auf Betreuungseinrichtungen und Erzieher beschränkt. Eltern können ihren Kindern auch im Familienalltag Neugier, Offenheit und Unvoreingenommenheit gegenüber allem Unbekannten vermitteln, indem sie mit gutem Beispiel vorangehen. Das bedeutet auch ein gutes Maß an Selbstreflektion: Wie gehe ich mit Dingen oder Situationen um, die vom „Normalen“ abweichen? Welche Situationen verunsichern mich? Eltern können die Neugierde auf die Welt und andere Kulturen auch mit entsprechenden Spielzeugen fördern, zum Beispiel mit einem Kinder-Globus oder einer bunten Weltkarte, Büchern, Verkleidungen oder Puppen mit verschiedenen Hautfarben.