Was ist die Reggio-Pädagogik?

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Es kommt sicher nicht häufig vor, dass ein regionales Kindergartenkonzept die Geschichte der Elementarpädagogik prägt – und doch hat die norditalienische Stadt Reggio nell‘Emilia mit ihrer Konzeption und Praxis der kommunalen Kindergärten genau das erreicht: Seit die Kindertageseinrichtungen von Reggio im Jahr 1991 von der US-Zeitschrift Newsweek als „Beste vorschulische Institution der Welt“ ausgezeichnet wurden, hat die sogenannte Reggio-Pädagogik internationale Berühmtheit erlangt. Aus der ganzen Welt besuchen Pädagogen und Experten die Kindergärten von Reggio, um das Erziehungskonzept in der Praxis kennenzulernen. Aber was ist es, das die Reggio-Pädagogik so besonders macht und wie funktioniert das Konzept in der Praxis? Wir haben die wichtigsten Infos rund um die Reggio-Pädagogik für Sie zusammengetragen.

Der Ursprung der Reggio-Pädagogik

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Die Anfänge: Die Ursprünge des Erziehungsansatzes, der unter anderem die gemeinschaftliche Erziehungsverantwortung von Eltern, Pädagogen und Kommune in den Fokus stellt, reichen bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück. Die Frauen von Reggio organisierten nach dem Ende des ersten Weltkriegs und erneut nach Ende des zweiten Weltkriegs die Gründung kommunaler Kindergärten, da sie ihre gefallenen Männer ersetzen und arbeiten gehen mussten. Aus dieser Notlage entwickelte sich die Auffassung, dass die Kommune Verantwortung für die Zukunft der Menschen von Reggio übernehmen muss.

Der Wegbereiter: Die eigentliche konzeptuelle Ausarbeitung der Reggio-Pädagogik begann im Jahr 1970, als der erfahrene Lehrer Loris Malaguzzi mit der Koordination der kommunalen Kindergärten von Reggio nell’Emilia beauftragt wurde. Das Koordinationsbüro war gegründet worden, um eine professionelle Organisation der Krippen und Kindergärten von Reggio aus einer Hand umzusetzen. Ein hauptamtlicher Puppenspieler sowie Werkstattleiterinnen für die Ateliers der Kindergärten kamen im gleichen Jahr hinzu.

Internationale Beachtung: Schon 1970 und erneut im Jahr 1990 fanden in Reggio große pädagogische Kongresse statt, auf denen die Ideen und die Praxis der Reggio-Pädagogik internationalen Fachleuten vorgestellt wurden. Im Jahr darauf erhielten die kommunalen Einrichtungen die prestigeträchtige Auszeichnung der Newsweek.

Jedes Kind ist Forscher:

Grundsätze der Reggio-Pädagogik

Die Reggio-Pädagogik ist kein pädagogisches Konzept im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine Erziehungsphilosophie. Sie beruht auf der Grundannahme, dass jedes Kind aktiv und neugierig die Welt und seine eigenen Fähigkeiten entdecken will. Dieses positive Grundverständnis lässt sich sehr gut in bestehende Erziehungskonzepte integrieren – wohl auch darum gehört die Reggio-Pädagogik zu den bekanntesten überhaupt.
Zu den Grundprinzipien der Reggio-Pädagogik zählen:

  1. Die individuelle Entfaltung jedes Kindes
  2. Vielfältige Möglichkeiten zur begleiteten, aber nicht angeleiteten Selbstverwirklichung
  3. Projektbezogenes Lernen – oft entstehen Projekte aus der Initiative der Kinder heraus
  4. Wertschätzung der Persönlichkeiten und Lernerfolge der Kinder
  5. Beteiligung der Eltern und Mitverantwortung in der pädagogischen Arbeit
  6. Dokumentation der Kindergartenarbeit mit Fotos und Bildern
  7. Nach der Reggio-Pädagogik ist jedes Kind ein „eifriger Forscher“, der die Welt verstehen will und durch ständiges Probieren und Experimentieren seine praktischen und sozialen Kompetenzen entwickelt. Erzieher und Eltern haben eine beobachtende Rolle, sie begleiten die Entwicklung aufmerksam und wertschätzend, ohne sie anzuleiten.

Reggio-Pädagogik im Alltag – Tipps für Eltern

Reggio-Pädagogik in der Praxis

Selbstbestimmtes Gestalten: Dennoch haben sich weltweit Reggio-Kindergärten etabliert, die nach dem italienischen Ansatz arbeiten. Im Zentrum stehen dabei immer freies Gestalten, Spielen und Lernen. Beim Malen und Basteln in den Ateliers und Werkstätten der Einrichtungen können Kinder ihre Kreativität ausleben und ihre eigene Ausdrucksweise finden. Kreative Arbeiten, Spiele und Experimente werden jeweils von den Erziehern begleitet, ohne dass diese die Kinder anleiten.

Ein regionales Konzept? Fachleute sind uneinig darüber, ob die Reggio-Pädagogik sich als Kindergartenkonzept auf Betreuungseinrichtungen in anderen Städten und Ländern übertragen lässt – die historisch gewachsene Verbindung von Eltern, Erziehern und Kommune spielt eine wichtige Rolle für den Erfolg des Konzepts in Reggio.

Baumaterial statt Spielzeug: Anstatt einer großen Auswahl von Spielsachen setzen Reggio-Kindergärten auf Bau- und Bastelmaterialien, mit denen sich die Kinder kreativ beschäftigen. Jedes Kind entscheidet selbst, was es wann und wie lange machen möchte. Viele der Projekte und Experimente werden mit Fotos festgehalten, damit die Kinder ihre Lernerfolge über die Zeit verfolgen können.