Waldorfpädagogik – was steckt dahinter?

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Die Waldorfpädagogik und insbesondere das Konzept der Waldorfschule zählen zu den bekanntesten reformpädagogischen Ansätzen weltweit. Für die einen ist es ein Weg zur freien Persönlichkeitsentfaltung jenseits von Leistungsdruck, für die anderen ein „Seifenblasen“-Konzept jenseits der Realität des 20. Jahrhunderts. Aber woher stammt die Waldorfpädagogik und was macht den Ansatz im Kern aus? Wir haben uns die Ursprünge und die wichtigsten Annahmen der pädagogischen Lehre genauer angeschaut.

Der Ursprung der Waldorfpädagogik

Am Anfang stand die Fabrikschule: Der Esoteriker Rudolf Steiner gründete 1919 im Auftrag des Unternehmers Emil Molt eine Schule für die Kinder der Arbeiter in Molts Zigarettenfabrik Waldorf Astoria. Dabei setze Steiner das neue, von ihm auf der Grundlage seiner Menschenlehre entwickelte Schulkonzept erstmals um.

Steiners Menschenlehre: Schon zuvor hatte Rudolf Steiner seine Lehre der Anthroposophie entwickelt, die auch die spirituelle, nicht durch die Sinne erfahrbare Welt in ihr Menschenbild einbezieht. Der Mensch besteht demnach aus einer leiblichen, einer geistigen und seelischen Komponente – dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich, die alle in Beziehung zueinander stehen.

Das Reformschulkonzept: Steiners neue Schulform stand für das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit und gegen die Trennung nach Leistungs- und Sozialkriterien. Inzwischen ist Waldorfpädagogik, die dem Konzept der Reformpädagogik zugeordnet wird, weit verbreitet und wird auch in Kindergärten, Spielgruppen oder heilpädagogischen Einrichtungen umgesetzt.

Erziehung zur Freiheit - Die Idee der Waldorfpädagogik

Der anthroposophischen Pädagogik versteht sich als „Erziehung zur Freiheit“: Gemeint ist damit die freie Entfaltung der kindlichen Persönlichkeit und seiner Wahrnehmungs- und Erfahrungsfähigkeiten. Zu den Prinzipien, die in allen Waldorf-Einrichtungen umgesetzt werden, zählen unter anderem:

  • Individuelle Förderung statt Auslese
  • Freies kindliches Spiel statt angeleiteter Gruppenaktivitäten
  • Natürliche Spiel- und Bastelmaterialien sowie „ungegenständliches“ Spielzeug sollen die Fantasie und Eigeninitiative anregen
  • Zeit und Raum zur freien Entfaltung
  • feste Rhythmen sowohl im Tages- und Wochenablauf und ein enger Bezug zum Jahresverlauf sollen Sicherheit und Orientierung vermitteln
  • Die Erzieher nehmen jedes Kind in seiner Entwicklung und seiner Persönlichkeit genau wahr und fördern es individuell

Waldorfpädagogik in der Praxis – Die Waldorfschule

Waldorfschulen unterscheiden sich in vielen Bereichen deutlich von konventionellen Schulen bzw. Schulkonzepten – angefangen von der Organisation bis hin zu den Lehrinhalten.

Ist die Waldorfpädagogik das Richtige für mich und mein Kind?

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Viele Eltern sind vollkommen überzeugt vom Waldorf-Konzept und schätzen die ganzheitliche Förderung ihres Kinders genauso wie das umfangreiche Mitspracherecht. Andere stimmen nicht mit allen Annahmen der Waldorfpädagogik überein, sind aber überzeugt vom kreativen Schwerpunkt, vom handlungsorientierten Unterricht oder auch von der Ästhetik der Gebäude- und Schulhofarchitektur. Wieder andere fürchten, dass ihr Kind im regulären Schulsystem nicht gut aufgehoben wäre. Aber kann man sein Kind in eine Waldorfeinrichtung schicken, auch wenn man nicht mit der anthroposophischen Lehre konform geht? Zwar sind Waldorfschulen, -kindergärten und -spielgruppen geeint in ihrer anthroposophischen Weltanschauung, in der Praxis unterscheiden sie sich aber deutlich, gerade weil jede Waldorfeinrichtung von der Gestaltung durch Eltern, Erzieher und Lehrer geprägt ist. Daher macht es Sinn, sich die betreffende Einrichtung zusammen mit dem Kind anzuschauen und viele Fragen zu stellen, um einen Eindruck zu bekommen – erst dann sollte man entscheiden, ob die Waldorfpädagogik das Richtige für eine Familie ist.