Mein Kind schläft nicht – was kann ich tun?

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„Ich bin aber nicht müde!“ Abends, wenn den Eltern schon fast die Augen zufallen, geht es für einige Kinder erst richtig los. Schlafengehen? Fehlanzeige – es wird getobt und geschrien was das Zeug hält. Selbst wenn sie sich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten können, weigern sich einige Kinder standhaft, ins Bett zu gehen. Schnell wird das Ins-Bett-Bringen zur Belastungsprobe für die ganze Familie. Aber woran liegt es, dass Kinder nicht schlafen wollen, auch wenn sie offensichtlich müde sind? Und was können gestresste Eltern tun, um ihrem Kind das Einschlafen zu erleichtern?

Warum weigert sich mein Kind, ins Bett zu gehen?

Wenn Kinder nicht schlafen wollen, dann kann das ganz unterschiedliche Gründe haben.

Bei Kleinkindern ist es häufig Übermüdung oder ein fehlendes Gefühl für den Tag-Nacht-Rhythmus: Mitunter sind sie vom Tag so überdreht, dass sie allein nicht mehr zur Ruhe kommen oder sie haben mittags zu lange bzw. zu einer ungewohnten Zeit geschlafen und sind aus dem Rhythmus. Oft sind es aber auch bestimmte Reize oder Erlebnisse, die Kleinkinder „aus dem Takt“ bringen und abends nicht zur Ruhe kommen lassen. Das kann eine Fernsehsendung (auch im Kinderfernsehen), ein unerwarteter Besuch oder wildes Toben mit Papa in den Abendstunden sein.

Dazu kommt, dass Kinder erst lernen müssen, ihre Müdigkeit als solche zu erkennen. Wenn sie laut schreiend beteuern, überhaupt nicht müde zu sein, dann sind sie meist tatsächlich davon überzeugt.

Im Grundschulalter ist es weniger der Kampf um das Ins-Bett-Gehen, der vielen Eltern Sorgen macht, sondern Probleme mit dem Einschlafen. Die Kinder erkennen jetzt zwar von selbst, dass sie müde sind und gehen freiwillig ins Bett, haben aber Schwierigkeiten, in den Schlaf zu finden. Oft sind die Erlebnisse des Tages der Auslöser für Einschlafschwierigkeiten: Gedanken oder Sorgen, Erfahrungen, die noch nicht verarbeitet wurde. Einige Kinder haben auch Angst, etwas zu verpassen, wenn Mama und Papa noch wach sind oder sie haben das Gefühl, ihren Anteil an Aufmerksamkeit und Zuneigung für diesen Tag noch nicht bekommen zu haben.

Mehr über Schlafstörungen bei Kindern erfahren Sie hier.

Zur Ruhe kommen – so klappt’s

Feste Bettgehzeiten: Wenn möglich, sollte Ihr Kind immer zur gleichen Zeit schlafen gehen. Kleine Abweichungen am Wochenende sind normal, sie sollten aber nicht zu groß sein.

Zur Ruhe kommen: Die Stunden vor dem Schlafengehen sollten ruhig und „reizarm“ ohne Toben, Fernsehen oder PC-Spiele gestaltet werden. Besser ist ruhiges Spielen oder Malen, ein Hörspiel hören oder mit Mama auf dem Sofa kuscheln und erzählen.

Einschlafrituale: Wiederkehrende Rituale wie eine Gutenachtgeschichte, ein Einschlaflied oder eine CD mit Schlafliedern geben Sicherheit und vermitteln, dass der Tag zu Ende geht.

Den Tag besprechen: Kindergarten- und Grundschulkindern können Sie helfen, die Erlebnisse des Tages zu verarbeiten und abzuschließen, indem Sie in den Abendstunden alles besprechen, was tagsüber passiert ist. Regelmäßige „Redezeit“ schafft nicht nur Vertrauen, sie gibt Ihnen auch ein gutes Gefühl dafür, was Ihr Kind gerade beschäftigt.

Nicht zu spät und nicht zu früh: Finden Sie den richtigen Zeitpunkt für das Schlafengehen – einer, der zu den Bedürfnissen Ihres Kindes und zum Familienalltag passt. Zu spätes Schlafengehen kann das Einschlafen übrigens genauso behindern wie zu frühe Bettgehzeiten.

Muss mein Kind alleine einschlafen?

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  • Alles kann, nichts muss: Grundsätzlich ist es natürlich für alle von Vorteil, wenn ein Kind allein einschlafen kann. In der Realität sieht es aber häufig so aus, dass Mama oder Papa noch am Bett sitzen oder mit im Kinderbett kuscheln, bis das Kind schläft. Das ist völlig in Ordnung, die Hauptsache ist, dass Ihr Kind ruhig und geborgen einschlafen kann, denn auf diese Weise schläft es auch nachts am besten.
  • Allein einschlafen lernen: Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind langsam auch ohne Sie einschlafen sollte, dann muss es zunächst verstehen, warum es allein einschlafen soll. Erklären Sie ihm, dass es größer und selbstständiger wird, dass es vielleicht irgendwann ohne Sie bei einem Freund übernachten möchte etc. – das wird den Übergang erleichtern.
  • Hauptsache Geborgenheit: Das Wichtigste ist, dass sich am Einschlafritual möglichst wenig ändert. Die Gutenachtgeschichte, das Lied und natürliche eine Extra-Kuscheleinheit sollten weiterhin sein, damit Ihr Kind sich sicher fühlt. Vielleicht schenken Sie Ihrem Kind auch ein neues Nachtlicht oder ein besonderes Kuscheltier als Unterstützung beim Allein-Einschlafen.
  • Geduld und Verständnis: Vielleicht klappt es nicht direkt am ersten Abend, vielleicht klappt es aber auch noch gar nicht. Die Bedürfnisse von Kindern sind ganz verschieden, und wenn Sie merken, dass Ihr Kind abends nicht auf Sie verzichten kann, dann sollten Sie es so hinnehmen – vielleicht probieren Sie es in einem halben Jahr noch einmal.