Sprachentwicklung bei Kindern

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Worauf sollten Eltern achten?

Das erste Wort fällt oft unangekündigt und scheinbar völlig nebensächlich: Ein Kind sitzt auf seiner Spieldecke und äußert plötzlich klar und deutlich „Mama“. Oder es zeigt auf das Spielzeugregal und fordert mit einem Mal „Auto“. So überraschend das erste Wort für viele Eltern ist– es ist das erste hörbare Resultat einer Entwicklung, die schon Monate vorher begonnen hat. Einige Experten sind der Meinung, dass die Grundlagen für den Spracherwerb schon im Mutterleib gelegt werden. Aber wie funktioniert die Sprachentwicklung bei Kindern und was können Eltern tun, um ihre Kinder beim Sprechen lernen zu unterstützen?

Wie lernen Kinder sprechen?

Alle Kinder entwickeln sich in ihrem eigenen Tempo, das gilt auch für die Sprachentwicklung. Klar ist aber auch, dass der Spracherwerb von Kindern bereits aktiv ist, lange bevor sie sprechen. Man kann zwei grundlegenden Voraussetzungen für eine gesunde Sprachentwicklung nennen: Zum einen sind das die benötigten körperlichen und organischen Funktionen, zum anderen eine kommunikative und anregende Umgebung.

Entwicklung der Sprechwerkzeuge und des Gehörs: Um Laute bilden zu können, muss ein Kind über funktionierende Sprechwerkzeuge verfügen: Lippen, Gaumen, Zunge, Kiefermuskulatur, Stimmbänder und Zwerchfell müssen vorhanden und funktionsfähig sein. Durch das Schreien, erste Laute und Gluckser, aber auch mit der Nahrungsaufnahmen, durch Saugen und Schlucken, lernt das Kind seine Sprechwerkzeuge zu kontrollieren und trainiert die benötigten Muskeln. Eine besondere Rolle für das Sprechenlernen spielt das Gehör. Durch Hören lernen Babys nicht nur die Laute ihrer Muttersprache kennen, sie verinnerlichen auch den Tonfall und den Sprachrhythmus. Hörgeschädigte Kinder haben oft große Schwierigkeiten, sprechen zu lernen, auch wenn ihre Sprechwerkzeuge einwandfrei ausgebildet sind.

Kommunikation als Grundlage für den Spracherwerb: Spracherwerb ist eine Mischung aus Input und Feedback. Durch die Interaktion mit den Eltern bekommen Kinder den sprachlichen Input, den sie benötigen. Gleichzeitig ist es die Aufgabe der Eltern, ihren Kindern aufmerksam zuzuhören und sie zur Kommunikation anzuregen – das beginnt schon, wenn ein Baby sein erstes „dududu“ von sich gibt und dafür von den Eltern gelobt wird bzw. eine Antwort bekommt. Bei dieser Interaktion spielt der Sehsinn eine wichtige Rolle. Kinder lernen Laute und Wörter nämlich nicht nur über das Hören, sondern auch, indem sie die Mundbewegungen der Eltern beobachten und nachzuahmen versuchen. Eltern können diese Entwicklung fördern, indem sie von Anfang an viel mit ihrem Kind, aber auch untereinander kommunizieren, Lieder und Fingerspiele einbringen und auf vereinfachte Babysprache verzichten.

Bis zum ersten Wort:

Sprachentwicklung im Überblick

  • Im Mutterleib trainiert der Fötus bereits Lippen, Zunge und Gaumen, indem es zum Beispiel am Daumen lutscht. Über die Stimme der Mutter lernt es die typischen Laute seiner Muttersprache kennen.
  • Neugeborene kommunizieren über das Schreien – diese erste Form der Kontaktaufnahme mit der Umwelt kräftigt die Sprechwerkzeuge ebenso wie das Saugen und Schlucken der Nahrung.
  • Mit einem Monat können Babys bereits zwischen ersten Lauten variieren.
  • Mit zwei Monaten beginnt ein Kind seine Stimme zu erkunden und probiert verschiedene Lall- und Quietschlaute.
  • Bis zum sechsten Monat entwickeln sich Sehsinn und Gehör – das Baby beginnt mehr verschiedene Laute zu bilden und erkennt z. B. einfache Melodien.
  • Ab dem sechsten Monat beginnt das Baby erste Doppelsilben zu bilden und seine laute mit Gebärden zu unterstreichen. Es erkennt einzelne Worte wieder und reagiert darauf.
  • Im 10.-12. Monat beginnt das Baby bestimmet Laute zu kombinieren und erste Wörter zu bilden. Häufig werden diese Wörter übergreifend eingesetzt – zum Beispiel „Miau“ für alle Tiere oder „Auto“ für alles, was Räder hat.
  • Bis zum 18. Lebensmonat beherrscht ein Kind 10-20 Wörter, die es bestimmten Personen oder Gegenständen zuordnen kann, und versucht einfache Melodien mitzusingen.
  • Am Endes des zweiten Lebensjahres sprechen die meisten Kinder Zweiwort- und Dreiwortsätze und haben einen Wortschatz von rund 50 Wörtern, mit dem sie auch ihre eigenen Wünsche und Gefühle äußern können.

Lesen Sie hier, welche weiteren Entwicklungsstufen Ihr Baby in den ersten 24 Lebensmonaten durchläuft und wie Sie es dabei unterstützen können.

Spaß beim Sprechen lernen: Reime und Lieder zur Sprachförderung

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Einschlaflieder, kleine Reime oder Fingerspiele sind den meisten Eltern aus ihrer eigenen Kindheit bekannt – seit Jahrhunderten werden sie eingesetzt, um Kinder zu unterhalten. Der Förderungsgedanke stand dabei lange Zeit im Hintergrund. Vielmehr sind Lieder und Reime eine Möglichkeit für Eltern, auf einer entwicklungsgerechten Ebene mit ihrem Kind zu kommunizieren. Heute weiß man, dass der Input, den Kleinkinder durch einfache Lieder und Fingerspiele bekommen, eine wichtige Rolle für die Sprachentwicklung spielt: Zum einen erweitern Kinder durch die häufige Wiederholung der Strophen ihren Wortschatz und zum anderen trainiert gerade die Verbindung von Gesten und Sprache die kognitiven Fähigkeiten. Zu guter Letzt macht Singen und Reimen einfach Spaß – und Freude an der Sprache und am Herumspielen mit Wörtern und Lauten ist wahrscheinlich die effektivste Art der Sprachförderung. Mehr über die Sprachliche Förderung von Kindern können Sie hier lesen.

Bilinguale Erziehung – Worauf Eltern achten müssen

Zweisprachige Erziehung ist eine Herzensangelegenheit: Die Vorteile einer bilingualen Erziehung sind offensichtlich, insbesondere in unserer zunehmend globaler ausgerichteten Gesellschaft und Arbeitswelt. Häufig steckt jedoch kein ausgefeiltes Erziehungskonzept dahinter, wenn Kinder zweisprachig aufwachsen, sondern eine emotionale Bindung der Eltern an ihre Muttersprache. Der Elternteil mit einer fremden Muttersprache möchte dem Kind die eigene Sprache und Kultur nahebringen, um diese in der Familie zu erhalten. Oder die Eltern sind aus einem anderen Land zugewandert, so dass die Kinder zu Hause die Muttersprache der Eltern und im Alltag die Sprache des Heimatlandes sprechen.

Wie funktioniert zweisprachige Erziehung? Auch, wenn Kinder eher intuitiv zweisprachig erzogen werden, sollten Eltern einige Dinge berücksichtigen – sonst laufen die Kinder Gefahr, keine der beiden Sprachen vollständig zu beherrschen. So ist es wichtig, dass ein Kind beide Muttersprachen regelmäßig und möglichst mit verschiedenen Menschen spricht.

Als Faustregel gilt: Es kann eine zweite Muttersprache nur dann perfekt gelernt werden, wenn mindestens ein Viertel des sprachlichen Inputs in dieser Sprache gegeben wird.

Grundsätzlich entwickeln die meisten Kinder früher oder später eine Vorliebe für eine der beiden Erstsprachen, die Vorteile der Zweisprachigkeit gehen damit aber nicht verloren.

Mehr zum Thema zweisprachige Erziehung finden Sie hier.

Sprechen lernen sollte Spaß machen

Natürlich sollten Eltern die Entwicklung ihres Kindes aufmerksam beobachten und reagieren, wenn sich Unregelmäßigkeiten abzeichnen. Das Wichtigste für eine gesunde Sprachentwicklung ist und bleibt aber die Kommunikation im Alltag, weitab vom Fördergedanken, einfach durch Spaß am Sprechen und durch das Spielen mit Sprache. Die meisten Kinder sind sehr kreativ beim Umgang mit Sprache, wenn sie dazu angeregt werden. Ganz gleich, ob Sie gemeinsam Laute von Tieren oder Alltagsgegenständen nachahmen, kleine Reime und Geschichten erfinden oder bekannte Kinderlieder „umdichten“ – durch das Experimentieren entwickeln Kinder ein Gespür für die Feinheiten der Sprache und werden zunehmend sicherer im Umgang damit.