Bilinguale Erziehung:

Zweisprachige_Erziehung_123_(1)_650x325.png
© 123RF

Worauf muss ich achten, wenn ich mein Kind zweisprachig erziehe?

Mehrsprachigkeit steht bei Erwachsenen hoch im Kurs: Je globaler unsere Gesellschaft wird, desto wichtiger wird die Kommunikation über die Landesgrenzen hinweg. Wer mehrere Sprachen beherrscht, wird als kompetent und weltoffen wahrgenommen; nicht selten sind Fremdsprachenkenntnisse ein entscheidendes Kriterium für den Arbeitgeber. Für Kinder, die zweisprachig erzogen werden, spielt das alles keine große Rolle: Sie leben von Anfang an ganz selbstverständlich mit zwei oder mehr verschiedenen Sprachen und damit auch mit unterschiedlichen Kulturkreisen. Bilinguale Erziehung bietet große Chancen, aber auch Herausforderungen für die Familie. Wir sagen Ihnen, worauf Sie achten müssen, wenn Sie Ihr Kind zweisprachig erziehen.

Vorteile einer zweisprachigen Erziehung

Wie erziehe ich mein Kind zweisprachig?

Für viele Eltern ist es völlig selbstverständlich, in ihrer Muttersprache mit dem eigenem Kind zu kommunizieren. Häufig steht dabei nicht der Förderungsgedanke im Vordergrund, sondern ein Gefühl der Vertrautheit und die Erinnerung an die eigene Kindheit, mit den altbekannten Kinderreimen, Einschlafliedern und Kosenamen.

Mitunter wachsen Kinder auch aufgrund fehlender Sprachkompetenzen der Eltern zweisprachig auf, zum Beispiel, wenn eine Familie in ein Land eingewandert ist und die Eltern die Landessprache nicht beherrschen.

In jedem Fall ist zweisprachige Erziehung meist ein intuitiver Vorgang. Dennoch gibt es einige Dinge, auf die Eltern achten sollten:

  1. Zweisprachige Erziehung braucht Konsequenz: Ein Kind kann eine zweite Sprache nur richtig lernen, wenn diese häufig gesprochen wird. Im Idealfall spricht jeder Elternteil ausschließlich in seiner Muttersprache mit dem Kind von Geburt an.
  2. Sprache muss lebendig sein: Sprache ist Alltag und so sollte auch die Zweitsprache gehandhabt werden. Gemeinsam singen oder Bücher vorlesen, Wortspiele oder Quatsch machen die Sprache lebendig und sollten zur bilingualen Erziehung fest dazugehören.
  3. Zweisprachigkeit braucht Abwechslung: Im Idealfall kommuniziert ein Kind nicht nur mit seinem Elternteil in der Zweitsprache, sondern mit möglichst vielen unterschiedlichen Menschen. Regelmäßige Telefonate mit den Großeltern oder Treffen mit ebenfalls zweisprachigen Freunden sorgen für Vielfalt und Abwechslung im Sprachgebrauch.
  4. ¼-Regel: Eine Faustregel besagt, dass rund ein Viertel der Kommunikation eines Kindes in der Zweitsprache stattfinden sollte. In den ersten Jahren ist das kein Problem, doch je älter und unabhängiger ein Kind wird, desto aktiver sollten Eltern den Gebrauch der Zweitsprache fördern.
  5. Kein Leistungsdruck: Auch, wenn einem Elternteil die eigene Muttersprache und Kultur natürlich am Herzen liegt, sollte Zweisprachigkeit ohne Zwang und ohne Erwartungsdruck stattfinden. Ein Kind wird immer eine der beiden Sprachen besser beherrschen als die andere – wichtig ist es, beide Sprachen gleichwertig als lebendiges Kommunikationsmittel zu nutzen und zu schätzen.

Risiken einer zweisprachigen Erziehung

Zweisprachige_Erziehung_123_(2)_650x325.png
© 123RF

Späterer Spracherwerb? Häufig fangen zweisprachig erzogene Kinder etwas später zu sprechen an als ihre einsprachigen Altersgenossen. Dieser Unterschied ist aber allenfalls in den ersten drei Lebensjahren spürbar. Danach holen die zweisprachigen Kinder auf und verfügen über den gleichen Wortschatz in „doppelter Ausführung“.

Sprach-Mix: In den ersten Jahren neigen Kinder dazu, die zwei Sprachen miteinander zu vermischen. Das ist allerdings kein Zeichen von Verwirrung oder Überforderung – Sprachforscher gehen davon aus, dass die Kinder, wenn ihnen ein Wort nicht gleich einfällt, aus praktischen Gründen einfach das Wort aus der anderen Sprache verwenden.

Überforderung: Es kann vorkommen, dass Kinder eine Zweitsprache ablehnen und diese zwar verstehen, aber ungern sprechen. Das ist häufig der Fall, wenn die Zweitsprache relativ selten und nur mit einer Person gesprochen wird bzw. wenn kein direkter Alltagsbezug vorhanden ist.

„Anderssein“: Kinder möchten sich einer Gruppe zugehörig fühlen und genauso sein wie Freunde und Bezugspersonen. Mitunter empfinden sie es als unangenehm, wenn sie mit einem Elternteil in einer anderen Sprache sprechen sollen. Eltern können viel dazu beitragen, dieses „Anderssein“ als Stärke statt als Schwäche zu empfinden und früher oder später wird auch das Kind die Vorteile der Zweisprachigkeit erkennen.