Wie setze ich gute Vorsätze in der Kindererziehung um?

Gute_vorsätze_123_650.jpg
© 123RF
Die Vorstellung, Eltern zu werden, löst fast immer euphorische Gefühle aus. Zur allgemeinen Erwartungsfreude kommt oft die Überzeugung hinzu, dass man beim eigenen Kind alles von Anfang an richtig machen möchte. Nur das Beste für das Kind, während die Eltern ihre Lebensgewohnheiten weitestgehend beibehalten können. Nicht selten gehen solche guten Vorsätze in den ersten Wochen nach und nach über Bord. Das Baby schläft immer im eigenen Bett – bis man fünf, sechs Mal pro Nacht aufstehen muss, um das Baby zu beruhigen. Wir wickeln nur mit Stoffwindeln – bis zum ersten Durchfall. Erziehungsvorsätze dieser Art kommen Ihnen bekannt vor? Trösten Sie sich – so geht es fast allen Eltern. Wir haben versucht herauszufinden, welche Erziehungsvorsätze Sinn machen und wie Sie diese konsequent umsetzen können.

Erziehungsvorsätze – die zehn Klassiker

  • Wir benutzen Stoffwindeln
  • Wir kochen von ersten Brei an alle Mahlzeiten selbst
  • Süßes, Fertiggerichte und Fast Food gibt es nicht
  • Unser Kind bekommt keinen Schnuller
  • Unser Kind wächst ohne Fernsehen auf
  • Grellbuntes und lautes Plastikspielzeug kommt nicht ins Haus
  • Das Spielzeug bleibt im Kinderzimmer – das Wohnzimmer gehört den Eltern
  • Wir kaufen keine überteuerte Kleidung oder Spielzeug mit Comic- oder Filmfiguren
  • Mein Kind wird keine Wutanfälle im Supermarkt bekommen
  • Auch mit Kind verhalten wir uns in Café und Restaurant ruhig und haben keine seltsamen Sonderwünsche

Alles richtig machen – gute Vorsätze in der Erziehung

Gute_Vorsätze_Jakoo_650.jpg
Wunsch und Wirklichkeit: Der Wunsch, das Beste für sein Kind zu tun, ist nur natürlich. Die Ziele, die sich Eltern für die Kindererziehung stecken, haben aber oft eine andere Motivation: Man möchte alles anders machen als die eigenen Eltern oder sich von den Familien abgrenzen, die einen im Café oder im Supermarkt immer genervt haben. Ist der Alltag mit Kind erst mal Realität geworden, so kommen die guten Vorsätze nicht selten auf den Prüfstand: Sind sie alltagstauglich oder einfach unpraktisch? Muss ich meine Grundsätze vor anderen rechtfertigen oder verteidigen? Und nicht zuletzt: Tut es meinem Kind wirklich gut oder nur mir? Aus der eigenen Erziehung lernen: Wenn sie Eltern geworden sind, beginnen viele Erwachsene sich stärker mit ihrer eigenen Erziehung auseinander zu setzen. Nicht selten erkennt man Muster oder Reaktionen der eigenen Eltern bei sich wieder. Um realistische Vorsätze für die Kindererziehung zu fassen, hilft es, sich die positiven und negativen Seiten der eigenen Erziehung bewusst zu machen. Was hat Sie positiv geprägt, was möchten Sie auf jeden Fall vermeiden? Dieses „Grundgerüst“ ist eine gute Orientierung für das Leben mit dem eigenen Kind und kann Ihnen helfen, alltagstaugliche Vorsätze für die Erziehung zu finden.

Checkliste:

So werden (und bleiben) gute Vorsätze Realität

  • Motivation hinterfragen: Werden Sie sich über die Motivation hinter ihren Vorsätzen bewusst. Wenn Sie sich mit Themen wie Stoffwindeln statt Wegwerfwindeln oder einer zuckerfreien Ernährung wirklich auseinandergesetzt haben, fällt die Umsetzung leichter.
  • Realistische Ziele setzen: Vorsätze wie „Niemals Süßigkeiten“ kommen spätestens dann ins Wanken, wenn Ihr Kind die ersten Kindergeburtstage feiert oder Freunde zum Spielen besucht. Finden Sie lieber alltagstaugliche Alternativen.
  • Feste Regeln setzen: Fernsehen nur am Wochenende, Süßes nur als Nachtisch nach dem Essen – wenn kritische Themen klar geregelt sind, fällt es allen Familienmitgliedern leichter, damit umzugehen.
  • Vorsätze auf dem Prüfstand: Mit der Entwicklung Ihres Kindes müssen möglicherweise auch bestimmte Erziehungsgrundsätze angepasst werden. Bleiben Sie flexibel und halten Sie nicht an Regeln fest, wenn diese nicht wirklich mit dem Familienalltag vereinbar sind.
  • Ausnahmen akzeptieren: Zuhause gibt es Milch, bei Oma Limonade zum Abendbrot. Kinder verstehen durchaus, dass in einer anderen Umgebung auch andere Regeln herrschen können. Solange es bei Ihnen zu Hause keine Grundsatzdiskussionen auslöst, sollten Sie bei Ausnahmen ein Auge zudrücken.
  • Zu Ihrer Entscheidung stehen: Grundsätzliche Fragen um Ernährung und Erziehung sind emotional aufgeladen und bieten großes Diskussionspotenzial. Stehen Sie zu Ihren Überzeugungen. Wichtig ist, dass ein Vorsatz für Ihre Familie funktioniert und nicht, dass er allen gefällt.

Familienprojekt: Gute Vorsätze gemeinsam fassen

Geschrei an der Supermarktkasse, Diskussionen um Fernsehen und Computer, Streit um Hausaufgaben und Zimmer aufräumen – Kinder stellen die Erziehungsgrundsätze ihrer Eltern beinahe täglich in Frage. Ab einem gewissen Alter können Sie die Kinder ruhig in die typischen Fragen des Zusammenlebens einbinden. Fassen Sie gemeinsam einen Vorsatz für die Punkte, um die es immer wieder Diskussionen gibt. Wenn Ihr Kind die Regeln für den Umgang mit Medien, Süßigkeiten oder Aufräumen mit festlegen durfte, wird es sich höchstwahrscheinlich bereitwilliger daran halten.