Filzen mit Kindern – was muss ich beachten?

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Fast alle Kinder basteln gern. Mit Farben, Schere und Kleber lassen sie ihrer Fantasie freien Lauf und lernen nebenbei etwas über Formen, Funktionen und verschiedene Materialien. Filzen hat noch einen weiteren Vorteil: Es ist nicht nur eine sehr anspruchsvolle Handarbeit, die mit vollem Körpereinsatz ausgeführt wird, die gefilzten Bälle oder Figuren werden auch schnell zu absoluten Lieblingsspielzeugen Ihrer Kinder. Wir haben eine Anleitung und ein paar praktische Tipps für Sie, wie es problemlos mit dem Filzen funktioniert.

Filzen – das steckt hinter der uralten Handarbeitstechnik

Das Grundprinzip des Filzens ist schnell erklärt: Durch das wiederholte Bearbeiten von unbehandelter Schafswolle mit heißer Seifenlauge verbinden sich die Wollfasern zu einem dichten Gewebe. Die Fasern ziehen sich zusammen und verhaken sich durch das Gegeneinander-Reiben immer mehr. Auf diese Weise kann man große Lagen aus Filz-„Stoff“ herstellen, die sich zu Taschen oder Hüten weiterverarbeiten lassen. Man kann aber auch kleine Figuren formen oder verschiedenfarbige Wolle zu bunten Bällen verfilzen.

Eine Jahrtausende alte Handwerkstechnik: Die ältesten erhaltenen Bekleidungsstücke aus Filz stammen aus der Zeit um 1.800 v. Chr. Archäologische Funde weisen aber darauf hin, dass schon in der Jungsteinzeit Filztechniken angewendet wurden. Sehr weit verbreitet ist das Filzen seit jeher bei den Gebirgsvölkern Chinas, aber auch in Dänemark und im Norden Deutschlands wurden Filzmützen aus der Zeit um 1.500 v. Chr. gefunden. Heute ist das Filzen wieder voll im Trend, ob für Hausschuhe, individuelle Mützen oder Kinderspielzeug.

Kann ich auch mit kleinen Kindern filzen?

Schon im Kindergartenalter können Kinder selbständig kleine Filzbälle oder einfache Figuren herstellen. Viele haben großen Spaß am Hantieren mit der flauschigen, leicht fettigen Naturwolle: Hier wird gezupft und gedreht, gerollt und geknüllt. Auch das Filzen selbst ist ein Erlebnis für kleine Kinder. Sie dürfen nach Herzenslust mit den Händen im seifigen Wasser herumplanschen. Etwas Vorsicht ist trotzdem geboten: Die Seifenlauge muss etwa 50° C heiß sein, damit es mit dem Filzen klappt. Das ist so heiß, wie man es normalerweise gerade noch aushalten kann, für einige Kinder ist es aber bereits zu heiß. In diesem Fall können Sie das Eintauchen der Wolle ins Wasser übernehmen und Ihr Kind übernimmt das Verfilzen.

Zupfen, eintauchen, rollen: Anleitung für das Filzen mit Kindern

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Das brauchen Sie:

  • Einen großen Topf oder eine Schüssel
  • Eine Kochplatte (beim Filzen im Freien eine alte Thermoskanne für die Seifenlauge)
  • Flüssige Kernseife (alternativ Olivenölseife)
  • Ein paar alte Handtücher oder Geschirrtücher
  • Backbleche oder Platten als Unterlage, sonst die Abtropffläche der Küchenspüle nutzen
  • Gewaschene und gekämmte Schafwolle, naturbelassen oder eingefärbt („Märchenwolle“, im Bastelfachgeschäft)

So geht’s:

  1. Die Wolle wird in kleinen Flocken aus den Kammzügen gezupft und entweder zu einem Ball gerollt oder um einen Gegenstand gewickelt (z. B. ein schöner Stein, ein Osterei, etc.). Sollen Gegenstände „umfilzt“ werden, müssen Sie vielleicht am Anfang etwas helfen, damit die ersten Lagen der nassen Wolle nicht abrutschen.
  2. Jetzt die Wolle mit flüssiger Seife einreiben und in das heiße Wasser eintauchen. Dabei die Wolle gut durchfeuchten, ohne dass sie triefend nass auseinanderfällt.
  3. Die nasse Wolle ausgiebig mit den Fingern reiben und rollen, um sie zu verfilzen. Eine neue Lage Wolle darum wickeln, erneut mit Seife einreiben und in heißes Wasser eintauchen.
  4. Der Vorgang wird so oft wiederholt, bis ein festes, geschlossenes Gewebe entstanden ist. Durch die verschiedenen Lagen Wolle können Sie mehrfarbigen Filz in fast jeder Form herstellen.

 

Basteltipp: Zaubersteine aus Filz Schöne, im Wald oder im Park gefundene Steine in mehreren Durchgängen mit Wollfasern umwickeln und verfilzen. Beim Umwickeln eine runde Öffnung aussparen, durch die der Stein sichtbar bleibt. Hier müssen Eltern vielleicht etwas assistieren. Mit mehreren Lagen verschiedenfarbiger Wolle erhalten die Lieblingssteine auf diese Weise einen zauberhaften Filzmantel.

Basteltipp: Filz-Eier als Osterschmuck Filz-Eier sind eine schöne Filzarbeit für kleine Kinder, weil sie relativ schnell herzustellen sind. Die Grundlage bilden einfache Plastikostereier (solche, die normalerweise als Gartenschmuck verwendet werden). Diese werden mit Wollfasern umwickelt und nach und nach bunt verfilzt. Mit Märchenwolle lassen sich auch Muster oder Streifen in den Filzüberzug einarbeiten und dann einfach als farbenfrohen Osterschmuck aufhängen.

Filzlagen herstellen

Auch einen leichten Filzstoff können Sie selbst herstellen. Das Ganze geht am besten im Freien. Dafür werden zwei oder mehr Lagen Wolle auf einer Plastikfolie ausgelegt, die Fasern der ersten Lage längs, die der zweiten quer und so weiter. Dann die Wolle mit heißer Seifenlauge durchfeuchten und mit flachen Händen vorsichtig reiben, bis sie sich die Lagen miteinander verfilzen und ein dichtes Gewebe entsteht.

Anschließend wird das Filzstück mit der Folie aufgerollt und immer wieder hin und her „gewalkt“, damit der Filz dichter wird. Nach einigen Vorgängen den Filz mit Wasser ausspülen und trocknen lassen.

So klappt’s: Tipps fürs Filzen

  • Im Sommer am besten ins Freie: Das Hantieren mit Seife, Wasser und Wollfasern macht etwas Schmutz. Daher ist es am entspanntesten, wenn Sie mit Ihrem Kind im Freien filzen. Als Unterlage eignet sich ein Blech oder eine Plastikfolie, das heiße Wasser können sie in einer Thermoskanne bereitstellen.
  • Ausreichend Geduld mitbringen: Nur durch häufiges Wiederholen verfilzen sich die Wollfasern zu einem festen Gewebe. Das kann leicht 20–30 Minuten dauern – plus Trockenzeit.
  • Konstante Wassertemperatur: Das Seifenwasser muss wirklich heiß sein, und zwar über den gesamten Filzvorgang. Erst ab etwa 50° C funktioniert es mit dem Filzen.
  • Kleine Hände schonen: Kernseife funktioniert zum Filzen am besten, beim Filzen mit Kindern können Sie aber auch ein Stück Olivenölseife verwenden. Das schont die Haut und riecht angenehmer.