Unterstützung beim Lernen: Braucht mein Kind Nachhilfe?

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Nachhilfe ist zu einem festen Bestandteil des Schulalltags geworden – so scheint es zumindest, wenn man sich die Zahlen der ersten JAKO-O-Bildungsstudie ansieht: Jedes vierte Kind bekommt im Verlauf seiner Schulzeit regelmäßig oder ab und zu Nachhilfe. Aber woran liegt das? Sind die schulischen Anforderungen gewachsen? Oder ist es das größere Bewusstsein der Eltern, die Ausbildung ihrer Kinder bestmöglich zu fördern? Ob und wie lange ein Kind Nachhilfe braucht, müssen Eltern und Kinder individuell entscheiden und auch, welche Form der Nachhilfe für sie sinnvoll ist. Als kleine Unterstützung haben wir Informationen und Tipps rund um das Thema Nachhilfe für Sie zusammengestellt.

Wann ist Nachhilfe sinnvoll?

Nachhilfe bietet sich an, wenn ein Schüler in einem oder zwei Fächern nicht mehr mitkommt und den Rückstand auch durch Hilfe bei den Hausaufgaben nicht allein aufholen kann. Aber auch, wenn es insgesamt an Motivation zum Lernen mangelt oder ein Kind Schwierigkeiten hat, Lernaufgaben strukturiert anzugehen, kann Nachhilfe sinnvoll sein.

Kein Wundermittel: Nachhilfe ist kein "Allheilmittel", mit dem ein Kind wie durch ein Wunder zum guten Schüler wird. Wenn gundsätzliche Lernschwierigkeiten bestehen oder der Rückstand bereits zu groß ist, sollten Sie eher das Gespräch mit den Lehrern Ihres Kindes suchen, um eine Lösung zu finden.

Neue Motivation: Bei fast allen Kindern stellt sich im Verlauf ihrer Schulzeit Lernmüdigkeit ein, typischerweise in der Pubertät. Das ist völlig normal und Nachhilfestunden können in solchen Fällen helfen, dass die Lücken nicht zu groß werden.

Hilfe von außen: Wenn Eltern mit ihren Kindern lernen, kommt es schnell zum Streit, und Konflikte um die Hausaufgaben sind in vielen Familien an der Tagesordnung. Ein Nachhilfelehrer kann als Außensteheder oft mehr bewirken. So sind die Lernerfolge besser und der Familienfriede bleibt intakt.

Welche Arten von Nachhilfe kann ich in Anspruch nehmen?

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Die allerhäufigste Form der Lernunterstützung findet im Familienkreis statt: Eltern, ältere Geschwister oder die Großeltern helfen bei den Hausaufgaben oder springen ein, wenn etwas nicht richtig verstanden wurde. Diese Art der Nachhilfe findet normalerweise unregelmäßig statt und birgt auch Konfliktpotenzial. Nicht selten verlieren Familienmitglieder schneller die Geduld miteinander, zudem lassen sich Kinder gerade in der Pubertät nur ungern von ihren Eltern oder Geschwistern „belehren“. Daher kann es sinnvoll sein, Außenstehende für die Nachhilfe heranzuziehen.

Private Nachhilfe: Private Nachhilfestunden haben den Vorteil, dass Sie den Zeitpunkt, die Häufigkeit und die Kosten selbst verhandeln können. Meist gibt es keine vertragliche Bindung, so dass die Nachhilfestunden von beiden Seiten relativ flexibel gehandhabt werden. Viele Studenten bieten Nachhilfe an, um sich etwas dazuzuverdienen. Über Anzeigen, Uni-Netzwerke oder durch Herumfragen im Freundeskreis finden Sie sicher einen Studenten für die gesuchten Fächer. Eine andere Möglichkeit für Nachhilfestunden sind pensionierte oder in Teilzeit tätige Lehrer, die vielleicht ihr Wissen weitergeben möchten.

Professionelle Nachhilfeschulen: Sehr verbreitet sind kommerzielle Nachhilfeinstitute, in denen die Schüler von Nachhilfelehrern in den entsprechenden Fächern unterrichtet werden. Die Nachhilfeschulen sind in vielen großen und kleineren Städten präsent und bieten zahlreiche spezialisierte Angebote, z. B. auch Hausaufgabenhilfe oder Vorbereitung auf den Schulabschluss. Anders als beim privaten Unterricht wird hier meist in Gruppen gelernt, so dass die Nachhilfe insgesamt weniger individuell ist.

Online-Nachhilfe: Lern-Plattformen und Online-Nachhilfeprogramme sind auf dem Vormarsch. Zum einen, weil eine zeit- und ortsunabhängige Lernmöglichkeit bestens in den vollgepackten Terminkalender vieler Familien passt. Zum anderen, weil Kinder von heute mit interaktiven Medieninhalten aufwachsen und vielleicht bereitwilliger lernen, wenn ihnen die Nachhilfe-Inhalte auf diese Weise präsentiert werden. Schwierig wird es nur, wenn es Fragen zum Stoff gibt oder wenn es an Motivation zum Lernen mangelt – hier kann eine Online-Nachhilfe wenig tun.

Nachhilfe – darauf sollten Eltern achten

  • Nicht in allen Schulfächern: Nachhilfe ist ideal, um kleine Schwächen in ein oder zwei Schwerpunktfächern aufzuarbeiten. Allgemeine Lernschwierigkeiten oder einen Lernrückstand in allen Fächern kann Nachhilfe jedoch kaum beseitigen.
  • Zeitlich befristet: Nachhilfe sollte keine Dauerlösung sein. Sonst besteht die Gefahr, dass Ihr Kind im Schulunterricht nicht mehr aufpasst und sich stattdessen auf den Einzelunterricht verlässt.
  • Kein Erfolgsversprechen: Wann die Nachhilfe Wirkung zeigt, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Anbieter, die mit bestimmten Erfolgsquoten oder Schulnoten werben, sind mit Vorsicht zu genießen.
  • Kein Leistungsdruck: Setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck, z. B. eine bestimmte Schulnote erreichen zu müssen. Wichtig ist, dass es aktiv daran arbeitet, ein Schulfach zu meistern.
  • Auf Qualität achten: Kommerzielle Nachhilfeinstitute sind nicht unbedingt besser als private Nachhilfe von einem Bekannten oder Studenten. Wichtig ist, dass Ihr Kind dabei unterstützt wird, Zusammenhänge selbständig zu begreifen und zu erarbeiten, damit die Nachhilfe langfristig gesehen überflüssig wird.