Schlüsselkind: Was ist wichtig?

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Schlüsselkind – der Begriff weckt bei vielen Menschen zunächst Beklemmung. Gemeint sind damit Kinder, die sich zu Hause allein versorgen, bevor die Eltern von der Arbeit nach Hause kommen. Mit dem eigenen Haustürschlüssel gelangen sie nach der Schule in die Wohnung, diese aber ist leer. In einigen Familien unvorstellbar, in anderen ganz normaler Alltag. Bei uns lesen Sie, wie Sie Ihr Kind auf den eigenen Schlüssel vorbereiten können und welche Regeln gelten, damit Ihr Kind alleine zu Hause bleiben kann.

Schlüsselkind: So hat sich der Begriff gewandelt

Noch bis vor ein paar Jahren war der Begriff „Schlüsselkind“ eher negativ konnotiert. Das Idealbild einer Familie, in der die Mutter am Nachmittag mit dem fertigen Essen auf das Kind wartet, war fest in den Köpfen verankert. Mussten die Kinder nach der Schule mit dem eigenen Schlüssel nach Hause, wurden Eltern schnell als Rabeneltern bezeichnet und das Kind bedauert. Das Bild von Schlüsselkindern hat sich jedoch in letzter Zeit gewandelt. Die Eigenständigkeit wird immer öfter als Vorteil für die Entwicklung gesehen und die beruflichen Verpflichtungen der Eltern eher akzeptiert.

Wann ist mein Kind bereit für den eigenen Schlüssel?

Eine einheitliche Regel, mit wie viel Jahren Sie Ihr Kind am Nachmittag allein zu Hause lassen können, gibt es nicht. Je nach Entwicklungsstand sollte Ihr Nachwuchs aber nicht jünger als acht Jahre sein. Sie müssen Ihrem Kind vertrauen und zutrauen, dass es sich für ein paar Stunden am Nachmittag alleine beschäftigen kann. Zusätzlich ist auch das Gefühl Ihres Kindes wichtig. Viele Kinder freuen sich auf die Selbstständigkeit, manche haben aber auch Angst. Hier sollten Sie auf jeden Fall den Willen Ihres Kindes berücksichtigen. Abhängig von der Entwicklung Ihres Kindes können Sie auch für die Grundschulzeit noch eine Betreuung für den Nachmittag organisieren und erst in der fünften Klasse anfangen, das Alleinsein mit Ihrem Kind zu trainieren.

Schlüsselkind – So gelingt die Vorbereitung

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Uhr lesen: Um alleine zu Hause sein zu können, ist es wichtig, dass Ihr Kind die Uhr zuverlässig lesen kann, um Absprachen einhalten zu können.

Rollenspiele: Wie reagiere ich am Telefon oder wenn es auf einmal an der Türe klingelt? In kleinen Rollenspielen können Sie mit Ihrem Kind üben, wie es nicht verrät, dass es gerade alleine Zuhause ist.

Essen aufwärmen: Ist Ihr Kind am Nachmittag allein, lohnt sich wahrscheinlich die Anschaffung einer Mikrowelle, damit Ihr Kind sich ohne Umstände sein Essen aufwärmen kann.

Typische Handlungen üben: Tür aufschließen, Essen erwärmen, sich beschäftigen. Lassen Sie Ihr Kind häufiger die typischen Aufgaben übernehmen, damit es diese üben kann.

Herantasten: Schlüsselkind wird man nicht von heute auf morgen. Üben Sie zunächst mit kurzen Zeitabschnitten das Alleinsein und führen Sie Ihr Kind langsam an die neue Situation heran.

Allein daheim: Regeln für Schlüsselkinder

Keine Fremden reinlassen: Dies ist die oberste Regel, die ihr Kind beherrschen sollte. Wenn es alleine Zuhause ist, darf es keine Fremden Menschen in Ihr Zuhsuse lassen. Üben Sie mit Ihm, wie es reagieren kann, wenn ein Unbekannter an der Tür klingelt. Zum Beispiel: "Jetzt ist es schlecht, versuchen Sie es später noch einmal."

Feste Absprachen: Alleinsein verführt schnell mal dazu, gleich nach der Ankunft zu Hause den Fernseher oder Compter einzuschalten. Verabreden Sie mit Ihrem Kind, dass erst Essen und Hausaufgaben anstehen. Außerdem können Sie auch einen Zeitrahmen für den Medienkonsum festlegen, damit dieser nicht ausufert. Dieselben Absprachen sollten auch für Verabredungen mit Freunden gelten, damit Sie immer wissen, wo sich Ihr Kind wann aufhält.

Zuverlässigkeit: Gilt für Kinder und Eltern gleichermaßen. Ihr Kind sollte keine ungeplanten Umwege einlegen und auch Sie sollten zur verinbarten Uhrzeit zu Hause sein. Wenn Sie es mal nicht schaffen: auf jeden Fall Bescheid sagen.

Erreichbarkeit: Gemeinsam mit dem Schlüssel sollten Sie Ihr Kind auch mit einem Handy ausstatten, in dem alle wichtigen Nummern eingespeichert sind, damit Ihr Kind Sie ohne Umstände erriechen kann. Dafür sollten Sie Ihr Handy auch immer dabeihaben, damit Sie sofort merken, wenn Ihr Kind Sie anrufen möchte.

Für Plan B sorgen: Der Schlüssel lässt sich nicht drehen? Ihr Kind fühlt sich nicht wohl? Es gibt ein Problem. Sprechen Sie am besten mit einem lieben Nachbarn ab, das Ihr Kind in solchen Fällen bei ihm klinglen kann. Hier können Sie auch einen Ersatzschlüssel deponieren, mit dem Ihr Nachbar im Notfall in Ihre Wohnung kommt.

Familienzeit einplanen: Richten Sie es am besten so ein, dass Sie etwas Zeit mit Ihrem Kind verbringen können, wenn Sie nach Hause kommen. Es passiert schnell, dass dies beim Essenkochen, Putzen oder Wäschewaschen untergeht. Jedoch sollten Sie Ihrem Kind ausreichend Zeit geben, um von seinem Tag zu erzählen. So können Sie erfahren, wie es Ihrem Kind geht und wie es mit der Selbstständigkeit zurechtkommt.