Mama-Kind und Papa-Kind: Ist das normal?

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 „Nein, Mama soll das machen“ oder „Papa kann das viel besser als du“. So oder so ähnlich geht es bei allen Familien irgendwann zu. Mama-Kinder und Papa-Kinder gibt es überall und auch wenn diese Begriffe meist eher abschätzend verwendet und auf die Erziehung der Eltern – Mama, die Glucke oder Papa, der Verhätschler – bezogen werden, ist die Zuneigung zu einem Elternteil vollkommen normal und verändert sich mit der Zeit. Je nachdem wie alt euer Kind ist und welche Persönlichkeit es entwickelt, ist es eben mal ein Mama-Kind und mal ein Papa-Kind. Warum das so ist und wie ihr damit umgehen könnt, lest ihr bei uns.

Mama oder Papa? Die Entwicklung spielt eine Rolle

Bindung & Vertrauen: In den ersten Lebensmonaten ist es für euer Kind am wichtigsten, dass jemand da ist und sich um seine Bedürfnisse kümmert. Stillen, Aufmerksamkeit schenken, trösten übernimmt meist die Mutter und so entsteht hier das wichtige Urvertrauen, das euer Kind wahrscheinlich zunächst zum Mama-Kind werden lässt.


Interaktion: Mit fünf bis sechs Monaten beginnt euer Kind seine Umgebung mit Händen, Augen und ersten Bewegungen zu erkunden. Jetzt wird auch Papa wahrgenommen. Die Neugier wächst und eine Person, die nicht den ganzen Tag zu Hause ist, muss erkundet werden. Da ist Mama dann – auch wenn sie den ganzen Tag über da war und sich gekümmert hat – abends schnell abgeschrieben.


Psychosexuelle Entwicklung: Mit etwa drei Jahren entdeckt euer Kind sein Geschlecht. Es lernt, dass Mama und Papa unterschiedlich sind und guckt sich bei euch ab, was Frau- bzw. Mannsein

bedeutet. Während Mädchen nun anfangen um die Aufmerksamkeit ihres Vaters zu buhlen, fühlen sich Jungen meist zu ihrer Mutter hingezogen. Der gleichgeschlechtliche Elternteil bleibt jedoch weiterhin Rollenvorbild. Je nach Charakter von Eltern und Kindern oder auch Alter und Familienkonstellation kann die Identifizierung auch andersherum stattfinden.


Situationsabhängig: Auch kleine Kinder haben unterschiedliche Bedürfnisse: Mal soll es wild zugehen und es gibt nichts Besseres als Spielen und Toben. Dann wiederum sind Geborgenheit und liebevolle Worte das, was Ihr Kind gerade braucht. Studien zeigen, dass Väter ihrem Kind mehr zutrauen und wilder toben, während Mütter ihr Augenmerk eher auf die Sicherheit des Kindes legen. Die Kleinen lernen sehr schnell, von welchem Elternteil sie in den jeweiligen Situationen am besten versorgt werden und favorisieren diesen dann automatisch.

Wie erziehe ich ein Mama-Kind oder Papa-Kind?

Die Antwort ist denkbar einfach: Gemeinsam und konsequent. Die Freude darüber, dass du im Fokus stehst, sollte nicht bedeuten, dass du deinem Kind mehr erlaubst oder Regeln des Partners nicht gelten. Auch du würdest verlangen, dass dein Kind hört, obwohl es gerade lieber mit dem anderen spielt und schmust. Absprachen mit deinem Partner sollten gelten und eingehalten werden. Kinder brauchen Routine und Sicherheit. Sobald sie merken, dass dies von beiden Elternteilen garantiert wird, bauen sie auch leichter Beziehungen zu ihnen auf.

Mama-Kind und Papa-Kind: Wie gehe ich damit um?

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© 123RF

Reden:

Wenn nur Mama die Gutenachtgeschichte vorlesen oder nur Papa beim Anziehen helfen darf, ist das manchmal ein Stich ins Eltern-Herz. Verständnis für die Gefühle des Partners sind wichtig, um mit der Situation umgehen zu können.

Beobachten:

Achtet darauf, wie sich euer Kind in unterschiedlichen Situationen verhält und zu welchem Elternnteil es dann Kontakt sucht. Wenn ihr reflektiert, in welcher Entwicklungsphase euer Kind ist, lässt sich vieles leichter erklären. Vielleicht stellt ihr dann auch fest, dass euer Kind gar nicht "immer nur" zu Mama oder Papa will.
 

Nicht abwenden:

Die Handlungen deines Kindes bedeuten nicht, dass es dich nicht liebt. Auch wenn es schwierig ist, solltest du nichts persönlich nehmen oder dich zurückziehen. Die Verurteilung wird dein Kind schnell merken und sich noch mehr an deinen Partner binden.
 

Nicht ausnutzen:

Gebraucht und geliebt zu werden ist die größte Bestätigung für Eltern. Jedoch solltest du es nicht ausnutzen, wenn dein Kind nur bei dir sein möchte. So nimmst du ihm wichtige Impulse für die Entwicklung, die von dem anderen Elternteil kommen. Schließt niemanden aus und genießt euer Familienleben gemeinsam.
 

Aufgaben teilen:

Im Fokus des Kinde zu stehen ist schön, kann aber auch schnell überfordernd werden. Besprecht mit eurem Partner, wie ihr euch gegenseitig Freiräume schaffen könnt und der andere gleichzeitig seine Beziehung verstärken kann. Da heißt es dann manchmal leider auch Weinen oder Schmollen zu ertragen, wenn der andere zum Sport aufbricht oder sich für ein paar Stunden verabredet hat.