Ein Schlaraffenland für Bienen schaffen

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Ohne Bienen und ihre summenden Verwandten könnten wir in keinen knackigen Apfel beißen und keine bunte Gemüsesuppe kochen. Viele Supermarktregale blieben leer. Auch im Garten zuhause wäre es vorbei mit eigenen Erdbeeren und Kirschen vom eigenen Baum. Berichte über den drastischen Rückgang an Bienen, Schmetterlingen, Käfern und anderen Insekten haben viele Menschen aufgeschreckt.

Besonders die Honig- und die Wildbienen haben in Europa den wichtigsten Job bei der Bestäubung übernommen: Vier von fünf Nutzpflanzen sind auf die pelzigen Brummer angewiesen. Und auf ein Drittel unserer Lebensmittel müssten wir verzichten, wenn die Bienen nicht mehr fliegen.

Vom Aussterben bedroht

14 Milliarden Euro ist ihre Arbeit in Europa jedes Jahr wert, haben Naturschützer ausgerechnet. Doch wir machen den Tieren das Leben schwer. Sie finden weder Nistmöglichkeiten noch Nahrung. Etwa die Hälfte der rund 560 Wildbienenarten, zu denen auch die Hummeln zählen, ist vom Aussterben bedroht.

Höchste Zeit also, dass jede Familie mit Garten, Balkon oder Terrasse die Brummer zum Schlemmerbüffet bittet und dem Nachwuchs eine Wohnung einrichtet.

Darauf fliegen die kleinen Brummer

Bienen, Hummeln und Schmetterlinge halten auf Wiesen und Feldern viel zu oft vergeblich Ausschau nach Pollen und Nektar. Laden wir sie doch zu uns nach Hause ein!

Lasst es blühen: Holen Sie sich Stauden, Sträucher und Bäume mit ungefüllten Blüten in den Garten. Hier finden Insekten willkommene Nahrung. Viele Wildbienenarten sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert. Je vielfältiger die Auswahl, desto besser für die Bienen.

Aromatische Kräuter aus eigener Ernte peppen nicht nur das Essen auf. Der Nektar der Blüten mundet auch Bienen und Faltern: Heftig umschwärmt werden die Blüten von Oregano, Lavendel, Thymian, Salbei, Ysop, Bohnenkraut und Borretsch. Die Kräuter fühlen sich im Garten ebenso wohl wie in einem geräumigen Kübel auf der Terrasse oder einem Blumenkasten auf dem Balkon.

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Für Minze-Liebhaber ein Extra-Tipp: Während Bienen nicht genug von den rosa-lila Blüten bekommen können, genießen Gartenbesitzer köstliche Getränke aus den Blättern: Perfekt für Hugo-Fans ist die Krause Minze (Mentha spicata var. Crispa „Marokko“). Kinder mögen gern Tee aus der Apfelminze (Mentha rotundifolia), die wegen des geringeren Menthol-Gehaltes milder schmeckt als andere Minzen.

Eine Augenweide: Verwandeln Sie einen Teil des Rasens oder eine kleine Ecke im Garten in eine artenreiche Wildblumenwiese: Margeriten, Flockenblumen, Kleeblüten, Witwenblumen und andere heimische Pflanzen sind für die fleißigen Flieger das reinste Schlaraffenland und für Zweibeiner eine Augenweide! Saatgutmischungen sind im Handel erhältlich. Gemäht wird erst, wenn die Blumen ausgesamt haben.

Von Krokussen bis Astern: Fortgeschrittene Bienenfreunde achten darauf, den Brummern fast das ganze Jahr hindurch etwas zu bieten: Das Menü beginnt im Frühjahr mit Krokussen und Weidenkätzchen und endet im Herbst mit den letzten Astern. Denn besonders außerhalb des Sommers finden Bienen schwer Nahrung.

Einen Naschgarten mit Beerengewächsen wie Himbeeren oder Johannisbeeren lieben Kinder, Bienen, Hummeln und Schmetterlinge gleichermaßen. Die Insekten wegen der Blüten, die Sprösslinge wegen der Früchte. Auch Obstgehölze wie Apfel-, Kirsch-, Birnbaum oder Zwetschge locken zur Blütezeit die fleißigen kleinen Flieger an. Sie laben sich am Nektar, befruchten beim Herumfliegen „ganz nebenbei“ die Blüten und sorgen so für eine reiche Obsternte.

Familienprojekt: Ein Insektenhotel bauen

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Wer den Wildbienen eine gemütliche Kinderstube einrichten will, kann gemeinsam mit seinen Kindern eine Nisthilfe leicht selbst bauen. Darauf ist zu achten:

  • Wildbienen mögen gebündelte Schilf- oder Bambusröhren, wenn sie waagerecht liegen und hinten nicht offen sind. Die Röhren können auch in Dosen gesteckt werden oder in Lochziegel. Bei diesen sollten sie auf einer Seite mit Lehm, Gips, Watte oder Wachs verschlossen werden.
  • Eine Ausrichtung nach Südost ist ideal, unter einem schattenspendendem Dachvorsprung sind auch Südwest- und Südlagen möglich.
  • Damit die Bienenbabys sich gut entwickeln, wollen sie es schön trocken haben. Wer ihnen in Holzblöcken – am besten aus Buche oder Eiche – eine Kinderstube einrichten will, sollte stets ins Längsholz und nicht ins Stirnholz bohren. Hier bilden sich schnell Risse, in die Nässe und Parasiten eindringen. Als Brutröhren kommen fünf bis zehn Zentimeter lange Löcher mit unterschiedlichen Durchmessern von zwei bis zehn Millimetern gut an.
  • Die Brutröhren und besonders der Eingang sollten glatt sein, damit sich die Tiere beim Einfliegen und Herauskrabbeln nicht verletzen.
  • Der Insektennachwuchs mag es ruhig. Die Nisthilfe sollte nicht schaukeln, sondern so über dem Erdboden befestigt sein, dass sie sich nicht bewegt.
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Wie können Familien den Wildbienen außerdem helfen?

Etwa drei Viertel der Wildbienen gehören zu den Bodenbrütern. Ihnen genügt ein Fleckchen offenen Bodens, um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Auch die Ritzen von Steinhaufen, Trockenmauern oder Holzstapeln nutzen manche Arten als Kinderstube. Sogar in hohlen Pflanzenstängeln überwintern Larven, die im Frühjahr schlüpfen. Gartenstauden sollten deshalb erst nach dem Winter zurückgeschnitten werden.

Dankbar sind die kleinen Brummer in heißen Sommern für eine Tränke. Zum „Auftanken“ reicht ihnen schon eine kleine Schale mit Wasser, das regelmäßig gewechselt wird.

Schon gewusst?

  • Dicker Pelz: Hummeln sind schon ab drei Grad Celsius unterwegs. Honigbienen starten dagegen erst bei 12 Grad. In kalten Frühlingswochen retten deshalb die Hummeln manche Ernte.
  • Kuschelfreunde: Einige Wildbienen kuscheln sich zum Ausruhen in Blütenköpfen zusammen.
  • Wahrer Winzling: Nur so groß wie ein Reiskorn ist mit etwa vier Millimetern die kleinste heimische Wildbiene, die Schmalbiene. Ein Riese ist im Vergleich zur ihr die Blaue Holzbiene. Sie misst etwa 30 Millimeter.
  • Kuckuckskinder: Sogenannten Kuckucksbienen schmuggeln ihre Eier in die Brutzellen anderer Wildbienen, um sie dort aufziehen zu lassen.
  • Gute Gesellschaft: Wildbienen sind friedliche Gesellen. Eine Hummel sticht nur in allergrößter Bedrängnis.