„Heute bin ich …“ - Warum Kinder Rollenspiele lieben

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Wenn Ihr Kind am Esstisch in den Löffel spricht und im Flur brummend den Regenschirm hinter sich herzieht, machen Sie sich keine Sorgen! Ihr Nachwuchs hat die „Als-ob-Spiele“ entdeckt. Da kann der Esslöffel zum Handy werden und der Regenschirm zum Staubsauger. Etwa ab dem dritten Lebensjahr zeigen sich die Kleinen hierbei kreativ. Sie beobachten die Menschen um sich herum und spielen Handlungen nach. Dabei zweckentfremden sie alles Mögliche und geben den Dingen - je nachdem was sie gerade brauchen – spezielle Bedeutungen. Der Löffel, der eben noch als Handy diente, kann eine halbe Stunde später zum Pflug werden, mit dem der Bauer das Getreidefeld umackert. Sie ahnen es: Der Ausflug aufs Land ein paar Tage vorher wirkt nach.

Aus den „Als-ob-Spielen“ entwickeln sich nach und nach die Rollenspiele: Die Kinder fahren als Mama oder Papa ihre Puppe spazieren oder legen den Teddy schlafen.  Während die ganz Kleinen solche Szenen eher allein spielen, entwickeln sich Rollenspiele im Kindergartenalter zu immer komplexeren Darstellungen mit mehreren Beteiligten.

Ein Klassiker ist das „Vater, Mutter, Kind“-Spiel, bei dem das Familienleben nachgeahmt wird. Auch wenn die Kinder einen mächtigen LKW steuern, als Pilot ein schnelles Flugzeug durch die Luft bewegen, als Tierarzt kranke Hunde heilen oder wenn sie im Kaufladen Äpfel und Birnen verkaufen, tauchen sie phantasievoll ein in die unterschiedlichsten Situationen und Rollen. „Wie wäre es, wenn …?“ – Dieses Thema spielen Kinder in immer neuen Varianten durch.

Warum sind Rollenspiele für die Entwicklung des Kindes so wichtig?

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  •  Im Rollenspiel können Kinder Handlungsvarianten testen, um Probleme zu lösen und Ereignisse zu verstehen. Kinder verarbeiten in Rollenspielen ihre Ängste und ihre Erlebnisse.
  • Im Spiel ist alles möglich! Kinder verwandeln sich gern in Supermänner und Superfrauen. Es tut gut, einmal nicht der Kleine, Schwache, Unwissende zu sein. Das gibt Kraft und Mut für das echte Leben.
  • Kinder lernen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und die Welt mit anderen Augen zu sehen.
  • Im Rollenspiel mit anderen Kindern stärken die Sprösslinge ihre Fähigkeiten zu Kommunikation und Interaktion. Denn sie müssen sich gut ausdrücken, auf die anderen eingehen, Konflikte lösen und auch Kompromisse finden.
  • In Zusammenhang mit ihrer Rolle lernen Kinder den Umgang mit Regeln kennen. Sie verstehen im Spiel deren Sinn und halten sie selbst dann ein, wenn sie diese im Alltag nicht befolgen würden.
  • Ein Rollenspiel bietet dem Kind eine Plattform, um seine inneren Konflikte auszuleben. Dabei kann es auch das verarbeiten, was als unerwünschtes Verhalten gilt.
  • Im Rollenspiel können Erfahrungen und Gefühle verarbeitet werden: So probieren die Kinder aus, wie der Arztbesuch ablaufen wird oder sie spielen den rettenden Feuerwehrmann, nachdem sie einen Brand beobachtet haben.

Kurzum: In Rollenspielen entwickeln Kinder wertvolle soziale, emotionale, kreative und sprachliche Kompetenzen.

Warum phantasievolle Rollenspiele auch schlau machen

Bei Rollenspielen versuchen sich Kinder nicht nur in verschiedenen Rollen. Wenn sie sich fiktive Situationen überlegen und die Handlungen anderer abschätzen, trainieren sie auch ihre Fähigkeit zur Simulation. Und damit die wichtige Fähigkeit zur Abstraktion – eine entscheidende Voraussetzung für intellektuelle Leistungen.

Was Kinder für ihre Rollenspiele brauchen

Jedes Spielzeug kann beim Rollenspiel mitspielen – ebenso wie alles Mögliche aus dem Haushalt. Die unendliche Vielfalt macht diese Art von Spielen für lange Zeit so spannend für Kinder. Die wichtigste „Zutat“ bringen sie schon mit: ihre Kreativität und ihre Lust am Spielen.

In ihrer Entwicklung finden Kinder ganz von allein in die Welt der Rollenspiele. Eltern dürfen – wenn die Kleinen darum bitten - gern mitspielen und im Kaufladen einkaufen gehen, im Puppentheater den Kasper spielen oder den bösen Angreifer der Ritterburg mimen.

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Für viele Spielideen sorgt auch immer eine Verkleidungskiste, die Mama und Papa mit passender abgelegter Kleidung, Tüchern, Schmuck, Hüten und ähnlichen Requisiten füllen.