– Matti Eisbär –
Einfühlungsvermögen eröffnet Welten

– Matti Eisbär – Einfühlungsvermögen eröffnet Welten

Ich bins wieder,
dein Matti!

Geht dir das auch so? Du siehst ein Kind, das lacht – und du kannst gar nicht anders, du musst mitlachen! Oder ein anderes Kind, das hingefallen ist, weint und du fühlst regelrecht, wie ihm das Knie wehtut? Wenn es dir auch so geht wie mir, bist du wie ich: mitfühlend.

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Gefühle können irgendwie „ansteckend“ sein: Wenn sich jemand freut, traurig oder wütend ist, dann können wir das gut mitfühlen. Klar, jeder von uns war schon mal so richtig glücklich, traurig oder wütend. Das kennen wir selber gut und wissen, wie was man dabei spürt. Und so wissen wir, was das andere Kind gerade fühlt. Durch sein Lachen, durch sein Weinen oder Toben zeigt es ja auch deutlich, wie es ihm geht.

Schwierig wird es, finde ich, wenn sich der andere „komisch“ verhält und ich nicht verstehe warum. Du weißt ja, dass Piku meine Freundin ist. Ich lache so gern mit ihr, und wenn sie traurig ist, tröste ich sie. Aber neulich saß sie am Frühstückstisch und hat nur schlecht gelaunt rumgebrummelt. Das fand ich ganz komisch. Sie ist doch sonst immer schon morgens fröhlich. Kein „guten Morgen“? Die Brötchen hat sie mir auch nicht gegeben, als ich danach gefragt hab. Da könnte ich ganz schön beleidigt sein. Ich könnte sogar denken: Piku mag mich nicht mehr, Piku ist ja doof, jetzt will ich nie wieder mit ihr spielen! Und dann würden wir uns streiten. Puh, nee! Das will ich gar nicht. Ich überlege lieber: Was ist denn mit Piku los? Vielleicht hat sie schlecht geschlafen. Was Blödes geträumt. Vielleicht hat sie sich die Zunge am heißen Kakao verbrannt, das tut ganz schön weh. Merkt ihr was? Ich versuche zu verstehen, warum Piku so anders ist. Ich spüre sogar, dass es ihr schlecht geht. Und als ihr Freund frage ich sie, was los ist. Sie hatte Heimweh! Vor lauter an Zuhause-Denken hatte sie mich nicht mal gehört! Das konnte ich gut verstehen, und da haben wir zusammen bei ihrer Mama angerufen. Das war schön. Nun stell dir doch mal vor, wir hätten uns stattdessen gestritten!

Es hilft, wenn man versucht, den anderen zu verstehen. Sich in ihn hineinzuversetzen, in ihn „hineinzufühlen“. Frage dich: Wie geht es dem anderen und warum geht es ihm so? Dann wirst du dir auch überlegen können: Aha, deswegen verhält er sich so – und wie verhalte ich mich am besten? Und plötzlich ist es, als würdest du eine Tür aufstoßen: Ein Tür zum anderen, in seine Welt! Zum Glück müssen wir meistens gar nicht lang und breit nachdenken, sondern handeln aus dem Bauch heraus richtig. Aber weil wir alle auch unsere eigenen Gefühle haben, kann manchmal was schieflaufen. Bevor es dazu kommt, zähle lieber bis Zehn, hol tief Luft und denke kurz nach. Und frag, wenn du was nicht verstehst. Das ist sowieso immer gut. Dann redet man miteinander – und meistens dauert es nicht lange und alle können wieder lachen. Das mag ich am liebsten. Du nicht auch?

Dein Matti

Empathie macht
ein gutes Miteinander möglich!

Empathie oder „Einfühlungsvermögen“ ist tatsächlich ein bisschen mehr als Mitgefühl: Es ist die Fähigkeit, Gefühle, Gedanken, Beweggründe und Charaktereigenschaften einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuvollziehen. Also eine Fähigkeit, die Lebenserfahrung braucht. Dein Kind hat die noch nicht, es lernt ja noch so viel! Doch je eher dein Kind bei dir sieht, was es bedeutet, sich in andere Menschen einfühlen zu können, desto besser wird es ihm später gelingen. Und je besser dein Kind seine eigenen Gefühle kennt, desto besser erkennt es sie auch bei anderen. Gefühle und Sprache gehören dabei eng zusammen: Nicht zu wissen und nicht ausdrücken zu können, was man fühlt, frustriert und macht wütend. Wenn ihr oft über eure Gefühle sprecht, lernt dein Kind auszudrücken, was es bewegt. Damit hilfst du ihm, selbstbewusst durchs Leben zu gehen.

Baby

Vor dem Einfühlungsvermögen kommt die Selbstwahrnehmung. Dein Baby unterscheidet erst ab etwa 18 Monaten zwischen sich „selbst“ und anderen – wenn es beginnt, sich auf Fotos oder im Spiegel zu erkennen. Aber schon früh beginnt dein Baby, dein Verhalten zu spiegeln: Es lächelt dich an, wenn du es anlächelst. Es merkt, wenn du traurig bist und weint mit, wenn andere Kinder weinen. Das ist noch kein Einfühlen, aber dein Baby lernt bereits jetzt eine ganze Palette an Gefühlen. Und es lernt, wie andere darauf reagieren: Ein wichtiger Schritt zum mitfühlenden Handeln.

  
  

Kleinkind

Durch dein Vorbild, dein Lob und seine ersten eigenen Erfahrungen lernt dein Kind soziales Verhalten: Es kann noch nicht empathisch handeln, denn dafür muss man schon ganz schön „um die Ecke“ denken können. Es kann also noch nicht nachvollziehen, was das andere Kind bräuchte, das gerade weint. Aber es kennt die Situation: Es hat selbst schon geweint – und weiß genau, was ihm dann gutgetan hat, nämlich das, womit du ihm geholfen hast. Pusten und Streicheln? Es imitiert dich und wird beim anderen Kind pusten und es streicheln. Dein Kind schließt von sich auf das andere Kind. Es zeigt Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. In Rollenspielen, mit Kuscheltieren, Kasperpuppen und beim Vorlesen liebevoller Bilderbücher könnt ihr Gefühle „durchspielen“ und miteinander darüber sprechen. Verkleiden und Schminken machen nicht nur Spaß, dabei schlüpft dein Kind in andere Rollen!

  
  

Kinder

Mit deinem großen Kind kannst du auch schon über große Gefühle sprechen, … wenn es sich ergibt. Denn „Vorträge“ bringen leider meist wenig. Doch Konsequenzen seines positiven oder auch negativen Verhaltens kannst du mit deinem Kind besprechen und es anregen darüber nachzudenken, wie sich die anderen dabei vermutlich gefühlt haben. Es hat inzwischen selbst Erfahrungen gesammelt, die ihm bei solchen nicht einfachen Gedankengängen helfen werden. Gespräche über Gefühle bereichern dein Kind, denn es lernt, sich seiner eigenen Gefühle bewusst zu werden. Romane, auch als Hörbuch, helfen deinem Kind, Gefühlswelten anderer (fiktiver) Menschen kennenzulernen – und erweitern „nebenbei“ seinen Wortschatz.