Denken, Wollen und Fühlen:

Die Waldorf Schule

Waldorfschule_123_650.jpg
© 123RF

Fast jeder hat schon einmal etwas darüber gehört, doch kaum einer weiß, was wirklich dahinter steckt: Um Waldorf Schulen ranken sich zahlreiche Mythen und Vorurteile. Das Waldorf-Konzept versteht den Menschen als spirituelles Ganzes – doch was bedeutet das eigentlich? Wie sieht der Schulalltag an einer Waldorf Schule aus? Was sich wirklich hinter dem anthroposophischen Schulkonzept von Rudolf Steiner verbirgt, haben wir für euch zusammengetragen.

Steiner-Schulen: Woher kommt das Konzept Waldorf Schule?

Am Anfang steht die Anthroposophie:
Der Esoteriker Rudolf Steiner begründete Anfang des 20. Jahrhundert seine anthroposophische Lehre, der eine umfassende, spirituelle Betrachtung des Menschen zugrunde liegt. Schon vor der Gründung der Waldorf-Schule setzte sich Steiner, der auch als Publizist tätig war, mit grundlegenden Fragen der Erziehung und Ausbildung auseinander.
 

Betriebsschule mit Reformkonzept:
1919 beauftragte Emil Molt, Inhaber der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik, Rudolf Steiner mit der Gründung einer Betriebsschule für die Kinder seiner Angestellten. Steiner sah dies als Chance, ein Schulkonzept im Einklang mit seiner

Menschenlehre zu entwickeln. Die Waldorf-Astoria-Schule war seine erste pädagogische Einrichtung und wurde namengebend für alle späteren Schulen nach dem Steiner-Konzept.
 

Waldorf Schule und Steiner-Schule:
Heute werden Schulen und andere Einrichtungen, die nach Steiners pädagogischem Ansatz arbeiten, sowohl unter dem Namen Waldorf Schule als auch unter der Bezeichnung Rudolf-Steiner-Schule geführt. Neben mehr als 200 Waldorf-Schulen bundesweit gibt es auch Waldorf-Kindergärten sowie weitere Betreuungseinrichtungen, die nach Rudolf Steiners Lehre ausgerichtet sind.

Der Mensch als spirituelles Ganzes:

Das Grundverständnis der Waldorf-Pädagogik

Im Mittelpunkt von Steiners Anthroposophie steht die Ganzheitlichkeit und die Spiritualität des Menschen. Daraus ergibt sich das Grundprinzip der Waldorf-Pädagogik, die drei grundlegenden Entwicklungsbereiche des Menschen gleichberechtigt zu fördern:

  • Das Denken mit intellektuell-kognitiven Aufgabenstellungen
  • Das Fühlen mit künstlerisch-kreativen Aufgabenstellungen
  • Das Wollen mit handwerklich-praktischen Aufgabenstellungen

Anders als in Regelschulen steht daher an der Waldorfschule nicht der Erwerb von intellektuellem Wissen im Vordergrund. Künstlerische Arbeiten und Bewegungsübungen haben den gleichen Stellenwert wie die Regelschulfächer Deutsch, Mathematik oder Biologie.

Ist die Waldorfschule etwas für mich und mein Kind?

Wenn ihr auf der Suche nach einer geeigneten Schule seid, die zu euch und vor allem zu eurem Kind passt, gehört auch die Waldorf Schule zu den Schulformen, die ihr euch genauer anschauen könnt. Vereinbart einen Termin zur Besichtigung oder geht zum Tag der offenen Tür, um Räumlichkeiten und Lehrkräfte kennenzulernen. Denn wie an allen Schulen gilt auch an Waldorf Schulen: Die Sympathie muss stimmen. Zudem solltet auch ihr als Eltern voll und ganz hinter dem Konzept stehen. Das wichtigste Kriterium ist jedoch die Persönlichkeit eures Kindes. So eignet sich das offene Konzept der Waldorf Schule nicht für jedes Kind. Besonders Schüler, denen es schwerfällt, ohne Druck und völlig freiwillig zu lernen, könnten unter Umständen Probleme bekommen.