Kindererziehung

Wie kriegen wir das richtig hin?

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Kindererziehung ist eine Herausforderung in jedem Alter – und manchmal sind wir kurz vor dem Verzweifeln. Schließlich geht es nicht nur um die Regeln des Zusammenlebens zuhause, sondern darum, Ihrem Kind das richtige Rüstzeug für sein ganzes Leben mit auf den Weg zu geben. Wenn wieder einmal alles drunter und drüber läuft, machen Sie sich bewusst: Erziehung bedeutet auch und vor allem, Ihr Kind in seiner Persönlichkeit zu stärken und ihm bestimmte Werte zu vermitteln, die ihm als Orientierung dienen. Das ist viel verlangt – aber zu wissen, dass Ihr Kind Grundsätze wie Ehrlichkeit, Höflichkeit und Aufmerksamkeit anderen Menschen gegenüber verstanden hat, macht es etwas leichter, Kinderzimmerchaos, Wutanfälle oder Hausaufgabenfrust im Alltag zu akzeptieren.

Den Grundstein legen – Ziele der Kindererziehung

Sicherheit: Ein sicheres Gefüge mit verständlichen Regeln vermittelt Kindern die Sicherheit, die sie benötigen, um auch später im Leben selbstbewusste Entscheidungen zu treffen.

Persönlichkeit: Die richtige Erziehung sollte die Persönlichkeit eines Kindes unterstützen – so fällt es ihm leichter, seinen Platz in der Welt zu finden.

Empathie: Die Fähigkeit, sich in andere einzufühlen, ist eine Grundvoraussetzung für stabile Beziehungen und wird auch im beruflichen Bereich immer wichtiger, da sie entscheidend für die Teamfähigkeit Ihres Kindes ist.

Benehmen: Auch, wenn die Zeiten starrer Benimmregeln vorbei sind, ist „gutes Benehmen“ in der Kommunikation oder bei Tisch der gesellschaftliche Kitt, mit dem Ihr Kind sich in einer fremden Umgebung zurechtfindet.

Gibt es ein Rezept für eine glückliche Kindheit?

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 Alle Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder glücklich und unbeschwert aufwachsen können. Und fast alle zweifeln hin und wieder, ob sie dabei alles richtig machen. Neben den familiären Situation und den allgemeinen Lebensumständen spielt auch der Erziehungsstil eine entscheidende Rolle dafür, wie sich Kinder in ihrer Welt zurechtfinden. Dennoch: Eine Anleitung für eine glückliche Kindheit gibt es nicht. Dazu sind das Naturell jedes Kindes und seine individuelle Lebenssituation zu verschieden.

Fest steht: Das Gefühl von Sicherheit, ein vertrautes, liebevolles Umfeld, das richtige Maß an Aufmerksamkeit und Zuwendung sowie ausgeglichene soziale Kontakte sind als Glücksfaktoren bedeutender als ein großes Kinderzimmer, das heißbegehrte Spielzeug oder tolle Unternehmungen. Wir wissen längst, dass Kinder nicht unbedingt glücklicher sind, wenn sie alles bekommen, was sie sich wünschen.
In vielen Familien arbeiten heute beide Elternteile und viele Eltern möchten die knapp bemessene Zeit mit ihrem Kind nicht durch Schimpfen oder Meckern „verderben“. Diese Sorge ist verständlich, aber meist ein Fehlschluss. Ihr Kind muss vor allem wissen, woran es bei Ihnen ist – eindeutige Regeln bieten ihm dabei eine gute Orientierung und sind eine stabile Grundlage für ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.

Motivation oder Leistungsdruck – wo verläuft die Grenze?

Wir kennen die Welt, die uns umgibt, den schwierigen Arbeitsmarkt, die komplexen sozialen Gefüge – und wir wissen, dass auch unsere Kinder irgendwann mit all dem zurechtkommen müssen. Dieser Gedanke macht vielen Eltern Angst. Und so ist es nur ein kleiner Schritt von positiver Unterstützung zum Leistungsdruck. Wann ist es zu viel des Guten? Wir haben ein paar Tipps, wie Sie Ihr Kind fördern, ohne es zu überfordern:

  1. Nicht zu viel verlangen: Kinder lernen spielerisch. Das Ausloten der eigenen Fähigkeiten ist wichtiger als schnelle Lernerfolge: Es bildet die Grundlage für das Selbstbewusstsein.
  2. Auf die Interessen Ihres Kindes eingehen: Wenn es sich für Schlagzeug und Percussion-Instrumente begeistert, wird das Erlernen eines "prestigeträchtigen" Instruments wie Geige oder Klavier möglicherweise mit viel Frustt verbunden sein.
  3. Nicht mit den Leistungen anderer vergleichen: Ob es der Babyschwimmkurs ist, die Kinderturngruppe, die Klassenkameraden oder auch die Geschwister: Bewerten Sie Ihr Kind nicht anhand der Leistungen anderer, sondern behalten Sie seine persönlichen Erfolge im Blick.
  4. Rückschläge nicht verurteilen: Es heißt nicht umsonst, dass Niederlagen den Charakter stärken. Anstatt Misserfolge zu tadeln, sollten Sie nachhaken, warum es nicht geklappt hat - und es ggf. akzeptieren, dass das gewählte Hobby, der neue Spielkamerad oder das Schulfach Ihrem Kind einfach nicht so gut liegt.
  5. Zeit zum Nichtstun: Mit einem Nachmittagsprogramm an fünf Tagen pro Woche bereiten Sie Ihr Kind perfekt auf den Arbeitsalltag vor - und nehmen ihm die Möglichkeit, einfach mal zu spielen oder für sich zu sein. Auch, wenn Ihr Kind viele Interessen hat, sollten Sie ihm ausreichend freie Zeit lassen.

Tränen, Wutausbrüche und freche Sprüche - Wie reagiere ich richtig auf die Launen meines Kindes?

Die Trotzphase im Alter zwischen zwei und drei Jahren ist berüchtigt – und fast alle Eltern haben hin und wieder den Eindruck, dass sich die Trotzphase eigentlich von etwa sechs Monaten bis ins Grundschulalter hinzieht. Wie geht man am besten mit unvermittelten Wutausbrüchen oder bockigen Kindern um?

Ruhe bewahren: Das ist leichter gesagt als getan – aber Ruhe bewahren hilft Ihnen, die Kontrolle über die Situation zu behalten. So können Sie Ihrem Kind helfen, „die Kurve zu kriegen“.

Verständlich reagieren: In den allermeisten Gründen steigert sich Ihr Kind nicht in einen Wutanfall hinein, um Sie zu ärgern. Reagieren Sie daher in der jeweiligen Situation so, dass Ihr Kind Ihre Reaktion und als logische Konsequenz seines Handelns begreift. Das verhindert keine neuen Wutausbrüche oder Schimpftiraden – aber es bietet Sicherheit für Ihr Kind.

Gründe finden: Ist es wirklich Wut oder Frust über eine Situation oder macht Ihrem Kind etwas anderes zu schaffen? Manchmal bocken Kinder auch, weil sie mehr Aufmerksamkeit möchten oder einfach um die Grenzen auszuloten – wenn Sie den Grund erkennen, können Sie besser reagieren.

Auf das Bauchgefühl hören: Jeder Bock ist anders. Feste Erziehungsgrundsätze sind in Ordnung, aber versuchen Sie, die jeweilige Situation zu verstehen und zu berücksichtigen. Mit dem Bauchgefühl liegen Eltern meist ziemlich richtig.

Gewusst wie: verschiedene Erziehungsstile und -ansätze

Viele Schulen und Kindergärten sind nach bestimmten pädagogischen Konzepten ausgerichtet, zum Beispiel nach der Montessori- oder der Reggio-Pädagogik. Aber auch innerhalb der Familien gibt es meist einen bestimmten Erziehungsstil, geprägt vom jeweiligen Zeitgeist und von der eigenen Erziehung der Eltern. Hier sind einige der häufigsten Erziehungsansätze:

Demokratische Erziehung: Die demokratische Erziehung sieht die Familie als Gruppe, in der Eltern und Kinder Entscheidungen gemeinsam treffen. Eltern und Kinder sind dabei nicht gleichgestellt, aber die Eltern gehen intensiv auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder ein. Die Kommunikation steht im Mittelpunkt dieser Erziehungsform - dazu gehört auch, dass Eltern ihre Entscheidungen erklären und mit den Kindern diskutieren. Die demokratische Erziehung ermöglicht Kindern, ihre Persönlichkeit zu entfalten, setzt bei den Eltern aber ein hohes Maß an Kommunikationsbereitschaft und Geduld voraus. 

Autoritäre Erziehung: Die autoritäre Erziehung gilt bei uns als veraltet. Die Kinder sind den Eltern untergeordnet und müssen meist hohe Erwartungen erfüllen. Die autoritäre Erziehung baut auf ein System aus Belohnung und Bestrafung auf, das zwar ein festes, vermeintlich sicheres Gefüge im Leben der Kinder bildet, aber ihnen möglicherweiseauch die Möglichkeit zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit nimmt. Die emotionalen Bedürfnisse kommen bei diesem Erziehungsstil meist zu kurz, daher können Kinder, die stark autoritär erzogen werden, zu Aggressivität neigen.

Egalitäre Erziehung: Die egalitäre Erziehung stellt Eltern und Kinder miteinader gleich. Alle Familienmitglieder dürfen gleichberechtigt mitbestimmen, haben aber auch die gleichen Pflichten. Mit der egalitären Erziehung lernen Kinder früh, ihre Wünche zu äußern und diese mit den Eltern zu diskutieren und entwickeln ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Im Alltag führt der egalitäre Erziehungsstil allerdings schnell zu Konflikten - etwa, wenn das Kind entscheidet, dass es nicht in den Kindergarten will.

Laissez-faire-Erziehung: Die Laissez-faire-Erziehung ist eine gesteigerte Form der antiautoritären Erziehung, die seinerzeit als revolutionäres Erziehungskonzept galt. Bei der Laissez-faire-Erziehung verhalten sich die Eltern größtenteils passiv: es gibt keine Regeln oder Grenzen, aber auch kein Lob oder Anteilnahme. Die Idee ist, wie beim antiautoritärem Stil, dass Kinder sich und die Persönlichkeit aus sich selbst heraus entwickeln. Ganz ohne Führung fühlen sich diese Kinder allerdings schnell alleingelassen und haben zudem enorme Schwierigkeiten, sich in die allgemeingültigen Gesellschaftsregeln zu fügen.

Permissive-Erziehung: Auch die permissive Erzeihung geht auf die antiautoritäre Erziehung zurück. Eventuelle Regeln und Grenzen handhaben die Eltern sehr nachgiebig. Permissiv erzogene Kinder können ihren impulsiven Wünschen ungehindert nachgehen, erfahren aber auf der anderen Seite nur dann Unterstützung von den Eltern, wenn sie diese aktiv einfordern. Anders als bei der Laissez-faire-Erziehung ist die Beziehung zu den Eltern emotional meist sehr eng, aber durch die fehlende Struktur im Alltag tun sich viele Kinder schwer im Umgang mit anderen.

Bestrafen – Ja oder nein?

Erziehung ist immer auch vom Zeitgeist geprägt. Waren vor 60 Jahren Autorität und körperliche Züchtigung an der Tagesordnung, verschob sich das Erziehungsideal in den 1970er- und 1980er Jahren zu Selbstverwirklichung und Eigenständigkeit. Heute stehen die optimale Förderung des Kindes und seiner Persönlichkeit im Fokus. Strenge Bestrafung sind ebenso passé wie grenzenlose Freiheiten – dennoch muss Ihr Kind lernen, dass sein Handeln Folgen hat. Ein paar Tipps, wie Sie das hinbekommen:

Klare Regeln aufstellen: Wenn Ihr Kind weiß, was richtig und falsch ist, kann es mit den Konsequenzen besser umgehen.

Konsequent sein: Regeln sollten grundsätzlich gelten und nicht nach Laune und Situation angepasst werden.

Miteinander sprechen: Erklären Sie Ihrem Kind, warum es bestraft wird.

Ohne Emotion strafen: Strafen Sie Ihr Kind nicht, um ihm eins auszuwischen – und machen Sie sich bewusst, dass auch Sie die Strafe „aushalten“ müssen.

Niemals körperlich strafen: Und wenn Sie noch so aufgebracht sind – nehmen Sie sich lieber eine kurze Auszeit und atmen Sie tief durch.