Endlich windelfrei

Wie kann ich mein Kind beim Sauberwerden unterstützen?

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Tschüss, Wickeltisch! Weg mit dem Windeleimer! Das Trockenwerden ist ein Meilenstein im Kleinkindalter, den viele Eltern herbeisehnen – und den nicht wenige mit großem Ehrgeiz zu fördern versuchen. Verständlich: Zum einen freuen sich viele nach den ersten intensiven Jahren über die wachsende Selbstständigkeit ihres Kindes. Zum anderen mehren sich etwa ab dem zweiten Geburtstag die Nachfragen: „Dein Kind ist noch nicht trocken?“ Am besten gehen Sie das Thema mit einer großen Portion Gelassenheit und Ruhe an. Machen Sie sich bewusst, dass sich das Sauberwerden Ihres Kindes nicht erzwingen lässt. Geben Sie nicht allzu viel auf Geschichten von früher, als wirklich alle Kinder mit spätestens zwei Jahren windelfrei waren. Und vor allem: Achten Sie auf die Signale Ihres Kindes und lassen Sie ihm Zeit bei seiner individuellen körperlichen Entwicklung. So bleiben Sie entspannt und der Toilettengang von Anfang an das, was er eben ist: Nicht unwichtig – aber insgesamt gesehen eine Nebensache.

 


Jedes Kind hat sein eigenes Tempo

Damit Kinder zuverlässig trocken werden können, müssen zuerst die körperlichen und geistigen Voraussetzungen geschaffen sein.

Die Nervenbahnen zwischen Blase und Gehirn müssen soweit ausgereift sein, dass ihr Kind die volle Blase überhaupt wahrnehmen kann. Diese Entwicklung beginnt etwa mit eineinhalb Jahren – wann sie abgeschlossen ist, ist individuell sehr unterschiedlich.

Ihr Kind sollte nicht nur auf dem Töpfchen sitzen können, sondern auch fühlen und kommunizieren können, dass es muss. Dazu muss es die kognitive Verbindung zwischen Harndrang und Wasserlassen hergestellt haben.

Im Grunde ist es wie bei allen Entwicklungsschritten. Auch Sitzen oder Laufen lernt Ihr Kind nicht zum gewünschten Zeitpunkt, sondern dann, wenn sich sein Skelett und seine Muskelkontrolle ausreichend entwickelt haben. Die Entwicklung der Blase und ihrer Nervenverbindungen ist leider nicht sichtbar – umso wichtiger ist es, dass Sie Ihrem Kind die Zeit geben, die es braucht. Früher oder später wird es von ganz allein bereit sein, es mit dem Töpfchen zu probieren.

Woran erkenne ich, dass mein Kind es mit dem Töpfchen versuchen sollte?

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"Pipiii!“: Auch, wenn Ihr Kind erst im Nachhinein meldet, dass es in die Windel gemacht hat, ist das schon ein guter Schritt nach vorn – es nimmt seine Ausscheidungen bewusst wahr und erkennt den Zusammenhang zwischen dem Entleeren von Blase und Darm und der vollen Windel.

Interesse am Töpfchen: Kinder reagieren sehr unterschiedlich beim ersten Kontakt mit Töpfchen und Toilette. Wenn ein grundsätzliches Interesse da ist und Ihr Kind die Funktion des Töpfchens begriffen hat, kann es mit der Sauberkeitserziehung losgehen.

Windelfrust: Wenn Kinder ihre Windel als störend empfinden, kann das ein Zeichen sein, dass sie sauber werden möchten. Schluss mit störenden Paketen am Po – windelfrei bietet viel mehr Bewegungsfreiheit.

Sauberkeitserziehung ohne Frust – Unsere Tipps

Keine festgesteckten Ziele: Der dritte Geburtstag oder der Start im Kindergarten sollten keine Richtlinien für das Sauberwerden sein. Erlauben Sie Ihrem Kind sein eigenes Tempo.

Nicht vergleichen: Gleichaltrige Kinder beginnen zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten, windelfrei zu werden. Einige fangen mit 18 Monaten an, andere haben mit 28 Monaten oder später noch kein Interesse. Auch bei Gechwistern verläuft diese Entwicklung nicht unbedingt gleich.

Nichts erzwingen: Lassen Sie Ihr Kind nicht zu oft und keinesfalls zu lange auf dem Töpfchen sitzen, wenn es nicht muss. Das sorgt nur für Stress  - und darauf reagieren Blase und Darm sehr empfindlich.

Dabei sein: Das Wickeln ist immer auch ein Moment der Nähe zwischen Eltern und Kind. Einige Kinder vermissen das, wenn sie allein auf dem Töpfchen sitzen. Bleiben Sie daher anfangs dabei und ermutigen Sie Ihr Kind - das erleichtert die Umstellung.

Malheure akzeptieren: Zweimal nachgefragt und dann ist doch die Hose nass: Kinder können nicht sofort zuverlässig sagen, wann sie das nächste Mal müssen. Auch wenn es manchmal wie Absicht wirkt - schimpfen Sie nicht, wenn mal wieder etwas daneben geht.

Trocken durch die Nacht

Meist sind Kinder tagsüber früher trocken als nachts. Es gibt keine feste Regel, ab wann Ihr Kind nachts ohne Windel klarkommen sollte. Vor dem Schlafengehen sollten Sie es regelmäßig noch einmal auf die Toilette bringen. Wenn die Windel etwa zehn Nächte hintereinander trocken bleibt, ist das ein guter Zeitpunkt, die Windel nachts wegzulassen. Eine waschbare Matratzenauflage schützt das Bett und lässt sich im nächtlichen Ernstfall schnell wechseln – am besten sollten Sie eine als Ersatz haben.

Immer noch nicht trocken?

Die Zeitspanne zwischen dem ersten Kontakt mit dem Töpfchen und dem endgültigen, zuverlässigen Trockenwerden am Tag und in der Nacht kann sehr lang sein. Viele Eltern sind verunsichert, wenn das Trockenwerden nicht ganz reibungslos funktioniert. In der Regel lösen sich Anfangsprobleme mit etwas Geduld aber von allein.

Trockene Nächte: Viele Kinder, die tagsüber schon länger trocken sind, brauchen nachts noch eine Windel. Das kann verschiedene Gründe haben und ist kein Grund zur Sorge. Erst wenn Ihr Kind etwa mit dem Einschulungsalter noch nicht windelfrei durch die Nächte kommt, sollte der Kinderarzt mögliche körperliche Ursachen abklären.

Psychische Ursachen: Wenn Kinder auch mit fünf Jahren oder später anhaltende Probleme mit dem Trockenwerden haben, dann kann das ein Anzeichen von psychischer Belastung sein. Hier gilt es, die Ursache für Stress oder Angst ganz behutsam zu erforschen und Maßnahmen zu ergreifen – ggf. auch mit fremder Hilfe.

Mit Windel im Kindergarten: Viele Eltern setzen sich das Ziel, dass Ihr Kind sauber sein soll, wenn es in den Kindergarten kommt. Völlig unnötig – professionelle Erzieher wissen um die Entwicklungsunterschiede von Kindern und berücksichtigen diese auch im lebhaften Kita-Alltag. Hinzu kommt, dass jeder Dreijährige einen rechtlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz hat, ob er nun trocken ist oder nicht.

Ab ins Trockene:

To-dos für die Sauberkeitserziehung

  • Aufmerksam sein: Auf die Signale Ihres Kindes achten – und es akzeptieren, wenn es vielleicht noch nicht so weit ist
  • Töpfchen nur im Bad benutzen – so gewöhnt sich Ihr Kind schneller an die Toilette
  • Das Drumherum üben: Hose öffnen, Po abwischen, Hände waschen und Licht an- bzw. ausschalten
  • Konsequent sein: „Ab und zu“ noch eine Windel zu verwenden, verlängert meist das Trockenwerden. Ausnahme: Durchfall
  • Druck vermeiden: Setzen Sie sich und Ihrem Kind keine Fristen für das Trockenwerden
  • Zuschauen lassen: Kinder lernen von ihren Eltern und Geschwistern – auch beim Toilettengang
  • Richtigen Weg finden: Töpfchen, Kinder-Klobrille oder Toilettenstuhl – finden Sie heraus, was für Ihr Kind am besten funktioniert