Geteiltes Glück: Tipps für einen starken Familienzusammenhalt

Familienzusammenhalt_650_123.jpg
© 123RF

„Das Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.“ – das berühmte Zitat von Albert Schweitzer bringt das Gefühl von Familie auf den Punkt. Denn trotz aller Konflikte, trotz Stress und Alltagssorgen ist die Familie das, was uns Halt gibt und dessen wir uns immer sicher sein können. Aber was ist es, was Familien zusammenhält? Über die biologische Verbindung hinaus ist der Familienzusammenhalt vor allem: Zeit füreinander und ein Bewusstsein dafür, was die Familie braucht und was sie beschäftigt. Das ist nicht immer einfach – aber die Anstrengung lohnt sich. Wir haben uns im Folgenden mit den wichtigsten Fragen zum Thema Familienzusammenhalt auseinandergesetzt und geben Tipps, wie Sie Ihre Familie stärken können.

Untrennbar verbunden – die Beziehung zwischen Eltern und Kind

Anders als in der Beziehung zwischen zwei Partnern geht man die Beziehung zum eigenen Kind nicht aus freien Stücken ein – zumindest können sich weder Eltern noch Kinder den jeweils anderen aussuchen. Dennoch ist die Eltern-Kind-Beziehung und insbesondere die Mutter-Kind-Beziehung die erste und prägendste Bindung, die Kinder eingehen.

Mutter-Kind-Bindung: Schon aus biologischen Gründen ist die Mutter-Kind-Bindung die intensivste Beziehung im Leben von Kindern. In den ersten Lebensjahren ist sie von großer Abhängigkeit und körperlicher Nähe geprägt. Wird das Kind langsam selbstständiger, gehört auch das Loslassen und das Schaffen von gegenseitigen Freiräumen zu einer gesunden Mutter-Kind-Beziehung. Erfahren Sie mehr darüber, wie Sie die Mutter-Kind-Bindung stärken können.

Vater-Kind-Bindung: Moderne Väter möchten eine möglichst große Rolle im Leben ihrer Kinder spielen und von Anfang an eine intensive Bindung zu ihrem Kind aufbauen. Das ist nicht nur eine Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie – es setzt auch voraus, dass die Mutter eine solche Vater-Kind-Bindung unterstützt und akzeptiert, dass der Vater in bestimmten Situationen anders handelt als sie selbst.

Vater-Tochter-Bindung: Experten gehen davon aus, dass das Leben einer Frau nachhaltig von der Beziehung zu ihrem Vater beeinflusst wird. Eine funktionierende Vater-Tochter-Beziehung ist nicht nur wichtig für das Selbstbewusstsein einer Frau, sondern entscheidet auch über ihre Partnerwahl und ihre Beziehungsfähigkeit.

Mama-Kind und Papa-Kind – ist das ein Problem?

Fast alle Kinder haben Phasen, in denen sie ausschließlich auf ein Elternteil fixiert sind. Dann darf nur Papa die Schuhe anziehen und das Kind im Auto anschnallen – oder es gibt Riesengebrüll, wenn Mama kurz zum Einkaufen wegfährt und das Kind mit Papa zu Hause bleiben soll. Manchen Eltern fällt es schwer, sich in solchen Situationen nicht zurückgesetzt zu fühlen. Sie fordern Unterstützung vom Partner ein, der unwillkürlich zwischen die Fronten gerät. Wie reagiert man in solchen Situationen?

Meist nur eine Phase:

Die wenigsten Kinder sind durchgängige Mama- oder Papa-Kinder. Je kleiner ein Kind ist, desto wichtiger ist die Mutter als Bezugsperson, weil sie die meiste Zeit mit dem Kind verbringt. Wird ein Kind mobiler, wird häufig der Vater zum liebsten Spielpartner. Die Fixierung auf einen Elternteil kann über die gesamte Kindheit hinweg immer wieder auftreten - auch abwechselnd bei Mama und Papa.

 

Nicht persönlich nehmen:

Auch wenn es schwerfällt, sollte der "abgewiesene" Elternteil nicht beleidigt sein oder eine Erklärung vom Kind einfordern. Dass ein Kind sich besonders stark zu Mama oder Papa hingezogen fühlt, heißt weder, dass es den anderen Elternteil ablehnt, noch dass dieser etwas falsch gemacht hat.

Am besten gemeinsam:

Ein Kind zwingen, Zeit mit Mama oder Papa zu verbringen, hat keinen Zweck, eventuell verstärkt man damit die Fixierung auf den anderen Elternteil sogar. Besser ist es, den anderen Elternteil unauffällig mit einzubinden. Wenn unbedingt Papa die Schuhe anziehen soll, dann kann vielleicht Mama schon mal die Schuhe holen. Wenn nur Mama die Gutenachtgeschichte lesen darf, lesen Sie einfach zu dritt.

Zeit für die Familie finden – gar nicht so einfach

Es scheint paradox: Als Familie lebt man zusammen unter einem Dach, sieht sich täglich und kennt sich in allen Lebenslagen – und doch wünschen sich knapp die Hälfte aller Väter und weit mehr als die Hälfte aller Mütter, mehr Zeit für ihre Familie zu haben. Wie kommt es, dass im Alltag kaum mehr Zeit zu sein scheint für gemeinsame Unternehmungen oder ein paar ruhige Stunden als Familie zu Hause? Haben wir wirklich so viel weniger Zeit als unsere Eltern und Großeltern?

Insgesamt betrachtet, haben die Deutschen mehr Freizeit als noch vor 30 Jahren. Was auffällt, ist, dass vor allem Menschen in der Mitte ihres Lebens unter Zeitdruck stehen – Männer und Frauen zwischen 27 und 40 Jahren. Weil sich die Menschen mehr Zeit für ihre Ausbildung nehmen und die Familienplanung nach hinten verlegen, fällt in diesem Lebensabschnitt alles zusammen: Kinder, die wichtigsten Karriereschritte und der Wunsch, sich selbst zu verwirklichen. Die Folgen sind chronischer Zeitmangel und Alltagsstress.

Aber wie schafft man es, mehr Familienzeit in den Alltag einzubauen? Eine Möglichkeit sind feste Termine für gemeinsame Zeit. Wenn es möglich ist, jede Woche pünktlich zum Sportunterricht oder zur Geigenstunde zu erscheinen, dann lässt sich auch ein regelmäßiger gemeinsamer Spaziergang oder ein Abendessen mit allen Familienmitgliedern organisieren. Ein anderer Weg ist, bewusst auf ein paar Termine zu verzichten. Insbesondere Kinder haben heute oft einen durchgetakteten Alltag, und die Eltern fungieren als Fahrdienst. Lassen Sie Ihrem Kind ein paar freie Nachmittage in der Woche und genießen Sie es gemeinsam, keine Verpflichtungen zu haben.

Familie flexibel – wie funktionieren Patchwork- und Ein-Eltern-Familien?

Mama-Papa-Kind? In Bilderbüchern und Kinderfilmen ist Familie meist ganz einfach: Mama, Papa, Kind und Hund leben als Familie zusammen. Im wirklichen Leben ist die sogenannte „Kernfamilie“ durchaus keine Selbstverständlichkeit mehr. Rund 16 % der Familien mit Kindern unter 18 Jahren in Deutschland haben nur einen Elternteil (Alleinerziehende), 14 % sind Patchworkfamilien, in denen mindestens ein Partner Kinder aus einer früheren Beziehung mitgebracht hat. Diese Familienformen sind nicht neu, aber sie werden häufiger – und sie bringen ihre eigenen Herausforderungen mit sich.

Patchworkfamilie: Wenn sich eine Familie neu zusammenfindet, dann ist das fast immer eine Herausforderung. Verschiedene Weltanschauungen und Erziehungsstile treffen aufeinander, die Kinder hadern mit den Veränderungen oder möchten den neuen Partner ihrer Eltern nicht akzeptieren. Familienexperten sagen, dass es bis zu fünf Jahre dauern kann, bis sich die Mitglieder einer Patchworkfamilie zusammengerauft haben und jeder seinen Platz in der neuen Konstellation gefunden hat. Bis dahin ist viel Geduld nötig, etwas Toleranz und viele Gespräche – aber wenn es gelingt, ist der Zusammenhalt der Patchworkfamilie oft umso stärker.

Alleinerziehend: Alleinerziehende Eltern haben es oft doppelt schwer, den Familienzusammenhalt zu pflegen. Denn obwohl die Bindung zu den Kindern häufig sehr eng ist, bleibt im Alltag kaum Zeit für gemeinsame Unternehmungen oder kleine Momente der Ruhe. Statistisch gesehen sind alleinerziehende Eltern besonders häufig von Armut bedroht und haben ein hohes Risiko für stressbedingte Erkrankungen. Ein fester Familienzusammenhalt ist eine wichtige Stütze für alle Mitglieder der Mini-Familie – umso wichtiger ist es für Alleinerziehende, ihre eigenen Bedürfnisse und die ihrer Kinder wahrzunehmen.

Vater sein – was kommt auf mich zu?

Nicht nur vor der Geburt ihres Kindes plagen sich viele Väter mit Zweifeln – auch, wenn ein Kind bereits auf der Welt ist, hinterfragen sie regelmäßig ihre Vaterrolle und ihre Qualitäten als Vater. Die Anforderungen sind gewachsen: Heute muss sich ein Vater im Idealfall zu gleichen Teilen in Beruf und Familie engagieren und ein liebevoller und aufmerksamer Partner sein.

Allen, die an dieser Herausforderung zu verzweifeln drohen, sei gesagt: Den perfekten Vater gibt es nicht. Viele Experten sind mittlerweile der Ansicht, dass die Vereinbarung von Familie, Beruf und Beziehung in der Praxis schlicht unmöglich sei. Was nicht heißt, dass man als Vater nicht immer sein Bestes geben sollte. Hier erfahren Sie, wie Väter mit ihren Zweifeln umgehen.

Familienzusammenhalt_1_650_123.jpg
© 123RF

Tipps für eine starke Familie:

  • Regelmäßige gemeinsame Zeit: Ob gemeinsame Unternehmungen oder nur ein schnelles gemeinsames Frühstück im Alltag – gemeinsam verbrachte Zeit ist die Grundlage eines gesunden Familienzusammenhalts.
  • Offen miteinander sprechen: Werden Probleme totgeschwiegen, um Konflikte zu vermeiden, vergiften sie nach und nach das Familienleben – Offenheit und regelmäßige Aussprachen gehören zum Familienleben dazu.
  • Fehler zugeben und verzeihen können: Je früher ein Streit aus dem Weg geräumt wird, desto besser. Aufeinander zuzugehen gehört ebenso dazu wie verzeihen zu können. Hier sind die Eltern ein wichtiges Vorbild für ihre Kinder.
  • Eine feste Struktur schaffen: Eine Familie kann nur funktionieren, wenn jeder weiß, woran er ist. Dafür braucht es klare Regeln und klar verteilte Rechte und Pflichten. Stellen Sie diese Regeln ruhig hin und wieder auf den Prüfstand – das verhindert, das Frust aufkommt.
  • Familienrituale pflegen: Sei es das gemeinsame Sonntagsfrühstück, ein Spieleabend oder ein Lied, das auf Autofahrten gesungen wird – Rituale schaffen Sicherheit und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.
  • Veränderungen akzeptieren: Eine Familie ist ein dynamisches Konstrukt, in dem sich alle Familienmitglieder weiterentwickeln. Nehmen Sie es hin, dass sich die Beziehungen innerhalb der Familie ändern und sich Prioritäten möglicherweise verschieben – einen festen Familienzusammenhalt wird das nicht erschüttern.