Familienzeit – haben Familien zu wenig Zeit füreinander?

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Unser Leben wird immer schneller: Informationen, Kontakte und alles, was man zum Leben braucht, sind rund um die Uhr und von überall aus verfügbar. Wir können an jeden Ort der Welt reisen und haben alle Möglichkeiten – und genau darin liegt die große Herausforderung. Denn wer nichts verpassen möchte, hat am Ende für alles zu wenig Zeit. Das gilt umso mehr in der Familie, wo die Termine, Wünsche und Interessen von allen Familienmitgliedern koordiniert und zeitlich abgestimmt werden, Tag für Tag. Die gemeinsame Zeit als Familie kann dabei schnell auf der Strecke bleiben – aber wie schafft man es, mehr Familienzeit in den Alltag einzubauen?

Gemeinsam verbrachte Zeit hält die Familie zusammen

Experten haben keine Zweifel, dass Familienzeit einer der wichtigsten Faktoren für ein glückliches, funktionierendes Familienleben ist. Es gibt Studien, die diese Annahme belegen: Insgesamt schätzten die Familien, die sich viel Zeit füreinander nahmen, den Familienzusammenhalt besser
ein, fühlten sich geborgener in der Familie und bewerteten die Beziehungen zu nahen und weiter entfernten Familienmitgliedern positiver. Angesichts dessen ist es nicht verwunderlich, dass sich neun von zehn Eltern vor allem mehr Zeit für ihre Kinder wünschen.

Wie kommt es, dass wir immer weniger Zeit für die Familie haben?

Der siebte Familienbericht der Sachverständigen-Kommission der Bundesregierung bestätigt, was viele Eltern tagtäglich im Alltag erleben: Insbesondere im Alter zwischen 27 und 40 Jahren fehlt es den Menschen an Zeit. Woran liegt das?

Früher Eintritt ins Berufsleben:

Durch die anspruchsvoller und internationaler werdende Berufsausbildung kommen viele junge Menschen später auf den Arbeitsmarkt. Meist fallen die ersten Karriereschritte dann mit der Familienplanung zusammen. Junge Eltern setzen sich zunehmend unter Druck, auch mit Kind im Job möglichst leistungsfähig zu bleiben, um ihrer Karriere nicht zu schaden.

Frauen arbeiten mehr:

Viele Frauen steigen heute spätestens ein Jahr nach der Geburt wieder in den Beruf ein - teils weil sie selbst eine berufliche Karriere anstreben, teils aus wirtschaftlichen Gründen. Die Arbeitslast der Partner ändert sich dadurch nicht - und nach aktuellen Ummfragen bleit auch die Arbeitsverteilung im Haushalt und in der Kinderbetreuung unverändert.

Zwei Einkommen notwendig:

In vielen Familien reicht das Einkommen eines Elternteils nicht mehr zum Leben aus. Wer studiert hat, muss eventuell Studiendarlehen abzahlen oder sich mit einem niedrigen Einstiegsgehalt zufriedengeben. Gleichzeitig sind die Ansprüche gestiegen - so möchten viele Menschen zwei Autos, ein Eigenheim und regelmäßige Urlaubsreisen finanzieren.

Freizeitstress:

Nicht nur Job, Kita und Schule sind verantwortlich für den Zeitmangel in der Familie.Viele Eltern vergrößern den Druck, indem sie ihren Kindern möglichst viel bieten möchten. Unter der Woche sind die Tage mit Musikunterricht, Sportverein oder Nachhilfe verplant, abends sind Hausaufgaben dran - da bleibt wenig Zeit für die Familie.

Wie schaffe ich mehr Familienzeit im Alltag?

Bei der Familienzeit zählt nicht nur die Quantität, sondern vor allem die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit. Jeden Morgen eine Viertelstunde gemeinsam zu frühstücken kann wertvoller sein als zwei Stunden zusammen vor dem Fernseher zu sitzen. Bei der Familienzeit geht es um Zuhören und Aufeinander-eingehen, oder einfach darum, gemeinsam Spaß zu haben und Neues zu erleben.

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  • Gemeinsame Mahlzeiten: Versuchen Sie, für mindestens eine Mahlzeit am Tag die gesamte Familie an einen Tisch zu bekommen. Welche Mahlzeit das ist und wie lange sie dauert, entscheiden Sie – wichtig ist, dass weder gelesen, noch auf dem Handy getippt wird. Fragen Sie sich gegenseitig nach den Erlebnissen des Tages oder planen Sie Unternehmungen für das Wochenende.
  • Einen Tag für die Familie reservieren: Je älter Kinder werden, desto schwieriger wird es, sie zu gemeinsamen Unternehmungen zu bewegen. Dennoch könnten Sie versuchen, einen gemeinsamen Tag in der Woche einzuplanen. Am besten klappt das, wenn die Kinder mitentscheiden dürfen – vielleicht darf reihum ein Familienmitglied eine Aktivität planen.
  • Kindern mehr Zeit lassen: Wer tagsüber in Kita oder Schule ist und nachmittags an Spielkreisen, Förderangeboten und Sportkursen teilnimmt, der hat kaum Zeit zum Nichts-Tun. Genau das ist für Kinder jedoch wichtig, um zu entspannen und um zu lernen. Kinder müssen frei und ungestört allein spielen können – daher sollten Eltern nicht nur für sich, sondern auch für ihre Kinder mehr freie Zeit schaffen.
  • Flexible Arbeitszeitmodelle ansprechen: Obwohl der Großteil der Eltern mit kleinen Kindern sich flexiblere Arbeitszeiten wünscht, bieten viele Arbeitgeber nach wie vor nur die Optionen Teilzeit und Vollzeit an. Dabei wären in vielen Berufen Gleitzeitregelungen, Arbeitszeitkonten oder Home-Office problemlos möglich. Vielleicht können Sie Ihrem Arbeitgeber eine solche Regelung vorschlagen – in der Regel sind Angestellte, die ihre Arbeitszeit flexibel einteilen können, sogar leistungsfähiger und -willi