Geschwisterstreit: völlig normal und trotzdem anstrengend

Geschwisterstreit_1_650_123.jpg
© 123RF

„Ich hatte das zuerst!“ „Das ist meins!“ „Du hast viel mehr genommen als ich!“ Allen Eltern mit mindestens zwei Kindern sind diese Sätze nur zu vertraut. Diese und viele weitere – denn der Familienalltag bietet Geschwistern nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für kleinere und größere Auseinandersetzungen. Häufig ist es sogar so, dass Geschwister, die sich besonders nahestehen, umso erbitterter streiten. Auch, wenn sie sich meist schnell wieder vertragen und einträchtig weiterspielen, kann ständiges Streiten ziemlich nervenaufreibend für die Eltern sein. Aber wie geht man mit Geschwisterstreit um? Eingreifen oder nicht? Wir haben ein paar Tipps, wie Sie im Streitfall reagieren.

Warum streiten meine Kinder so viel?

Ist das normal? Viele Eltern sind ratlos, wenn sich ihre Kinder ständig in den Haaren haben. Ist es normal, dass Kinder jeden Tag unzählige Auseinandersetzungen haben, die teilweise sogar in handfeste Raufereien ausarten? Experten sagen ja: Schließlich verbringen Geschwister fast ebenso viel Zeit miteinander wie mit ihren Eltern. Je geringer der Altersunterschied zwischen den Geschwistern, desto häufiger kommt es zu Reibereien.

Dazwischen gehen – ja oder nein? Grundsätzlich sollten Kinder einen Streit austragen können, um ein Problem zu bereinigen und sich wieder zu vertragen.

Nur, wenn ein Streit gewalttätig wird oder kein Ende findet, sollten Sie eingreifen und versuchen, zwischen den Streithähnen zu vermitteln.

Wofür ist das Streiten gut? Streiten kann nervenaufreibend für die Eltern sein, aber Kinder lernen dadurch, für ihre Interessen einzustehen und sie zu verteidigen. Gleichzeitig helfen die Auseinandersetzungen Geschwistern, ihren Platz innerhalb der Familie abzustecken – und sie machen bewusst, dass auch die anderen Familienmitglieder Bedürfnisse haben, die sie durchsetzen möchten.

Die wichtigsten Grundregeln für Streit unter Geschwistern

  • Streit zulassen: Es ist nicht nötig, bei jedem Geschrei einzugreifen. Ihre Kinder müssen lernen, Streitigkeiten unter sich auszumachen und eine Lösung zu finden. Vermitteln Sie nur, wenn ein Streit kein Ende nimmt.
  • Aufmerksam bleiben: Auch, wenn Sie sich nicht einmischen, sollten Sie ein offenes Ohr für die Situation behalten. Wenn ein Kind verletzt wird oder wenn auf einmal mit Schimpfwörtern um sich geworfen wird, ist es Zeit, die Reißleine zu ziehen.
  • Neutral bleiben: Versuchen Sie, nicht Partei zu ergreifen, auch wenn z. B. das jüngere Kind dem älteren in einer Diskussion offensichtlich unterlegen ist. Ermutigen Sie die Kinder, ihren Streit unter sich zu klären und betonen Sie, dass Sie nicht beurteilen können, wer angefangen hat.
  • Konflikte ansprechen: Wenn Geschwister sehr häufig oder erbittert miteinander streiten, können Sie den Streit in einer ruhigen Minute thematisieren. Versuchen Sie z. B. gemeinsam mit Ihren Kindern Verhaltensregeln für Streitsituationen aufzustellen.
  • Konsequent sein: Wenn Geschwister sich ständig um ein bestimmtes Spielzeug oder die Fernbedienung streiten, dann können Sie dieses Spielzeug für eine Weile weglegen oder den Fernseher einfach ausschalten. Meist ist das ein Anreiz, sich wieder zusammenzuraufen.

Selbstbewusste Kinder sind weniger anfällig für Streit

Ein häufiger Grund für Geschwisterstreit ist Eifersucht oder das Gefühl, sich seinen Platz in der Familie erkämpfen zu müssen. Kinder mit einem geringen Selbstwertgefühl neigen eher dazu, andere anzugreifen, um die eigene Position zu stärken. Darum ist es so wichtig, Kinder möglichst gerecht zu behandeln und jedem die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die es benötigt. Im hektischen Familienalltag ist es nicht immer leicht, Kuscheleinheiten, Lob und Zuwendung gleichmäßig zu verteilen. Aber Sie sollten darauf achten, dass Sie Ihren Kindern aufmerksam zuhören und sie in ihren individuellen Fähigkeiten bestärken, damit sie sich Ihrer Zuneigung jederzeit sicher sein können. Wenn es geht, sollten sie hin und wieder Zeit allein mit einem Kind verbringen – abwechselnd natürlich, damit Ihr Kind für eine Weile Ihre volle Aufmerksamkeit bekommt.

Geschwisterstreit_650_123.jpg
© 123RF

So stärken Sie die Solidarität zwischen Geschwistern

Hilfsbereitschaft fördern: Regen Sie Geschwister an, einander zu helfen. Bitten Sie zum Beispiel das größere Kind, dem kleinen die Mütze aufzusetzen oder fragen Sie das kleinere, ob es helfen kann, das Lieblingsspielzeug des größeren zu finden. Das stärkt den Zusammenhalt zwischen Kindern.

Nicht vergleichen: Vergleichen Sie nie die Fähigkeiten oder Eigenschaften Ihrer Kinder miteinander – damit sind Frust und Eifersucht praktisch vorprogrammiert. Besser ist es, jedes Kind für seine persönlichen Fähigkeiten zu loben.

Gerecht statt gleich: Es ist fast unmöglich, unterschiedlich alte Geschwister mit verschiedenen Persönlichkeiten völlig gleich zu behandeln – und es wäre auch nicht sinnvoll. Versuchen Sie besser, immer gerecht zu sein, jedem Kind das zu geben, was es braucht und keines zu benachteiligen.

Zusammenhalt loben: Loben Sie Ihre Kinder, wenn sie etwas gemeinsam geschafft haben ober besonders schön zusammen spielen. Auch, wenn Ihre Kinder im Streit mit einem Elternteil gemeinsame Sache machen, können Sie darauf eingehen – schließlich stärken sie sich in einer Konfliktsituation gegenseitig den Rücken.