Je wackliger desto besser - Wie Kinder ins Gleichgewicht kommen

lp-magazin-gleichgewicht-01.jpg

Schaukeln, schwingen, drehen, kreiseln, balancieren: Die meisten Kinder können davon gar nicht genug bekommen. Sie lieben alle „schwindelerregenden“ Aktivitäten. Intuitiv wollen sie die Macht der Schwerkraft spüren, testen Gleichgewicht und Balance, trainieren die Koordination zwischen Kopf und Körper.

Und das ist gut: Kinder brauchen viele Möglichkeiten, sich in „wackeligen Situationen“ auszuprobieren. Besonders die sensiblen Entwicklungsjahre vom Kleinkind- bis zum Grundschulalter sind hierfür wichtig. Herausforderungen für den Gleichgewichtssinn bringen die gesamte körperliche und geistige Entwicklung der Sprösslinge voran.

Warum ist das Gleichgewicht so wichtig?

Nur mit einem fein austarierten Gleichgewicht können wir uns gegen die Schwerkraft aufrichten und verschiedene Haltungen einnehmen – sogar einen Handstand machen und die Welt andersherum betrachten. Wer kleine Kinder beim Laufen lernen beobachtet, erkennt schnell, dass unser aufrechter Gang unserem Körper und unserem Kopf einiges abverlangt.

Ebenso wie beim später beim Schaukeln oder Balancieren wird das Gehirn stark gefordert: Es muss die Lage im Raum kontinuierlich bestimmen, es muss alle Sinneseindrücke und Körperbewegungen verarbeiten und koordinieren.

Hochleistungsrechnen in unserer „ Schaltzentrale“

lp-magazin-gleichgewicht-03.jpg

Unsere „Steuerzentrale“ lernt durch Ausprobieren einzuschätzen, welcher Muskel zu welcher Zeit wie stark erregt werden muss, um zu laufen oder auch um auf einem schmalen Brett zu balancieren oder beim Kreiseln nicht umzufallen. Einmal gelernt, verschwinden diese mathematischen Hochleistungen in unserem Unterbewusstsein und wir müssen fortan nie wieder drüber nachdenken, welche Muskelgruppen wie zum Treppensteigen oder zum Stehen auf einem Bein benutzt werden.

Die „motorischen Basics“ reifen bereits in den ersten Lebensjahren. Ab sechs oder sieben Jahren konzentriert sich das Gehirn auf die Entwicklung anderer Bereiche und greift auf das schon vorhandene Wissen zurück.

Wie das Gleichgewicht fördern?

Damit sich Kinder gesund entwickeln, müssen sie sich vielfältig bewegen. Um ihr Gleichgewicht und ihre Körperwahrnehmung zu stärken, sollten Kinder verschiedene Positionen des Körpers und unterschiedliche Fortbewegungsarten ausprobieren sowie das Körpergleichgewicht in verschiedenen Lagen und auf verschiedenen Untergründen erproben.

Übersetzt in den Familienalltag heißt das: Ganz viel spielen und toben, schaukeln, schwingen, rollen, drehen in alle Richtungen oder balancieren, am besten auf schmalen und wackeligen Untergründen.

So lernen Kinder auch die fantastischen Möglichkeiten ihres Körpers kennen und können Risiken abschätzen.Und keine Angst: Kinder wissen meist sehr gut, wie weit sie gehen können. Nur wenn sie sich trauen dürfen, entwickeln sie auch Selbstvertrauen. Wie sollen sie sonst erfahren, wie hoch sie klettern können, wie schnell sie laufen oder wie stark sie sind, wenn sie es nicht ausprobieren dürfen?

Außerdem finden es Kinder toll, die Welt mal aus einer anderen Perspektive zu entdecken: von ganz unten oder von ganz oben. Und wer dahin will, muss sich bewegen.

lp-magazin-gleichgewicht-02.jpg

Fünf lustige Spiele, die das Gleichgewicht trainieren

Wenn das Wetter draußen nicht zum Schaukeln, Balancieren und Klettern einlädt, machen diese Spiele in der Wohnung Spaß:

1. Eine Fahrt mit der Eisenbahn
    Das Kind sitzt oder liegt auf einer Decke. Sie ziehen es durch den Raum und die ganze             
    Wohnung. Der kleine Passagier muss sich gut festhalten, damit er nicht aus dem     
    Eisenbahnwaggon purzelt.
2. Wackelige Hängebrücke
    Ein Bettbezug wird mit halb aufgeblasenen Luftballons gefüllt. Von beiden Enden aus geht     
    jeweils ein Kind über die „wackelige Brücke“ – jeder auf die andere Seite. Wer zuerst ankommt
    ohne „abzustürzen“ hat gewonnen.
3. Immer schön ruhig halten
    Wer schafft es, mit einem Buch auf dem Kopf von einer Zimmerecke zur anderen zu gehen?
    Wer krabbelt diese Strecke mit dem Buch auf dem Rücken? Wer erreicht die andere     
     Zimmerecke, indem er auf der ausgestreckten Hand einen Tischtennisball balanciert?
4. Wackelstrecke
    Legen Sie einen Parcours aus Luftmatratzen, Kissen, Decken oder Matten, mit kleinen Kissen 
    oder Tennisbällen darunter. So entstehen Unebenheiten, über die das Kind am besten barfuss
    läuft. Spannender wird der Weg, wenn kleine Gegenstände transportiert oder ein Hindernis zum
    Darüberklettern eingebaut wird.
5. Wippe in der Wohnung
    Legen Sie ein Brett auf ein stabiles Rundholz oder Rohr. In der Mitte stehend kann Ihr Kind     
    wippen.