Wie gewöhne ich meinem Kind den Schnuller ab?

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Er ist Zaubermittel und Zankapfel im Alltag mit Baby: Am Schnuller scheiden sich die Geister. Für viele Eltern ist der Gummisauger unverzichtbar, um ihre Kinder zu beruhigen oder zum Einschlafen zu bringen. Ein Kind, das ständig den Schnuller hat, geht aber doch vielen gegen den Strich . Nicht zuletzt gibt es Mediziner und Pädagogen, die dem Schnuller kritisch gegenüberstehen.
Wie der richtige Umgang mit Schnuller für Sie und Ihr Kind aussieht, entscheiden Sie selbst. Wenn Sie aber finden, dass es langsam Zeit ist, den Schnuller aus dem Haus zu verbannen, dann haben wir für Sie ein paar Tipps, wie es ohne Stress funktioniert.

Richtig oder falsch? - Fakten und Mythen rund um den Schnuller

1. Schnuller befriedigen das natürliche Saugbedürfnis von Babys

Dass Babys mit einem ausgeprägten Saugbedürfnis zur Welt kommen, ist unbestritten. Ebenso die Tatsache, dass sie das Saugen beruhigt, zum Beispiel, wenn sie müde sind oder kränkeln. Mit Blick auf das Saugbedürfnis ist der Schnuller also keine Dauerlösung, sondern eine gezielte, zeitweise Beruhigung – die gleiche Funktion, die auch das Saugen an der Brust erfüllt.

2. Schnullerkinder trinken schlechter an der Brust

Es gibt keinen medizinischen Nachweis dafür, dass Kinder, die einen Schnuller bekommen, Schwierigkeiten haben, an der Mutterbrust zu trinken – wohl aber dafür, dass nicht gestillte Kinder häufiger einen Schnuller bekommen als gestillte. Wenn Sie Sorgen haben, dass der Schnuller das Trinkverhalten Ihres Babys stören könnte, verzichten Sie in der ersten Zeit darauf. Mit ein bis zwei Monaten sind die meisten Kinder so geübt an der Brust, dass der Schnuller keinen Einfluss auf ihr Saugverhalten hat.

3. Schnuller begünstigen Kiefer- und Gaumenfehlstellungen

Es gibt verschiedene Studien, die ein erhöhtes Risiko für Kiefer-, Gaumen- und Zahndeformation bestätigen – wenn ein Schnuller über das zweite Lebensjahr hinaus regelmäßig genutzt wird. Ob die Schnuller symmetrisch oder anatomisch bzw. „kiefergerecht“ geformt sind, spielt dabei keine Rolle.

4. Einige Kinder lehnen Schnuller grundsätzlich ab

Nicht alle Kinder können sich mit dem Schnuller anfreunden – häufig spielt dabei aber auch die Schnullergröße und seine Form eine Rolle, oder der Schnuller wird zu früh angeboten. In den ersten Wochen haben viele Kinder noch Schwierigkeiten, einen Schnuller im Mund „festzuhalten“, sodass es wirkt, als würden sie den Schnuller wieder ausspucken.

5. Kinder, die keinen Schnuller bekommen, werden zu Daumenlutschern

Nicht alle Kinder, die ohne Schnuller aufwachsen, lutschen am Daumen, und auch Schnullerkinder lutschen oder kauen hin und wieder an ihren Fingern. Grundsätzlich ist der Schnuller dem Daumen aber vorzuziehen, da er leichter abzugewöhnen ist. Kinder, die am Daumen lutschen, tun dies häufig auch mit vier oder fünf Jahren noch.

So klappt’s mit der Schnuller-Entwöhnung

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„Radikalentwöhnung“ vermeiden: Für viele Kinder ist der Schnuller ein wichtiger Bestandteil des Alltags, der ihnen Sicherheit und Trost gibt. Ein radikaler Stopp ist meist mit Stress verbunden – auch für die Eltern.

Den richtigen Zeitpunkt finden: Die Abgewöhnung sollte nicht in eine Zeit fallen, in der große Veränderungen anstehen, z. B. der Beginn des Kindergartens oder die Geburt eines Geschwisterchens – besser eine Zeit wählen, in der die nötige Ruhe herrscht.

Wenn möglich, freiwillig: Falls Ihr Kind nicht zu denen gehört, die irgendwann von ganz allein kein Interesse mehr am Schnuller haben, sollten Sie dennoch versuchen, eine freiwillige Aufgabe des Schnullers zu verhandeln. Ab etwa 2 bis 2,5 Jahren sind Kinder in der Lage, sich bewusst von ihrem Schnuller zu verabschieden.

Schnullerzeiten reduzieren: Wenn Sie die Schnullerzeiten langsam zurückschrauben, fällt die Abgewöhnung leichter. Das funktioniert ab etwa einem Jahr. Viele Eltern beschränken den Schnuller auch auf bestimmte Bereiche, z. B. auf das Bett, auf das Auto oder den Kinderwagen.

Schnullerfee: Die Schnullerfee ist weit verbreitet: Wenn das Kind dazu bereit ist, legt es den Schnuller abends an einem vereinbarten Platz ab. Nachts kommt die Schnullerfee, sammelt den Schnuller ein und hinterlässt dafür ein kleines Geschenk. Diese Methode hat den Vorteil, dass Ihr Kind seinen Schnuller nicht aufgibt, sondern eher eintauscht. Einige Eltern erzählen ihrem Kind auch, dass die Schnullerfee den Schnuller den „kleinen Babys“ mitbringt.

Abgabe-Zeremonie: Manche Eltern ziehen ein Schnuller-Ritual dem Märchen von der Schnullerfee vor. Dabei kann das Kind den Schnuller zum Beispiel an einen Baum hängen, ihn selbst im Müll entsorgen oder im Garten verbuddeln. So trägt es aktiv bei und weiß immer, wo der Schnuller ist.

Dos and Dont’s für den Umgang mit Schnuller

  • Erst einen Schnuller anbieten, wenn das Trinken an der Brust oder aus dem Fläschchen reibungslos funktioniert
  • Auf die passende (altersgerechte) Schnullergröße achten
  • Schnuller nur zeitweise verwenden, z. B. bei Weinen, als Einschlafhilfe
  • Schnuller mit spätestens zwei Jahren abgewöhnen, um Fehlstellungen zu vermeiden
  • Entwöhnung nicht in Veränderungsphasen legen
  • Die Entwöhnung möglichst stressfrei gestalten – siehe Methoden zur Schnuller-Entwöhnung
  • Nicht unnötig sorgen: Kinder können auch sehr gut ohne jeglichen Schnuller aufwachsen, ohne zum mehrjährigen Daumenlutscher zu werden.