Die Sinneswahrnehmung von Kindern – so entdecken Kinder die Welt

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In unserer Welt gibt es eine Menge zu entdecken. Der süße Duft von frischgebackenem Kuchen, die bunten Farben der Spielsteine im Kinderzimmer oder der Geschmack von frischen Erdbeeren. Dabei ist es keine Selbstverständlichkeit, die Sinne so zu nutzen, wie Erwachsene es tun. Denn die Entwicklung der Sinne bei Kindern ist ein langjähriger Prozess. Vom hilflosen Neugeborenen, bei dem zwar die Veranlagung für das Sehen, Riechen, Hören, Schmecken und Fühlen vorhanden ist, bis zum Schulkind, das seine Sinne differenziert einsetzen kann, ist es ein langer Weg. Erfahren Sie hier, wie die Sinneswahrnehmung bei Kindern verläuft und wie Kinder die Sinne entdecken.

Sinneswahrnehmung bei Kindern - Wann entwickelt sich welcher Sinn meines Kindes?

Die Sinne Ihres Kindes entwickeln sich nicht alle geleichzeitig und nicht gleich schnell. Schon bei der Geburt sind die einzelnen Fähigkeiten zur Sinneswahrnehmung unterschiedlich ausgeprägt.


Sehsinn: Der Sehsinn eines Kindes ist bei seiner Geburt noch schwach ausgeprägt. Bei seiner Geburt kann ein Neugeborenes nur Hell-Dunkel-Kontraste unterscheiden. Im ersten Lebensjahr sehen die Kleinen noch nicht so scharf wie Erwachsene und bis die Entwicklung des Sehsinns bei Kindern vollkommen abgeschlossen ist, dauert es auch noch ein paar Jahre. Ein gut entwickelter Sehsinn ist wichtig für die Orientierung, die Einschätzung von Gefahren und die Wahrnehmung der Umwelt.

Fühlen:
Alle Berührungen, die wir mit unserer Haut wahrnehmen, gehören zum Tastsinn – und dieser ist bereits im Mutterleib entwickelt. Durch Erfahrungen lernen Kinder verschiedene Berührungen wie starken Druck oder sanftes Streicheln zu differenzieren und zu bewerten. Differenzierte Berührungen mit Händen und Füßen sind wichtig für die Ausprägung der Fein- und Grobmotorik. Zudem spielen liebevolle Berührungen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Tastsinns – Kuscheln und Umarmen tut Ihnen und Ihrem Kind gut!

Hörsinn: Im Gegensatz zum Sehen können auch Neugeborene schon gut hören. Doch erst im Laufe der Zeit, wenn das Kleinkind neue Geräusche und Höreindrücke kennenlernt, entwickelt sich der Hörsinn weiter. So müssen Kinder beispielsweise lernen, Geräuschquellen zu lokalisieren – und das ist gar nicht so einfach! Kinder, die nicht gut hören, haben häufig Probleme in der Sprachentwicklung. Lassen Sie bei Auffälligkeiten das Gehör Ihres Kindes von einem Facharzt überprüfen.

Geruchssinn: Die Veranlagung zum Riechen ist bereits in der Frühschwangerschaft ausgebildet. Neugeborene können schon sehr gut riechen, interessieren sich jedoch hauptsächlich für den Körpergeruch der Eltern, der ihnen das Gefühl von Sicherheit vermittelt, sowie den Geruch von Muttermilch, die ihr Überleben sicherstellt. Der Riechprozess ist eng mit dem Gedächtnis verbunden – so werden Gerüche mit Erlebnissen in Verbindung gebracht und dadurch positiv oder negativ bewertet.

Geschmacksinn:
Die Entwicklung des Geschmacksinns ist abhängig vom Geruchssinn eines Kindes. Die Erfahrung hat jeder schon einmal gemacht: Wer nichts riecht, schmeckt auch nicht viel. Dabei bilden sich die Geschmacksknospen auf der Zunge bereits in der Frühschwangerschaft aus. Neugeborene schmecken bereits sauer, bitter und süß; im Alter von etwa vier Monaten können Babys auch salzigen Geschmack wahrnehmen. Mit drei Jahren ist die Entwicklung des Geschmackssinns abgeschlossen. Geschmackliche Vorlieben werden sich im Laufe der Jahre jedoch noch stark verändern.

Gleichgewichtssinn:
Die Entwicklung des Geleichgewichtssinns beginnt bereits im Mutterleib. Hier wird durch Verlagerungen des Babykopfes das Gleichgewichtsorgan stimuliert. Dieses befindet sich im Innenohr. Ein gut ausgebildeter Gleichgewichtssinn ist wichtig für die verschiedensten Bewegungsabläufe und die gesamte Entwicklung des Kindes.

Wenn die Sinneswahrnehmung beeinträchtigt ist – Was Eltern tun können

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Nicht verzweifeln: Es ist absolut nachvollziehbar, dass Sie sich Sorgen um Ihr Kind machen, wenn Sie feststellen, dass es in seiner Entwicklung hinterherhinkt. Versuchen Sie dennoch entspannt zu bleiben. Denn zunächst gilt: Jedes Kind entwickelt sich in einem anderen Tempo und davor macht auch die Sinneswahrnehmung bei Kindern nicht halt. Hinzu kommt, dass Wahrnehmungsstörungen bei Kindern relativ häufig vorkommen. Oftmals erledigen sich diese „Startschwierigkeiten“ von selbst oder lassen sich durch gezielte Förderung beheben.

Sinnesspiele für Kinder: Sinnesspiele sind eine tolle Möglichkeit, die Wahrnehmung auf einen gezielten Sinn zu lenken – und machen nicht nur Kindern Spaß. Spielerisch können Kinder so die Sinneswahrnehmung trainieren und lernen dadurch, die Umwelt bewusster wahrzunehmen.

Arzt aufsuchen: Wenn Sie unsicher sind, ob sich Ihr Kind altersgerecht entwickelt, sollten Sie in jedem Fall einen Kinderarzt aufsuchen. Dieser kann Ihnen sagen, ob eine Förderungsmaßnahme angemessen ist und wie diese aussehen könnte.

Ggf. Therapie durchführen: Viele Wahrnehmungsstörungen lassen sich mit den richtigen Methoden beheben oder zumindest verbessern. Eine Ergotherapie oder Krankengymnastik hilft zum Beispiel dabei, einzelne Muskelpartien gezielt zu trainieren oder die Feinmotorik zu verbessern.

Checkliste für Eltern:

Sinneswahrnehmung bei Kindern

  • Sie können die Sinneswahrnehmung Ihres Kinders zwar fördern, die Entwicklung aber nicht beschleunigen.
  • Mit Spiel und Spaß entwickeln sich die Sinne Ihres Kindes wie von allein. Beziehen Sie Ihr Kind auch in den Alltag ein, lassen Sie es im Haushalt mithelfen: Dabei trainiert es Wahrnehmung, Motorik und vieles mehr.
  • Die Sinneswahrnehmung von Kindern ist ein Prozess, der über einige Jahre hinweg verläuft. Dabei entwickeln sich die Sinne nicht gleichschnell, sondern folgen jeweils einem eigenen Tempo und Ablauf.
  • Kinder lernen ihre Sinne im Laufe der Zeit kennen und gezielt einzusetzen.
  • Viele Kinder sind von Wahrnehmungsstörungen betroffen. Aber keine Sorge – die meisten Probleme können Sie mit einer gezielten Förderung in den Griff bekommen.